Gesundheit: Verheerende Bilanz für neue Medikamente

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Gesundheit: Verheerende Bilanz für neue Medikamente

von Susanne Kutter und Nora Jakob

Seit Anfang des Jahres 2011 bewertet das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Zusatznutzen von neuen Medikamenten. Über die Hälfte der Präparate fiel dabei durch.

Für die Pharmaindustrie ist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln ein rotes Tuch. Das 2004 gegründete Institut bewertet seit Anfang des Jahres 2011 bei fast allen Arzneimitteln mit einem neuen Wirkstoff, ob es sich um eine echte Innovation oder um eine sogenannte Scheininnovation handelt, die gegenüber bereits verfügbaren Präparaten keinen Zusatznutzen hat. Von der Einschätzung des IQWiG hängt auch der spätere Preis ab, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten.

Tatsächlich sieht die Bilanz nach knapp zwei Jahren verheerend aus: Von 48 insgesamt bewerteten neuen Medikamenten konnten die Kölner Prüfer nur bei 22 einen Zusatznutzen ausmachen. Über die Hälfte der neuen Präparate fiel dagegen durch: Bei 23 Mitteln war laut IQWiG „keinerlei Zusatznutzen“ festzustellen, und bei drei Mitteln sei der Nutzen laut IQWiG sogar „geringer“ als bei bisherigen Therapien.

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Im Klartext: Diese neuen Mittel richten nach IQWiG-Einschätzung mehr Schaden als Nutzen an und sind schlechter als die Mittel, die heute bereits zugelassen sind. Bewertet wurden neue Arzneimittel gegen Krebs, Diabetes, Multiple Sklerose und andere schwere Krankheiten. Einige Firmen hätten ihre Medikament wieder vom deutschen Markt genommen, nach dem der Zusatznutzen nicht belegt werden konnte, darunter ein Epilepsie-Mittel. Damit weiterbehandelt werden lediglich die Patienten, die schon auf das neue Medikament eingestellt wurden.

Und auch bei den 22 Mitteln mit Zusatznutzen fielen sechs in die Kategorie „geringer Zusatznutzen“. Bei elf der neuen Mittel sei das mehr an Nutzen immerhin „beträchtlich“. Aber nur drei der insgesamt 48 Mittel attestierte das IQWiG, einen „erheblichen Zusatznutzen“ zu besitzen. Elf hätten immerhin noch einen "beträchtlichen" Nutzen.

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Seit einer Arzneimittelreform 2011 müssen Hersteller für Mittel mit neuen Wirkstoffen bei Markteinführung Nachweise über den Zusatznutzen vorlegen. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken entscheidet dann auf Basis der Expertise des unabhängigen IQWiG, ob und welchen Zusatznutzen ein neues Präparat tatsächlich hat und unter welchen Voraussetzungen es verordnet werden darf.

Der Chef des IQWIG, Jürgen Windeler, will nun auch medizinische Produkte wie Herzschrittmacher, Implantate und Prothese früher nach ihrem Nutzen bewerten. "Es ist überhaupt nicht zu begründen, warum Arzneimittel anders und strenger behandelt werden als Medizinprodukte, die ja den gleichen Zweck verfolgen wie Medikamente", sagte Windeler gegenüber "Welt Online. So fordern auch die Krankenkassen eine schärfere Zulassung von Medizinprodukten - diese unterliegt allerdings dem EU-Recht.

(Mit Material von dpa)

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