Historische Wanderbewegung: Balkanroute schon vor 8000 Jahren genutzt

Historische Wanderbewegung: Balkanroute schon vor 8000 Jahren genutzt

, aktualisiert 08. Juni 2016, 12:08 Uhr
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Durch Genvergleiche konnten Forscher die Wanderbewegung entlang der Balkanroute rekonstruieren.

Quelle:Handelsblatt Online

Mittelmeer und Balkan standen schon vor Jahrtausenden im Zentrum einer großen Wanderbewegung. Den Jägern und Sammlern in Mittel- und Südeuropa brachten die Einwanderer entscheidenden technischen Fortschritt.

BerlinWie kam die Landwirtschaft vor 8000 Jahren nach Europa? Wurden landwirtschaftliche Techniken von einer Bevölkerungsgruppe an die andere weitergegeben? Oder waren es vielmehr Wanderungsbewegungen, die zur Ausbreitung des Ackerbaus beitrugen?

Ein Forscherteam hat jetzt genetische Proben alter bäuerlicher Gemeinschaften in Deutschland, Ungarn und Spanien mit Genmaterial verglichen, das in Griechenland und im Nordwesten der Türkei gefunden wurde. Ergebnis: Die frühen Bauern aus der Ägäis-Region wanderten in Süd- und Mitteleuropa ein und machten landwirtschaftliche Techniken auf dem Kontinent bekannt, wo zuvor Jäger und Sammler dominiert hatten.

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Die Wissenschaftler um Joachim Burger, Paläogenetiker an der Universität Mainz, kommen in ihrer Studie im Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Science) zu dem Schluss, dass die damaligen Bauern in Mitteleuropa und Spanien genetisch enger mit der Gruppe aus der Ägäis verwandt waren als miteinander. Dies deute darauf hin, dass die Bauern in zwei Wellen gekommen seien – nordwärts auf den Kontinent und westlich entlang der Küste nach Spanien.

„Eine ist die Balkanroute und eine die Mittelmeerroute, wie wir das von der heutigen Migration auch kennen“, so Burger. Die Wissenschaftler hätten anhand der DNA auch einige Charakteristika der frühen Bauern der Ägäis ableiten können, erklärt er. So hätten sie relativ helle Haut und dunkle Augen gehabt, aber noch nicht die nötigen Gene besessen, um nach der Kindheit noch Milch verdauen zu können. Dieses Merkmal habe sich erst später in Europa entwickelt.


Historische Migrationsbewegung

Die Bauern der Ägäis schienen außerdem eng verwandt mit dem „Gletschermann“ Ötzi zu sein, dessen gut erhaltene Überreste 1991 auf einem Gletscher zwischen Österreich und Italien gefunden wurden. Schließlich verglichen die Forscher noch die alten Proben mit solchen von heutigen Europäern und kamen zu dem Schluss, dass die frühen Bauern nicht ihre direkten Vorfahren waren.

Zu ihnen gehören vielmehr Jäger und Sammler, die sich schließlich mit den Neuankömmlingen vermischten, sowie eine dritte Bevölkerungsgruppe, die nach derzeitigen Erkenntnissen wahrscheinlich vor 5000 Jahren aus den östlichen Steppengebieten nach Europa kam.

Der Evolutionsgenetiker Michael Hofreiter von der Universität Potsdam, der nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnet die Arbeit als solide und gut gemacht. Er weist jedoch darauf hin, dass die Schlussfolgerungen auf einer geringen Datenmenge beruhen. Dennoch liefere die Studie wertvolle Einblicke in die Migrationsbewegungen während der Steinzeit in Europa und trage damit zum Verständnis über die menschliche Geschichte bei.

Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob die frühen Bauern der Ägäis auch mit Bevölkerungsgruppen weiter südöstlich im sogenannten Fruchtbaren Halbmond in Verbindung gebracht werden können, einem Gebiet zwischen dem heutigen Libanon und dem Persischen Golf. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass dort vor mehr als 10.000 Jahren erstmals Ackerbau betrieben wurde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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