Großbritannien erarbeitet Gesetzentwurf: Umstrittene Befruchtung mit drei Eltern soll kommen

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Großbritannien erarbeitet Gesetzentwurf: Umstrittene Befruchtung mit drei Eltern soll kommen

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In der Universitätsfrauenklinik in Leipzig untersucht eine Laboringenieurin im Biologischen Labor des Zentrums für Reproduktionsmedizin eine von einer Patientin bei einer Operation entnommenen Flüssigkeit auf vorhandene Eizellen für eine künstliche Befruchtung.

von Yvonne Esterházy

Als erstes Land der Welt ebnet Großbritannien den Weg für eine kontroverse Befruchtungsmethode, die die Verwendung von Keimzellen dreier Elternteile und den Eingriff in die Keimbahn des Menschen vorsieht. Im Herbst will sie einen Gesetzentwurf vorstellen. Die Methode soll schwere Erbleiden verhindern.

Lily Anna Merritt wurde acht Monate alt. Als sie am 30. April 2007 starb, wog sie nur 3,46 Kilogramm. In ihrem kurzen Leben hat sie viel durchgemacht: drei Mal erlitt sie einen Herzstillstand, mehrmals setzte ihre Atmung aus, sie wurde künstlich beatmet und erhielt Morphium. Gelegentlich lächelte sie und bewegte ihre winzigen Beinchen, ansonsten entwickelte sie sich kaum. Dann, als Lily sieben Wochen alt war, eröffneten die Ärzte ihren Eltern, dass es für ihr Baby keine Hoffnung gab, denn es litt an einer schweren Erbkrankheit: es hatte defekte Mitochondrien. "Das war ein Schock für uns", erinnert sich ihre Mutter Liz.

Mitochondrien sind die Energieproduzenten der Zelle, sie kommen in fast jeder menschlichen Zelle vor und ähneln winzigen Kraftwerken oder Batterien. Sind sie fehlerhaft, tritt unter Umständen eine mitochondriale Krankheit auf, die das Gehirn, die Muskeln, das Herz oder andere Organe beeinträchtigen und sich in ganz unterschiedlicher Weise auswirken kann: manche Patienten haben keine oder nur sehr milde Symptome, andere Schlaganfälle oder Herzinfarkte, epileptische Anfälle, manche erblinden. Die Lebenserwartung der Patienten ist unterschiedlich, bei manchen treten die Symptome erst im Kleinkindalter oder sogar erst in der Pubertät auf. Der Brite Christopher Chandler etwa starb erst mit 24 Jahren.

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  • Angst vorm Menschen-Klon

    Der Erfolg lässt die Debatte über die ethischen Grenzen und einen möglichen Missbrauch der Klontechnik erneut aufflammen.

  • Guter Zweck

    Forscher hoffen Krankheiten zu heilen, indem sie mit dem therapeutischen Klonen embryonale Stammzellen gewinnen und daraus neues, gesundes Gewebe züchten.

  • Gute Alternative

    Ausgereifte Körperzellen lassen sich heute aber auch sehr gut und ohne ethische Probleme in embryonale Stammzellen zurückprogrammieren.

  • Strikte Verbote

    In Deutschland wäre derzeit jegliches Klonen verboten - sowohl das therapeutische Klonen als auch das Duplizieren von Menschen mithilfe des reproduktiven Klonens.

Allen mitochondrialen Krankheiten ist gemeinsam, dass sie nicht heilbar sind, weil sie auf einem genetischen Defekt beruhen. Die Erbkrankheit in den Zellbatterien wird von nur von Müttern auf ihre Kinder übertragen, aber nicht alle Kinder entwickeln Symptome. So hatte Lily zwei ältere Schwestern, die bisher gesund sind.

In der Eizelle der Mutter haben die Mitochondrien einen eigenen Satz von Genen außerhalb des Zellkerns in dem sich das eigentliche Erbgut befindet. In Großbritannien ist es einer Forschergruppe um Professor Doug Turnbull von der Universität Newcastle im Labor gelungen, eine Methode zu entwickeln, bei der die defekten Mitochondrien einer Mutter durch intakte Mitochondrien einer Spenderin ersetzt werden können.

Das gentechnische Verfahren ist jedoch umstritten, weil es die Verwendung von Keimzellen von drei Menschen zur Vorrausetzung hat: benötigt werden zwei Eizellen und eine Samenzelle, wodurch ein Kind de facto drei biologische Eltern hätte. Kontrovers ist das auch, weil damit erstmals ein Eingriff in die Keimbahn des Menschen mit etwaigen Konsequenzen für spätere Generationen möglich würde. Nach einem mehrmonatigen Konsultationsprozess gibt die britische Regierung nun grünes Licht für die neue Methode: im Herbst soll ein Gesetzentwurf für die gentechnische Mitochondrien-Behandlung eingebracht werden; die erste Lesung im Parlament ist für Anfang 2014 geplant und schon in zwei Jahren könnte Großbritannien das erste Land der Welt sein, in dem Menschen entstehen, die drei biologische Eltern haben.

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Der Zellkern einer Hautzelle wird in eine entkernte Spender-Eizelle eingebracht. Quelle: dpa

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert die in Newcastle entwickelte Methode so: Aus der unbefruchteten Eizelle einer Frau mit beschädigten Mitochondrien wird der Zellkern, der 99,8 Prozent des Erbguts enthält, herausgelöst und in die entkernte Zellhülle einer Eizelle mit gesunden Mitochondrien eingesetzt, die von einer Spenderin stammt. Anschließend wird diese kombinierte Eizelle ihm Rahmen einer normalen IVF-Behandlung künstlich befruchtet.

"Diese neue befruchtete Eizelle enthält die DNA von Vater und Mutter, sowie die Mitochondrien der Spenderin", so die Forscher von der Universität Newcastle, die diese Zellen im Labor sechs bis acht Tage weiter kultivierten. Für die Versuche seien Eizellen verwendet worden, die für die normale IVF nicht nutzbar waren und deshalb für Forschungszwecke gespendet worden seien, betonen die Forscher. Die neue Methode in Newcastle wurde bisher an Tieren und menschlichen Zellen erprobt, nicht jedoch an Patienten.

Damit folgten die Forscher den Richtlinien der Aufsichtsbehörde Human Fertility and Embryology Authority (HFEA), denn bisher ist es auch in Großbritannien verboten, gentechnisch veränderte Embryos in die Gebärmutter einer Frau einzupflanzen. Das allerdings könnte sich ändern, wenn das britische Unterhaus durch eine Gesetzesänderung den Weg dafür freigeben würde. Großbritannien wäre dann das erste Land, das Eingriffe in die Keimbahn des Menschen erlaubt.

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