Gefährliche Himmelskörper: Europa baut Asteroiden-Warnsystem aus

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Gefährliche Himmelskörper: Europa baut Asteroiden-Warnsystem aus

Der Meteoriteneinschlag in Russland im Februar hat Schlagzeilen und Angst gemacht. Europa baut sein Warnsystem aus, um gefährliche Himmelskörper mit Kollisionskurs auf die Erde ganz früh zu erkennen.

Die Zeit ist der alles entscheidende Faktor. Ist ein gefährlicher Asteroid tatsächlich auf Kollisionskurs mit dem Planeten Erde, dann gilt es ihn ganz rasch zu berechnen und danach zu handeln. Nahezu 10.000 bekannte Asteroiden oder Kometen sind „erdnahe Objekte“ - ein Bruchteil aller Himmelskörper mit Umlaufbahnen um die Sonne. Europas Weltraumorganisation ESA baut jetzt ihre Warnsysteme aus, auch um in Quasi-Echtzeit wichtige Daten über die Bewegungen in unserem Sonnensystem liefern zu können: Am ESA-Standort in Frascati südlich von Rom laufen künftig alle Informationen zusammen, aus denen die Experten auf mögliche Gefahren aus dem Weltall schließen können.

Verletzte bei Meteoriteneinschlägen

  • April 2012

    Ein in vielen Farben leuchtender Feuerball und Explosionsgeräusche schrecken die Menschen im Westen der USA auf. Der Meteorit ist Augenzeugen zufolge zwischen dem Norden des Bundesstaats Nevada bis südlich nach Las Vegas und westlich bis an die Küste Kaliforniens zu sehen. Der 40 Tonnen schwere Brocken rast mit 103 000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre. Bereits rund 48 Kilometer über der Erdoberfläche zerbricht er, niemand kommt zu Schaden.

  • Oktober 2006

    In einem Schrebergarten in Troisdorf bei Bonn brennt eine Laube aus. Als wahrscheinlichste Ursache gilt nach Angaben der Ermittler der Einschlag eines kleinen Meteoriten. Zeugen hätten zuvor eine ungewöhnliche Leuchterscheinung am Himmel beobachtet, heißt es. Ein 77-Jähriger erleidet Brandverletzungen, das Gestein wird aber nie gefunden.

  • Dezember 2004

    Ein heftiger Knall schreckt die Einwohner der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf. Das explosionsartige Geräusch stammte nach Angaben des Geophysikalischen Instituts in der Provinz West-Java von einem Meteoriten, der in der Region niederging. Zeugen hatten ein weißglühendes Objekt am Himmel gesehen. Nach Angaben der Polizei wird niemand verletzt.

  • Juni 2004

    Ein 1,3 Kilogramm schwerer Meteorit schlägt in ein Wohnhaus nahe der neuseeländischen Stadt Auckland ein. Der Brocken landet auf einem Sofa, niemand kommt zu Schaden.

  • September 2003

    Beim Einschlag eines Meteoriten im ostindischen Bundesstaat Orissa werden drei Menschen verletzt und zwei Häuser zerstört. Der Himmelskörper habe den Himmel erleuchtet und damit Panik ausgelöst, berichten indische Medien. Viele Menschen fliehen aus Angst.

  • April 2002

    Nur sechs Kilometer vom Märchenschloss Neuschwanstein entfernt stürzt ein rund 1,75 Kilogramm schwerer Meteorit nahe Füssen (Bayern) in den Schnee. Er ist Teil eines größeren Himmelskörpers, der als helle Erscheinung gesichtet worden war. Experten schätzen das Alter des „Neuschwanstein-Meteoriten“ auf 47 Millionen Jahre. Ein weiterer Teil wird ein Jahr später im Allgäu entdeckt.

  • Juni 1996

    Ein zwanzig Kilogramm schwerer Meteorit stürzt auf einen Bauernhof in der nordwestindischen Stadt Jaipur im Bundesstaat Rajasthan. Nach Medienangaben wird niemand verletzt. Die Dorfbewohner waren durch ein donnerartiges Krachen und Blitze aufgeschreckt worden.

  • März 1988

    Ein Meteorit kracht in Trebbin nahe Potsdam in ein Gewächshaus. Mitarbeiter der Gärtnerei sammeln 16 Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von gut einem Kilogramm ein.

„Es ist das Allerwichtigste überhaupt, die Asteroiden so früh wie möglich zu erkennen, um ihre Bahn bestimmen zu können“, erläutert der Projektleiter des Koordinationszentrums für erdnahe Objekte (NEOCC), Detlef Koschny, im Gespräch mit dpa. „Was in Frascati jetzt gebündelt und kombiniert wird, ist ein erster Schritt hin zu einem europäischen System“, ergänzt Koschny. Er verweist darauf, dass vor allem wichtige astronomische Auswertungen der Universität Pisa so wie auch die Daten anderer Systeme und Sensoren zusammengefasst werden. Der „Warndienst“ soll so verbessert, Zeit im Wettlauf mit Asteroiden gewonnen werden.

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Verwüstung durch Meteoriten auf der Erde

  • Barringer, Arizona

    Vor etwa 50.000 Jahren traf ein Meteorit mit einem Durchmesser von 45 Metern und einem Gewicht von 270.000 Tonnen auf die Erde. Beim Aufprall im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Arizona war er 72.000 Kilometer in der Stunde schnell und riss ein mehr als 170 Meter tiefes Loch. Der nahezu kreisrund Barringer-Krater mit einem Durchmesser von 1600 Metern wurde nach dem amerikanischen Bergbauingenieur Daniel Barringer benannt, der ihn im Jahr 1902 als erster erforschte. Wissenschaftler fanden dort einige kleine Stücke des Himmelskörpers aus Nickel und Eisen, der Hauptteil des Meteoriten verdampfte.

