Hannover Messe: "Industrie 4.0" - Die Revolution fällt vorerst aus

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Hannover Messe: "Industrie 4.0" - Die Revolution fällt vorerst aus

"Industrie 4.0" ist der neueste Hype und meint Fabriken mit vernetzten Maschinen, Lagersystemen und Bauteilen vom Zulieferer bis zum Kunden. Wo bleibt da eigentlich noch der Mensch?

Wenn es nach der Präsenz auf den Titelseiten der Zeitungen geht, hat die am Freitag beendete Hannover Messe diesmal besonders im Fokus gestanden. Die Menschenrechtsaktivistinnen, die beim Rundgang von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin oben ohne auf die Politiker zustürmten, ließen die weltgrößte Industrieschau quer durch die Republik auf den Titeln landen. Doch der Zwischenfall ließ das Kernthema der Messe, ihre Zustandsbeschreibung „Industrie 4.0“, im Hintergrund verschwinden.

Dabei wähnt sich die Branche mit „Industrie 4.0“, also der Fusion von Produktion und IT-Welt, vor einer historischen Zeitenwende. Die Versionszahl meint die vierte industrielle Revolution. Doch läuft nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automatisierung tatsächlich derzeit etwas derart Umwälzendes, das in die Geschichtsbücher gehört?

Hannover Messe 2013 Der Charme der Libelle

Was der schwäbische Spezialist für Antriebstechnik Festo von fliegenden Winzlingen lernt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Staatspräsident Vladimir Putin nehmen den BionicOpter von Festo in Augenschein. Der ultraleichte Flieger stürzte leider ab. Störsender der  russischen Sicherheitsleute waren der Grund. Quelle: AP


„Diese Erhebung in den Adelsstand einer "industriellen Revolution" hat es bisher immer erst rückblickend gegeben“, betont Werner Struth. Er verantwortet in der Chefetage des Bosch-Konzerns die Fabriken von Morgen. Struths Kollege Siegfried Dais, Ex-Geschäftsführer bei Bosch und heute Mitglied beim Bosch-Gesellschafter Industrietreuhand, sitzt dem Arbeitskreis Industrie 4.0 vor. Die Fachgruppe übergab Merkel auf der Messe eine Umsetzungsempfehlung für das Projekt. „Deutschlands Zukunft als Produktionsstandort sichern“ steht auf dem Titel.

In dem 111 Seiten starken Dokument heißt es: „Nach Mechanisierung und Elektrifizierung hat die seit rund 30 Jahren andauernde Informatisierung zu einer radikalen Umgestaltung unserer Lebens- und Arbeitswelt geführt, die mit den ersten beiden Industriellen Revolutionen vergleichbar ist.“ Das Zitat selber verweist auf eine Quelle namens „Ergänzung und Verdrängung der Arbeit durch Technik“.

Damit ist die Gretchenfrage erreicht: Ende des 18. Jahrhunderts wichen mit Wasser- und Dampfkraft die einst dezentralen Webstühle in den Wohnungen der Arbeiter den ersten mechanischen Webstühlen. Es war die Geburt industrieller Produktionsanlagen. Etwa 100 Jahre später brachte der Strom die Fließbänder. Diese zweite Revolution stückelte Arbeit und machte sie monoton, sorgte aber auch für Massenproduktion mit Skaleneffekten, die dann etwa Ford und dem Model T zum Durchbruch verhalfen. Revolution Nummer drei startete vor wenigen Jahrzehnten mit Elektronik und Programmierung, die die Automatisierung erlaubten.

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