Influenzapublikation: Gefährliches Spiel mit der Vogelgrippe

Influenzapublikation: Gefährliches Spiel mit der Vogelgrippe

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Mehrere Wissenschaftler haben das Vogelgrippe-Virus für eine Forschungsarbeit so verändert, dass auch Menschen sich gegenseitig damit anstecken können. Ihre Ergebnisse durften sie nicht veröffentlichen - bis jetzt.

von Susanne Kutter

Zwei Forscher-Gruppen dürfen Ihre umstrittenen Arbeiten über gefährliche Vogelgrippe-Viren nun doch veröffentlichen.

Seit Monaten tobt ein heftiger Streit zwischen Wissenschaftlern und Politikern: Zwei Forschergruppen hatten Ende vorigen Jahres unabhängig voneinander einen extrem gefährlichen Vogelgrippe-Erreger gentechnisch so verändert, dass er sehr leicht auch Säugetiere infizieren kann.

Die bisher grassierende Wildtyp-Variante H5N1 konnte das nicht – und hatte die Welt trotzdem mehrfach in Angst und Schrecken versetzt. Denn unter Vögeln verbreitete sich das tödliche Influenza-Virus mit atemberaubendem Tempo rund um den Globus. Und wer sich als Mensch direkt bei Vögeln ansteckte – etwa, weil er Hühner hielt – der hatte schlechte Chancen: Die Hälfte der Infizierten starb, ohne dass Ärzte irgendetwas zu ihrer Rettung hätten tun können.

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Der einzige Lichtblick war bisher: Der Erreger schaffte es nicht aus eigener Kraft, von Säugetier zu Säugetier zu springen. Menschen konnten sich also nicht gegenseitig anstecken, sondern nur bei infizierten Vögeln. Doch genau diese Eigenschaft haben die beiden Forschergruppen mit Hilfe weniger Veränderungen im Erbgut dem Virus nun eingepflanzt. Und diese wissenschaftlichen Arbeiten wollten sie im November 2011 veröffentlichen: Der Niederländer Ron Fouchier und seine Mitarbeiter vom Erasmus Medical Centre in Rotterdam im Fachblatt „Science“, und das von Yoshihiro Kawaoka von der University of Wisconsin-Madison geleitete japanisch-amerikanische Team im Wissenschaftsjournal „Nature“.

Exportverbot wie bei Atomwaffen
Doch bevor die beiden Top-Magazine die Arbeiten drucken konnten, schalteten sich Regierungsstellen ein. In den Niederlanden wurde Fouchiers Arbeit mit einem Exportverbot belegt – wie militärische Güter, etwa Atomwaffen. Und in den USA empfahl das staatliche Beratergremium für biologische Sicherheit, das National Science Advisory Board for Biosecurity (NSABB) den beiden Fachblättern dringend, die Arbeiten nicht – oder jedenfalls nicht vollständig zu veröffentlichen.

Die Sorge von Behörden und Politikern: Zu leicht könnten Terroristen anhand dieser Bauanleitungen den tödlichen Labor-Erreger nachbauen. Beide Magazine beugten sich zunächst der Empfehlung.

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