Geophysikerin Rikke Pedersen: "Wir erwarten Sturzfluten und Aschewolken"

InterviewGeophysikerin Rikke Pedersen: "Wir erwarten Sturzfluten und Aschewolken"

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“Eine riesige, weiße Eiswüste” – Vulkanologin Rikke Pedersen war mehrmals mit dem Flugzeug über dem Vulkan unterwegs.

von Andreas Menn

Auf Island steht der Bardarbunga kurz vor einem Ausbruch. Die Geophysikerin Rikke Pedersen über das Risiko der Vulkanforschung und warum Flugzeuge in Europa vermutlich weiter abheben können.

WirtschaftsWoche: Frau Pedersen, seit Tagen rumort es mächtig im Bardarbunga-Vulkan auf Island. Wird es zu einem Ausbruch kommen?

Pedersen: Das ist schwer vorherzusagen. Momentan haben wir keine Hinweise, dass sich Magma den Weg hinauf zur Erdoberfläche bahnt. Aber das kann sich jederzeit abrupt ändern.

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Wie verhält sich der Vulkan derzeit?

In den vergangenen Tagen gab es tausende Erdbeben, die bis in die nördliche Hafenstadt Akureyri zu spüren waren. Das ist ein Zeichen, dass sich dort Magmaströme vom Zentrum des Vulkans aus durch Risse im Gestein bewegen – Geologen nennen das Intrusion. In den vergangen Tagen sind die Beben gen Nordosten gewandert. Aber sie bleiben in fünf bis zwölf Kilometern Tiefe.

Wie schnell kann sich das ändern?

Das können wir nicht genau sagen. Wir haben zu wenig Daten über diesen speziellen Vulkan. Deutlich mehr Erfahrungen haben wir mit dem Vulkan Katla, der weiter im Süden liegt und von 1975 bis 1984 Magmaaktivität zeigte. Was sich zeigte: Ein Ausbruch folgt meist in den ersten paar Tagen nach den ersten Magmabewegungen. Das spräche dafür, dass ein Ausbruch des Bardarbungas mit jedem Tag unwahrscheinlicher wird. Aber es ist nicht klar, ob wir die Erkenntnisse über Katla auf ihn übertragen können.

Zur Person

  • Rikke Pedersen

    Rikke Pedersen ist Geophysikerin am Nordic Volcanological Center der Universität Island.

Was würden wir sehen, wenn wir jetzt mit einem Flugzeug über dem Vulkan fliegen würden?

Eine riesige weiße Eiswüste. Die Bardarbunga ist von einem bis zu 600 Meter starken Eisschild des Vatnajökull bedeckt, Islands größtem Gletscher. Ich bin mehrmals darüber hinweg geflogen, es ist eine glatte weiße Fläche. Meine Kollegen haben den Vulkan gestern überflogen und konnten keine neuen Gletscherspalten oder geschmolzenes Eis entdecken.

Wie gefährlich ist der Bardarbunga?

Er umfasst das längste System von vulkanischen Erdspalten in Island – die Risse, durch die sich die Magma fortbewegen kann, sind mehr als 200 Kilometer lang. Vor 8000 Jahren fand hier wahrscheinlich die weltweit stärkste Eruption der vergangenen 10000 Jahre statt. Trotzdem ist es kein Super-Vulkan wie etwa der im Yellowstone-Nationalpark, der bei einem Ausbruch verheerende Schäden verursachen könnte.

Der Vulkan liegt unter einem Gletscher – wie sähe da ein Ausbruch aus?

Es würde eine Weile dauern, bis sich die Magma durch diesen Panzer einen Weg geschmolzen hat, vermutlich 24 Stunden. Sobald das geschieht, wird sich eine Aschewolke ausbreiten. Wenn die Magma zum Rand des Gletschers wandert, würden wir auch Lava-Ströme zu sehen bekommen.

Kann die Asche den Flugverkehr in Europa stilllegen – ähnlich wie beim Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010?

Wenn es zu einer explosiven Eruption kommt, werden Massen an Material in die Luft geschleudert. Aber aus Untersuchungen der Lava vergangener Ausbrüche des Vulkans aus den letzten Jahrhunderten wissen wir, dass die chemische Zusammensetzung des Magmas eine andere ist als beim Eyjafjallajökull. Die Aschepartikel werden schneller zu Boden fallen. Außerdem ist das Wetter in Island derzeit sehr ruhig. Erst, wenn ein starker Wind aus Norden aufkommt, könnte sich eine Aschewolke auf das europäische Festland zubewegen.

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