IFA: Jetzt geht der Kühlschrank endlich ins Web

IFA: Jetzt geht der Kühlschrank endlich ins Web

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Bosch präsentiert auf der IFA 2016 Home Connect Kühlschränke mit integrierten Kameras, die u.a. das Einkaufen erleichtern sollen.

von Thomas Kuhn

Nach Jahren leerer Versprechungen kommen vernetzte Kühlschränke tatsächlich in den Handel – und sie sind smarter als man denkt.

Es gibt Innovationen, die wurden so oft versprochen (und kamen dann doch nicht), dass sie irgendwann nur noch als Beispiel für technologische Irrwege taugen. „Vapourware“, Dampfware, lautet der etwas abschätzige Begriff, den sich in den vergangenen Jahren ein Klassiker der Haushaltstechnik wahrhaft verdient hat: der Kühlschrank mit Internet-Zugang.

Entsprechend mutig ist, mit welcher Vehemenz die Elektronikhersteller in diesem Jahr auf der IFA ausgerechnet für vernetzte Kühlgeräte trommeln. Ob Samsung, LG oder Bosch – wer auf der Messe etwas auf sich und seine Hausgeräte hält, stellt mindestens eine Frischekiste mit Anbindung als Web auf seinen Stand. Und zwar nicht mehr als Designstudie, sondern als vertriebsfertiges Produkt.

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So demonstriert etwa der Hausgerätehersteller Bosch am ersten Messe-Pressetag vor IFA-Start seine neue Smart-Home-Plattform, die nicht nur Sensoren zur Gebäudesicherung, Heizungs- oder Lichtsteuerung umfasst. Sie bietet – wenig verwunderlich – auch die Möglichkeit, Boschs vernetzbare Hausgeräte via App von Ferne zu steuern oder zu überwachen.

InstaView-Door-in-Door-System von LG Quelle: PR

Weiterentwickeltes InstaView-Door-in-Door-System mit Knock-on-Funktion von LG. Durch ein einfaches Anklopfen wird das getönte äußere Fenster des Kühlschranks durchsichtig und gibt den Blick auf den Inhalt frei - ganz ohne Öffnen der Tür.

Bild: PR

Wann die Wäsche fertig ist, wie stark die Dunstabzugshaube saugt (und rauscht), ein Blick oder Tipp aufs Smartphone verrät oder regeln es. Und auch die Frage, ob noch ausreichend Butter oder Obst im Kühlschrank liegen, das beantwortet (etwa beim Einkauf im Supermarkt) der Foto-Stream aus der vernetzten Weitwinkelkamera im Gerät. Dabei bleibt die Idee des autonom bestellenden Geräts zwar weiterhin eine Vision. Aber speziell unorganisierte Zeitgenossen (wie der Autor) werden den schnellen Blick ins Kühle lieben, wenn wieder mal der Einkaufszettel zuhause liegen geblieben ist.

Fünf Begriffe zur IFA

  • Smart-TV

    Das sind Fernseher mit Internet-Anschluss. Die inzwischen immer besser umgesetzte Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen klassischen Fernsehsendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Den Vormarsch der vernetzten Fernseher fördern auch Online-Videodienste wie Netflix oder Maxdome. Moderne Smart TVs vereinen diese Dienste in einem Gerät, so dass auch nicht mehr viele Fernbedienungen auf dem Couchtisch liegen müssen. Die Hersteller wollen neben bequemerer Bedienung auch bessere Bildqualität zum Beispiel mit Hilfe des HDR-Formats für mehr Kontrast etablieren.

  • Internet der Dinge und smartes Zuhause

    Immer mehr Geräte werden mit dem Internet und miteinander verbunden. Die Idee ist, dass zum Beispiel die Heizung sich von unterwegs steuern lässt oder sogar automatisch angeht, wenn sich das Auto des Besitzers dem Haus nähert. Bei Siemens schaltet das Kochfeld automatisch die Dunstabzugshaube an. Zugleich setzen viele Anbieter auf eigene Formate, was den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Geräten erschwert.

  • Streaming

    Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming nicht komplett heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung - was allerdings immer mehr zum Alltag gehört. In der Musikindustrie helfen die Streaming-Erlöse, die Einbußen im CD-Geschäft auszugleichen.

  • Ultra-HD

    Die Technik soll ein viel schärferes Bild als die aktuelle HD-Auflösung bieten. Sie ist auch unter dem Begriff „4K“ bekannt. Die Bildschirme haben bei Ultra-HD 3840 mal 2160 Pixel. Bei der gewöhnlichen HD-Auflösung sind es 1920 mal 1080 Bildpunkte. Eine zentrale Frage ist allerdings, wie die Inhalte an die Zuschauer ausgeliefert werden sollen: Die bessere Qualität bedeutet auch deutlich größere Datenmengen. Aktuell kommen die Ultra-HD-Videos vor allem über schnelle Internet-Verbindungen von Streaming-Diensten. Eine passende Blu-ray-Variante ist in Arbeit.

  • Wearables

    So wird die neue Kategorie kleiner Geräte genannt, die - nach wörtlicher Übersetzung - „tragbar“ sind. Das trifft im Prinzip zwar auch auf Handys und Smartphones zu, aber bei den „Wearables“ geht es um Computertechnik, die direkt am Körper getragen wird. Zu Wearables gehören neben Computer-Uhren auch Fitness-Armbänder oder in Zukunft eventuell verstärkt auch Anziehsachen mit Chips und Internet-Anbindung. Während die Computer-Uhren die hochgesteckten Absatz-Erwartungen bisher nicht ganz erfüllen konnten, laufen die günstigen Fitness-Bänder weiterhin gut.

Damit stehen die deutschen Hausgerätespezialisten nicht allein. Auch die koreanische Elektronikriesen LG und Samsung zeigen in diesem Jahr Haustechnik mit Netzzugang – allen voran Kühlschränke. Beide integrieren dabei in ihre Top-Küchengeräte Großbildschirme mit Touchbedienung, die vor drei/vier Jahren noch für durchschnittliche Wohnstuben als TV-Display gereicht hätten.

Die Monitore erlauben nicht bloß, die Temperatur der verschiedenen Ablagen in den Geräten individuell zu regen. Wer will, kann zudem die Verfallsdaten der eingelagerten Lebensmittel einstellen. Samsung konzipiert das Megadisplay zudem als eine Art digitales schwarzes Brett, den sogenannten Family Hub, auf dem die Familienangehörigen einander Nachrichten hinterlassen oder austauschen können.

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