Grippe-Impfung: So gut ist die Spritze gegen Grippe wirklich

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Grippe-Impfung: So gut ist die Spritze gegen Grippe wirklich

von Susanne Kutter

Alle Jahre wieder müssen wir uns erneut gegen die Infektion schützen. Jetzt entwickeln Forscher endlich einen länger wirksamen Breitband-Impfstoff gegen Influenza.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sucht das Super-Virus – eine lebenswichtige Aktion für unzählige Menschen gegen die Grippe. Von deren Erreger, dem Influenza-Virus, gibt es Hunderte verschiedene Stämme. Jedes Jahr zirkulieren andere rund um den Globus. Mehrere Hundert Forscher verfolgen daher akribisch, welche Varianten wo grassieren, und orakeln dann, welche von ihnen wohl im nächsten Winter – und damit der nächsten Grippe-Saison die Oberhand gewinnen könnten.

Nur gegen diese drei bis vier Top-Favoriten produzieren die Pharmafirmen daraufhin einen Impfstoff. Jedes Jahr einen neuen. Daher müssen sich die Menschen im Herbst immer wieder neu impfen lassen. Liegt das Orakel daneben, ist der Schutz dahin. Ein optimaler Impfstoff sieht anders aus.

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Fragen und Antworten zur Grippe-Impfung

  • Was ist Grippe?

    Eine Grippe-Erkrankung vereint typischerweise Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber und meist auch Symptome einer Atemwegsinfektion wie Schnupfen, Husten, Heiserkeit oder Halsschmerzen. Wer sich mit einem Grippe-Erreger aus der Familie der Influenza-Viren angesteckt hat, ist tagelang völlig matt und abgeschlagen – anders als bei sogenannten grippalen Infekten, die in der Regel sehr viel harmloser verlaufen und von anderen Viren verursacht werden.

  • Warum wirkt die Impfung nur eine Saison lang?

    Die Zahl der unterschiedlichen Grippe-Viren ist riesig, und das Erbgut dieser sogenannten Influenza-Viren verändert sich rasch – es mutiert. Verschärfend kommt hinzu: Weil Grippeerreger neben dem Menschen aber auch andere Tiere wie etwa Vögel und Schweine befallen, kommt es immer wieder zu einem Zusammentreffen mehrerer unterschiedlicher Grippe-Viren in einem Tier oder Menschen. Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben, sondern ihr Erbgut von den Körperzellen des von ihnen befallenen Organismus vervielfältigen lassen, kommt es auch dabei immer wieder zu einem Austausch von Gen-Bruchstücken, was das Tempo der Veränderung enorm beschleunigt.

    Deshalb grassieren in jeder Grippe-Saison andere Grippe-Viren, gegen deren drei oder vier wichtigste Vertreter die jeweiligen Impfstoffe gerichtet sind. Deshalb hält der Impfschutz auch nur eine Saison lang. An einem länger wirksamen Schutz arbeiten die Pharmafirmen gerade erst.

  • Welche Nebenwirkungen hat eine Grippe-Impfung?

    Wie bei jeder Impfung können Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle der Impfnadel entstehen. Manche Menschen reagieren allerdings auch mit Symptomen, die man als Mini-Grippe bezeichnen könnte. Sehr selten treten auch schwere Nebenwirkungen auf.

  • Wer sollte sich impfen lassen?

    Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Impfung vor allem für ältere Menschen und solche, deren körpereigene Abwehrkräfte (das Immunsystem) geschwächt sind. Denn dort schlagen Grippe-Viren am heftigsten zu und können auch zum Tod führen.

  • Ist jährliches Nachimpfen wirklich nötig?

    Bisher ja, weil die derzeit üblichen Impfstoffe immer nur vor den Grippe-Viren der aktuellen Winter-Saison schützen. Weiter Vorteil: Wer sich jedes Jahr impfen lässt, hat große Chancen, dass er über die Jahre einen breiteren Impfschutz gegen viele Grippe-Virentypen aufbaut. Das  schützt ihn mitunter selbst dann, wenn die Voraussage der Weltgesundheitsorganisation über die drei bis vier Haupt-Grippe-Typen der Saison einmal daneben geht.

Wettrennen um die Lösung

Ärzte, Behörden und Konzerne arbeiten daher fieberhaft an einem universellen Schutz, der alle Influenza-Viren erwischt und viele Jahre lang hält. „Das würde den Grippeschutz effizienter und damit für die Gesundheitssysteme günstiger machen“, erwartet Hanneke Schuitemaker. Sie ist die Chefin der Virus-Impfstoff-Forschung bei Janssen, der Pharmatochter von Johnson & Johnson, mit Sitz im holländischen Leiden. Ihre und zwei weitere Forschergruppen haben nun erste Erfolge auf dem Weg zu solch einem Breitband-Impfstoff erzielt.

