Grußwort: Innovation - das seltsame Etwas

Grußwort: Innovation - das seltsame Etwas

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WirtschaftsWoche Chefredakteur Roland Tichy

von Roland Tichy

WirtschaftsWoche Chefredakteur Roland Tichy über die Freiheit zur Innovation.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Nominierte, liebe Gäste,

Ich darf Sie im Namen der WirtschaftsWoche und im Namen unserer Partner auf das allerherzlichste zum Deutschen Innovationspreis 2012 begrüßen.

Die erste Innovation haben Sie ja schon hinter sich gebracht: Wir waren so frei, diesmal keine Rede zur Eröffnung, sondern Musik, und wie schön war das.

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Innovation ist ja ein seltsame Etwas: Es muss ja nicht immer ein neuer Motor wie der von Benz oder Diesel sein, also eine technische Höchstleistung. Innovation ist auch eine noch nie gehörte, brillante Spieltechnik auf der Violine für die Niccolo Paganini in seiner Zeit berühmt und bis in unsere Zeit gehört und wiederum innovativ interpretiert wird.
Innovation, das war einmal die doppelte Buchführung, ist heute ein neues Duschgel, oder die teilbare Staatsanleihe durch den Bankier Bethmann in Frankfurt, etwa um dieselbe Zeit wie Paganini. Es ist auch ihre Fortentwicklung zum Derivat auf eine Bündel von Immobilienkrediten nicht kreditwürdige Schuldner in einer Kombination, die aus Bankrott ein Triple A macht.
Letztere Innovation ist übrigens nicht gut ausgegangen für uns alle und hat eine weltweite Finanzkrise ausgelöst.

Die Träger des Innovationspreises, und ich darf begrüßen:

Hans Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der EnBW,
Frank Riemensperger , Vorsitzender der Geschäftsführung der Accenture AG,
Patrik Wolhhauser, Mitglieds des Vorstands der Evonik.

Gemeinsam mit diesen tatkräftigen Unterstützern wollen wir den Deutschen Innovationspreis auch erweitern um Dimensionen wie Marketing, Soziale Innovationen, Geschäftsprozesse besser zu berücksichtigen.
Nun will ich sie nicht einem Vortrag über die segensreiche Wirkung von Innovationen langweilen, sondern auf eine Voraussetzung hinweisen, die Innovationen begünstigt oder bremst.

Das ist der Begriff der Freiheit. Freiheit bedeutet ja nicht nur, dass jeder nach seiner Facon selig werden kann.
Freiheit ist eine Bedingung, die Möglichkeiten eröffnet, aber keine bestimmten Vorteile garantiert. Es ist die Freiheit, Neues zu erschaffen mit dem Risiko, zu scheitern. Das beinhaltet auch ziemlich unangenehme Varianten, um es mit den Worten von Friedrich August von Hayek zu sagen: Es ist auch die Freiheit zu hungern, kostspielige Irrtümer zu begehen oder gewaltige Risiken einzugehen.
Jedenfalls gibt es mehr gescheiterte Innovationen als solche, die hier ausgezeichnet werden.

Die Freiheit zur Innovation garantiert keine Pension und keinen Chipcode ins Schlaraffenland. Freiheit ist immer mehr auf Risiko und Innovation als auf Erhalt des Erreichten ausgerichtet. (Gerhard Schwarz) Freiheit und Innovation sind Zwillingsschwestern und das ist nicht immer gerne gesehen.
Der Innovation steht nicht nur eine Bürokratie gegenüber, also die Organisation des Misstrauens gegen alles, was noch nicht geregelt ist. Innovation heißt Ausbrechen aus bewährten, vorgeschriebenen, breit getrampelten Pfaden, ist der Aufbruch ins Ungewisse. Auch der Besitzstand hat es nicht so gerne mit der Innovation.
Wer viel erreicht hat, will den Besitzstand wahren und scheut tendenziell das Risiko. Wer nichts zu verlieren hat, riskiert mehr. Und wenn es nur Zeit ist, die zwischen der Innovation und ihrer wirtschaftlichen Umsetzung vergeht.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, und weil das alles so ist, feiern wir heute Innovatoren und Unternehmen, die dies alles zulassen, fördern, riskieren, sagen wir es, wie es ist, die Geld verbrennen in der Hoffnung auf ein Vielleicht.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

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