Gentechnik: Merck entwickelt verbesserte Gen-Scheren

Gentechnik: Merck entwickelt verbesserte Gen-Scheren

, aktualisiert 17. Mai 2017, 16:14 Uhr
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Die neue Technik soll Zugriff auf bisher nicht erreichbare Regionen des Genoms erlauben.

von Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

Der Merck-Konzern will die Crispr-Technik verbessern und damit die Editierung von Genen noch einfacher machen. Die neuen Gen-Scheren sollen den Zugriff auf bisher nicht erreichbare Regionen des Genoms erlauben.

FrankfurtBereits seit einigen Jahren sorgt ein neues Verfahren zur Modifikation von Genen für Furore in der Medizin- und Pharmaforschung. Denn das so genannte Crispr/Cas9-Verfahren ermöglicht eine besonders präzise Bearbeitung des Erbmoleküls DNA. Diese Technologien will der Darmstädter Merck-Konzern nun mit einer weiter entwickelten Variante des Crispr-Verfahren noch verbessern.

In einer Pressemitteilung kündigte das Unternehmen eine „alternative Crispr-Methode“ an, die neue Möglichkeiten der Geneditierung eröffne. Die neue, als „Proxy-Crispr“ bezeichnete Technologie, mache das Verfahren effizienter, flexibler und spezifischer, behauptet Merck. Forscher hätten damit mehr experimentelle Möglichkeiten und könnten schneller Ergebnisse erzielen, um die Arzneimittelentwicklung und den Zugang zu neuen Therapien zu beschleunigen.

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Kann Merck diese Versprechen einhalten, wäre das eine wichtige Stärkung für das rund 5,6 Milliarden Euro Umsatz große Life-Science-Geschäft des Darmstädter Konzerns. In der Sparte, die zuletzt durch die Übernahme des US-Konzerns Sigma-Aldrich verstärkt wurde, hat Merck das Geschäft mit Laborreagenzien und Biotech-Vorprodukten gebündelt. Produkte für das Crispr-Verfahren spielen schon jetzt eine wichtige Rolle für das Geschäft und Spartenchef Udit Batra sieht erhebliches Wachstumspotenzial auf dem Feld.

Hintergrund ist zum einen der wachsende Einsatz der neuen Genscheren im Bereich der akademischen wie auch der kommerziellen Forschung. Darüber hinaus setzen inzwischen auch eine Reihe von Biotech- und Pharmafirmen darauf, die Technologie in der Krankheitstherapie einzusetzen. Sie könnte mittelfristig zum Beispiel Gentherapien gegen schwere Erbkrankheiten eingesetzt werden. Auch für die Krebsbehandlung, etwa mit Hilfe modifizierter Immunzellen, erscheint das Crispr-Verfahren hochattraktiv.


Noch präzisere Technik

Merck hat Zugang zu der Technologie durch die Übernahme von Sigma-Aldrich erhalten, die sich wiederum 2014 eine Lizenz vom Broad Institute in den USA gesichert hatten. Ende letzten Jahres vereinbarte der Konzern zudem eine Kooperation mit der Hamburger Evotec für die Nutzung solcher Produkte.

Evotec agiert als Forschungspartner für etliche Pharmafirmen und stellt dabei Service und Technologien für die Wirkstoffsuche zur Verfügung. Das Hamburger Unternehmen hatte letztes Jahr ebenfalls eine Lizenzvereinbarung mit dem Broad Insitute abgeschlossen.

Der Vorteil der neuen Proxy-Crispr-Methode besteht laut Merck unter anderem darin, dass sie noch präziser ist und auch den Zugriff auf bisher nicht erreichbare Regionen des Genoms erlaube. Bisher eingesetze Crispr-Verfahren wurden abgeleitet aus molekularen Vorgängen in Bakterien und müssen eigens bearbeitet werden, um in menschlichen Zellen zu funktionieren. Proxy-Crispr biete ein rasches und einfaches Vorgehen, um sie ohne aufwendige Veränderungen nativer CRISPR-Proteine besser zu nutzen.

„Flexiblere und leichter anwendbare Technologien für die Geneditierung bieten in der Forschung, Bioprozesstechnik und bei neuartigen Behandlungsoptionen mehr Potenzial“, wird Merck-Manager Batra in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. „Als führendes Unternehmen in der Geneditierung ist die neue Technologie von Merck nur ein Beispiel für unseren Anspruch, Herausforderungen in diesem Bereich zu bewältigen. Die CRISPR- Forschung wird für uns weiterhin eine Priorität bleiben.“

Merck will die neue Technik im Laufe des Jahres auf dem Markt einführen und hat nach eigenen Angaben mehrere Patente auf das Verfahren angemeldet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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