Howard Shapiro: Pflanzenforscher kämpft um die Kakaobohne

Howard Shapiro: Pflanzenforscher kämpft um die Kakaobohne

Bild vergrößern

Shapiro, 64, ist Chef der Abteilung Pflanzenforschung bei dem familiengeführten Lebensmittelunternehmen Mars. Er arbeitet seit mehr als35 Jahren im Bereich nachhaltiger Pflanzenforschung. Vor einem Jahr sorgte er weltweit für Aufsehen, als er das Gender Kakaopflanze entschlüsselte und die Ergebnisse ins Netz stellte.

von Sebastian Matthes

Howard Shapiro entschlüsselt Pflanzengene, um den Hunger zu besiegen. Mit seinem Wissen können Bauern in Entwicklungsländern mehr und bessere Früchte anbauen. Was treibt den Mars-Mann an?

Ein Mann, der in einer Familie aufwächst, die zum Essen Matheaufgaben löst, kann nicht ganz normal werden. Howard Shapiro kommt aus einer solchen Familie – und über ihn lässt sich vieles sagen, nicht aber, dass er normal wäre. Der amerikanische Pflanzenforscher wird mit seinen langen grauen Haaren und dem brustlangen Bart mal als Jesus-Erscheinung beschrieben und mal als alternder Hippie.

Dabei ist Shapiro alles andere als ein abgehobener Aussteiger, er ist ein ziemlich bodenständiger Wissenschaftler: kräftiger Händedruck, fester Blick – schon kommt er zum Thema, seinem Thema: „Es gibt zwei Arten von Menschen“, sagt er, „die einen lieben Tiere, die anderen Pflanzen. Ich bin ein Pflanzen-Typ.“ Und deshalb verbringt er einen großen Teil seiner Zeit damit, die Gene von unerforschten Nutzpflanzen zu entschlüsseln. Vergangenes Jahr hat er das Kakaogenom entziffert und die Ergebnisse ins Netz gestellt.

Anzeige

Dass Shapiro überhaupt über seine Arbeit spricht, ist schon ein kleines Wunder. Denn der Pflanzenforscher arbeitet für Mars, den milliardenschweren, familiengeführten US-Konzern: Jeder kennt seine Schokoriegel. Mehr aber wissen die meisten nicht über das Schokoriegelimperium. Jahrelang war es verschwiegen wie ein Geheimdienst. Shapiro will das ändern. Der Mars-Mann will reden: „Weil wir die Wissenschaft nur weiterbringen, wenn wir Wissen teilen“, sagt er. Also reden wir.

Herr Shapiro, Sie betonen immer wieder, dass Sie die Welt mit Forschung verbessern wollen. Glauben Sie wirklich, dass Kakao dafür das wichtigste Thema ist?

Shapiro: Kakao gehört zu den am meisten gehandelten landwirtschaftlichen Gütern der Welt. An dieser Pflanze können wir lernen, wie wir auch Probleme bei vielen anderen Grundnahrungspflanzen lösen können, bei Bananen und Maniok zum Beispiel.

Das müssen Sie erklären.

Die Nachfrage nach Kakao wächst im Zuge des wachsenden Wohlstandes in einigen Regionen. In zehn Jahren brauchen wir so viel mehr Kakao, wie die ganze Elfenbeinküste liefert, der heute größte Produzent. Doch dafür müssten – wenn wir nichts tun – gigantische Flächen Regenwald gerodet werden. Wir brauchen daher bessere Pflanzen, die auf der vorhandenen Fläche mehr Ertrag liefern und dennoch weniger Ressourcen verbrauchen. Ähnlich ist die Situation bei allen von der Pflanzenzüchtung und Forschung vernachlässigten Nutzpflanzen, den sogenannten „Neglected Crops“.

Was nutzt der Blick in die Gene?

Wenn wir züchten, versuchen wir Pflanzen so zu kreuzen, dass sie gewünschte Eigenschaften entwickeln: Dazu gehören Abwehrkräfte gegen Pilze, höhere Erträge, geringerer Wasserverbrauch oder ein besseres Aroma der Bohnen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%