  • Chicxulub, Mexiko

    Der Einschlag des Meteoriten an der Nordküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán soll vor etwa 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben. Die dabei freigesetzte Einschlagenergie entsprach nach Angaben des Deutschen Geoforschungs-Instituts in Potsdam mehr als dem Zehntausendfachen des gesamten Weltarsenals an Atomwaffen und setzte riesige Mengen an Staub und Gas frei. Der Meteorit mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern traf die Erde mit etwa 90.000 Kilometern in der Stunde. Der Krater war bei einem Durchmesser von etwa 180 Kilometern bis zu 900 Meter tief. Etwa die Hälfte des Kraterrings ist unter der Meeresoberfläche des Golfs von Mexiko verborgen, auf dem Festland liegt er unter einer dicken Sedimentschicht.

  • Nördlinger Ries, Deutschland

    Das nordschwäbische Ries ist ein fast kreisrunder Kessel mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern. Der Riesenkrater entstand vor etwa 14,5 Millionen Jahren, als ein fast ein Kilometer großer Steinmeteorit mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 70.000 Stundenkilometern nahe der heutigen Stadt Nördlingen (Bayern) auf die Erdoberfläche prallte. Er drang 1000 Meter tief in die Erdkruste ein. In der Gluthitze des Aufpralls verdampfte der Meteorit. Die Wucht des Einschlags bewegte nach Forschungen über 150 Kubikkilometer Gestein. Das kosmische Geschoss soll die Zerstörungskraft von 250.000 Hiroshima-Bomben gehabt haben.

  • Tunguska, Russland

    Größere Verwüstungen richtete ein Meteorit wahrscheinlich zuletzt im Juni 1908 in Sibirien an. Eine gigantische Druckwelle raste durch die bewaldete Einöde am Flüsschen Steinige Tunguska und knickte auf 2000 Quadratkilometern Bäume wie Streichhölzer um. In dem dünn besiedelten Waldgebiet kam nach offiziellen Angaben niemand ums Leben. Der auf bis zu 40 Meter Größe geschätzte Brocken - vermutlich aus Stein und Eis - erhitzte sich so stark, dass er sich vor dem Aufschlag nach Meinung vieler Forscher vollständig auflöste. Es ist noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, dass die Verwüstung wirklich durch einen Meteoriten entstanden ist.

  • Vredefort, Südafrika

    Als größter noch sichtbarer Einschlagkrater der Welt gilt Vredefort nahe der südafrikanischen Millionenstadt Johannesburg. Vor gut zwei Milliarden Jahren traf dort ein schätzungsweise 150.000 Kilometer pro Stunde schneller Meteorit mit einem Durchmesser von zehn Kilometern die Erde. Er drang etwa 17 Kilometer tief in die Erdkruste ein. Der Durchmesser des Kraters wird auf rund 100 Kilometer geschätzt. Im Laufe der Jahrmillionen zerstörte die Erosion große Teile des gigantischen Lochs.

Neun von zehn der wirklich großen und damit ganz gefährlichen Himmelskörper in einer Bahn nahe der Erde sind den Astronomen schon bekannt. Bei einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer würden sie nach ihrem gewaltigen Aufschlag ungeheuren Schaden auf der Erde anrichten. „Das ist unser Stand bei jenen Objekten, die groß genug sind“, sagt Wissenschaftler Koschny. „Für kleinere Objekte von 100 bis 200 Metern Durchmesser stehen wir leider noch nicht so gut da.“ Nur wenige Prozent seien bekannt, so dass man ihre Bahn berechnen kann. Aber schon der Einschlag eines „kleinen“ Meteoriten im Meer kann beispielsweise einen verheerenden Tsunami auslösen.

Die „Registrierung“ der herumschwirrenden Himmelsbrocken soll also nun voranschreiten. Was aber tun, wenn - immer rechtzeitiger erkannt - Gefahr aus dem Weltall droht? „Wenn der Asteroid kleiner ist als 100 Meter, dann rennt man weg, dann ist Evakuierung angesagt“, erläutert der Fachmann. Bei den größeren „Brummern“ sei es eben wichtig, sie ein paar Jahre eher geortet zu haben, um dann das geeignete Abwehrmodell auszuwählen.

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Um einen auf die Erde zusteuernden Asteroiden von seinem Kollisionskurs abzubringen, könnte man etwa mit einer Raumsonde einen „Auffahrunfall“ im Weltall bauen und ihn so ablenken. Möglich ist es auch, das einzusetzen, was man den „Gravitationstraktor“ nennt: Die Sonde begleitet jahrelang einen Himmelskörper, wobei sie ihn nach und nach mit ihrer Anziehungskraft von seiner bedrohlichen Bahn abbringt.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die großen Asteroiden Jahre vorher und damit rechtzeitig erkennen“, sagt der Projektleiter des neuen Koordinierungszentrums in den Bergen von Frascati. Eine letzte Möglichkeit bliebe immer noch, nämlich, den Himmelsbrocken mit einer nuklearen Explosion aus seiner Bahn zu werfen. Eine Atombombe im All ist nicht unumstritten - womöglich aber eines Tages die einzige Chance, den Planeten Erde vor weitgehender Zerstörung zu bewahren.

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