
WirtschaftsWoche: Herr Mills, dieses Jahr hat der IBM-Computer Watson in einer TV-Wissensshow zwei menschliche Gegner geschlagen. Wann managt Software ganze Unternehmen besser, als ein Mensch das kann?
Mills: Wir sind noch weit davon entfernt, dass Computer den Platz von Menschen einnehmen. Unser Ziel ist eher, die Computer zu guten Assistenten zu machen. Mensch und Computer ergänzen sich bestens.
Inwiefern?
Menschen sind gut, wenn es darum geht, assoziativ zu denken. Maschinen dagegen fehlt die Inspiration. Dafür arbeiten sie strukturierter, und sie vergessen nichts. Watson hat bewiesen, dass wir Maschinen konstruieren können, die beliebig viele Informationen analysieren und uns die relevanten Details auf Knopfdruck zur Verfügung stellen können. Mit ihrer Hilfe können wir Zusammenhänge erkennen, die uns ohne Computer entgangen wären, weil wir nicht in der Lage sind, so große Informationsmengen zu überblicken.
Wann ruft Watson bei IBMs künftiger Vorstandschefin Virginia Rometty an und sagt, „Ginni, ich habe ein heißes Thema entdeckt, das wir angehen müssen“?
Dass Watson persönlich anruft, hat für uns nicht allererste Priorität. Aber dass Software aus der Flut von Informationen, die ständig auf uns einprasseln, die Goldstückchen herausfiltern kann, die unternehmenskritischen Trends, das ist schon Realität. Das Segment heißt Business Analytics und ist eines unserer größten Wachstumsfelder.

Schlauer als der Mensch? IBMs Supercomputer Watson hat das Duell gegen die stärksten Kandidaten der US-Quizshow Jeopardy gewonnen.

Thomas Watson sr., war IBMs erster Chef. Er galt als geschickter Verkäufer und hat viele Management-Prinzipien eingeführt.

Die Hollerith-Lochkarten-Maschine war der Anfang eines globalen Technik-Imperiums. Foto: IBM

Eine Fertigungshalle für Lochkarten-Maschinen vom Typ IBM 602 aus dem Jahr 1947.
Foto: IBM

RAMAC war der erste Computer mit einem Plattenspeicher, dem Vorläufer der Festplatte. Der Plattenspeicher fasste etwas mehr als 1 Megabyte und wog zehn Tonnen. Foto: IBM

Vorreiter der Gleichberechtigung: Eine Frau arbeitet an einem RAMAC-Rechner. Foto: IBM

Klassiker des Industriedesigns: Schreibmaschine IBM Selectric, 1961. Foto: IBM

Der Flug eines Saturn-Rakate zum Mond in den 60er Jahren wurde mit einem IBM 7090-Rechner simuliert. Die Maschine konnte 229 000 Rechenoperationen pro Sekunde ausführen. Foto: IBM

Ein Foto aus dem Jahr 1965: Techniker testen das Modell 40 aus der System 360-Produktfamilie. Foto: IBM

Am 26. Juni 1974 wurde das erste Produkt von einem Barcode-Scanner registriert, eine Packung Kaugummi für 67 Cent. Der Barcode wurde zwar nicht in den IBM-Labors erfunden, wurde dort aber bis zur Marktreife weiterentwickelt. Foto: IBM
Schlauer als der Mensch? IBMs Supercomputer Watson hat das Duell gegen die stärksten Kandidaten der US-Quizshow Jeopardy gewonnen.
Entscheiden Manager mit den analysierten Datenmassen tatsächlich besser?
Kein Computer vermeidet falsche strategische Entscheidungen. Aber er erhöht die Chancen auf ein richtiges Urteil. Das Unternehmen Meteolytix beispielsweise erstellt für eine deutsche Bäckereikette taggenau detaillierte Vorhersagen für den Absatz der Brot- und Brötchensorten sowie von Feingebäck. Die Daten sind wesentlich genauer als bisher, weil sie nicht mehr nur auf Verkaufsdaten aus der Vergangenheit beruhen, sondern auch die Wettervorhersage des nächsten Tages berücksichtigen.











