High-Tech Innovationen: Das Bio-Wunder - Wie Zeltplanen sich selbst reparieren

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High-Tech Innovationen: Das Bio-Wunder - Wie Zeltplanen sich selbst reparieren

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Intelligente Stoffe, selbstheilende Outdoor-Bekleidung oder künstliche Spinnenseide - Die Möglichkeiten der Biotechnologie scheinen grenzenlos, und die Forschung hat gerade erst angefangen

von Susanne Kutter

Nach Medikamenten und Waschenzymen werden bald auch Textilien, Kosmetika, Plastik oder Baustoffe biotechnisch hergestellt – mit ganz neuen Eigenschaften. Die neuen Produktionsverfahren sind umwelt- und ressourcenschonend.

Kein Zelt hält ewig dicht, wenn es wie aus Eimern schüttet. Irgendwann beginnt es, hereinzutropfen – vorzugsweise dort, wo die Zeltbahnen aneinandergenäht wurden. Hier haben die Nadeln Löcher hinterlassen. Aus demselben Grund lässt auch der modernste Multifunktionsanorak irgendwann Wasser durch.

Doch wenn es nach Thorsten Eggert geht, müssen in Zukunft kein Zelturlaub und keine Bergtour mehr wegen durchnässter Schlafsäcke abgebrochen werden. Denn der Chef des Düsseldorfer Biotechnikunternehmens Evocatal ist gerade mit seinen Kollegen dabei, synthetischen Stoffen für Zelte und Outdoor-Bekleidung quasi magische Selbstheilungskräfte zu verleihen. Gelingt, woran die Entwickler arbeiten, werden sich Nahtlöcher in Zukunft nach der Fertigung absolut regendicht verschließen. Und sogar Risse könnten – etwa nach einem Sturz – von selbst verheilen.

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Die Idee: Garne, aus denen High-Tech-Textilien gewebt werden, bekommen einen Überzug aus bioaktiven Substanzen. Diese sogenannten Enzyme werden von Eggert & Co. so getrimmt, dass sie Synthetikfasern regelrecht verschweißen. Forschungspartner der Düsseldorfer ist das schottische Unternehmen Coats, der weltgrößte Lieferant von Industrienähgarnen.

Dass Biotechnologen sich mit Outdoor-Klamotten befassen, ist neu. Denn bisher machten biotechnische Herstellungsverfahren vor allem bei Waschmittelenzymen, Futterzusatzstoffen, Biogas, Vitaminen oder Medikamenten Furore.

Weiße Biotechnologie

Kampf der Branchen Wenn Chemie mit Bio im Clinch liegt

Warum sich die beiden Branchen nicht zusammen tun, sondern durch ihren Konkurrenzkampf die Zukunft des Standorts Deutschland gefährden.

Das Zeitalter der Petrochemie neigt sich aufgrund der Ressourcenknappheit dem Ende entgegen - Die Zukunft gehört der Biotechnik Quelle: dpa

Aus der Medizin etwa ist die Biotechnik gar nicht mehr wegzudenken. Sie ist beispielsweise Grundlage für Biowirkstoffe, die Krebszellen attackieren und mit chemischen Methoden unmöglich herzustellen sind. Jüngster Beleg des Biotech-Erfolgs: Gerade eroberte das Rheumamedikament Humira mit einem Quartalsumsatz von weltweit 2,4 Milliarden Dollar Platz eins der bestverkauften Medikamente.

Nun soll sich die Erfolgsgeschichte der Mikroben in neuen Branchen wiederholen. Eggerts selbstheilende Textilien sind nur eine Option von vielen. So erobert die sogenannte weiße Biotechnologie ganz neue Produktfelder – von der Hautcreme bis zur Baustelle. Sie dringt dabei in klassische Domänen der Chemieindustrie vor.

Die produktiven Mikroben sollen neue Einsatzgebiete erobern

„Es geht um eine umfassende Biologisierung industrieller Herstellungsprozesse“, sagt Holger Zinke, Mitgründer des Industrieverbundes Weiße Biotechnologie. Langfristig werden die neuen Verfahren viele chemische ausstechen, davon ist der Chef des gut 100 Mitarbeiter starken Enzymspezialisten Brain im hessischen Zwingenberg überzeugt. Denn Biotechnik verleiht Produkten oft ganz neue Eigenschaften. Und sie ist umweltschonender. Ein Grund: Biologische Prozesse laufen in der Regel ohne giftige Chemikalien ab. Teure Abwasserentsorgungsanlagen entfallen. Auch hohe, energiefressende Temperaturen und Drücke sowie explosive Mischungen, die Mitarbeiter gefährden, sind eher unbekannt. Denn Biotechniker setzen – anders als Chemiker – auf die Hilfe von Mikroorganismen und deren naturgegebenen Werkzeugkasten, die Enzyme. Milliarden kleinster Monteure, die in großen braukesselartigen Bioreaktoren schwimmen, bauen so Moleküle auf oder ab.

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