Schuitemaker kooperiert mit dem kalifornischen Scripps Research Institute. Die beiden anderen Teams arbeiten bei den staatlichen US-Gesundheitsinstituten National Institutes of Health und beim Impfstoff-Konzern Sanofi Pasteur. Alle drei eint, dass sie nach einer empfindlichen Stelle am Virus suchen, die sich nicht laufend ändert. Doch das ist gar nicht so einfach, weiß Schuitemaker.

Fakten zur Grippe: Das sollten Sie wissen

  • Übertragungswege

    Eine Grippe kann man auf verschiedenen Wegen bekommen. Zum einen durch Schmierinfektionen (Übertragung von Oberfläche zu Oberfläche). Dieser Infektionsweg funktioniert besonders gut, wenn es im Winter kalt ist; dann kann das Virus auf Oberflächen mehrere Wochen lang überleben. Zum anderen überträgt sich der Erreger per Tröpfcheninfektion durch winzige Tröpfchen in der Luft direkt von Mensch zu Mensch, etwa beim Husten oder Niesen.

    Quelle: https://www.impfen-info.de/grippeimpfung/fragen-und-antworten/, Wikipedia

  • Der Unterschied zwischen Erkältung und echter Grippe

    Gemeinsam ist der echten Grippe und der Erkältung (grippaler Infekt), dass beide von Viren ausgelöst werden. Allerdings können viele unterschiedliche Viren für eine Erkältung verantwortlich sein (Rhino-, Entero- und Mastadenoviren oder die Familien der Corona- und Paramyxoviridae), während die echte Grippe immer von einem Influenzavirus ausgelöst wird. Eine echte Influenza beginnt schneller und heftiger als eine "normale" Erkältung, verläuft typischerweise schwerer und kann Komplikationen (wie eine Lungenentzündung) auslösen, die vor allem für schon geschwächte Personen lebensbedrohlich sein können. Symptomatisch für eine echte Grippe sind starke Glieder- und Muskelschmerzen, ebenfalls starke Kopfschmerzen, Halsschmerzen und trockener Husten.

  • Die Grippewelle

    Grippewellen gibt es meist im Januar und Februar, wenn es besonders kalt ist. Ganz genau datieren kann man den Beginn einer Grippewelle jedoch nicht. Auch die Schwere einer Grippewelle lässt sich nicht gut vorhersagen.

  • Kalte Temperaturen

    Die Grippe tritt vor allem in den kalten Monaten Januar und Februar vermehrt auf. Woran das liegen könnte, ist noch nicht zweifelsfrei erforscht. Allerdings scheint die Kälte die Fähigkeit der Viren, sich auszubreiten, zu begünstigen. Außerdem halten sich im Winter oft viele Menschen in geschlossenen Räumen auf, was die Ansteckungsgefahr erhöht.

  • Grippeviren 2015/2016

    Die WHO und andere internationale Organisationen rechnen damit, dass auch 2015/2016 die "Schweinegrippe" (Influenza-Virus A, Typ H1N1) in Deutschland anzutreffen sein wird. Mutationen werden erwartet beim A-Virus des Subtyps H3N2 und beim Influenza-B-Virus. Veränderungen in den Viren sind jederzeit möglich - und deshalb kann auch keine Grippeimpfung einen hundertprozentigen Schutz vor einer Influenzaerkrankung versprechen. Impfstoffe stehen für alle drei oben genannten, erwarteten Virusvarianten zur Verfügung - und zusätzlich ein Impfstoff gegen ein weiteres Influenza-B-Virus.

Die bisherigen Impfstoffe greifen – im Wortsinne – zu oberflächlich an. Sie richten sich gegen eine für die Viren lebenswichtige Molekülstruktur auf der Außenhülle der Grippeviren, den Hämagglutininen. Mit ihrer Hilfe heften sich die Viren an menschliche Zellen und dringen dann in diese ein. Eine Art Enterhakensystem, mit dem die Virenzellen förmlich gespickt sind. Diese Moleküle sähen pilzähnlich aus, erklärt Schuitemaker – und bisher hätten sich die Impfstoffe immer gegen leicht zugängliche Merkmale auf dem Hut dieser Minipilze gerichtet. Doch die verändern sich rasch, weil sich die Viren tarnen wollen. Denn auch das menschliche Immunsystem setzt im Kampf gegen die Viren hier an.

Mit einem Impfstoff gegen Strukturen im Stiel der Pilzmoleküle hatten die Forscher dagegen durchschlagenden Erfolg: Im Tierversuch schützte ein und derselbe Impfstoff gegen eine Vielzahl von Grippe-Viren.

Bis solch ein Impfstoff marktreif ist, müssen die Forscher dessen Schlagkraft aber noch weiter verbessern. Schuitemaker glaubt: „Das könnte noch Jahre dauern.“

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