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Innovationspreis: Auf der Jagd nach neuen Medikamenten

von Susanne Kutter

Kategorie Startup: Eine neuartige biophysikalische Messtechnik vereinfacht und beschleunigt die Suche nach neuen Medikamentenwirkstoffen.

Physiker Philipp Baaske (links) und Biochemiker Stefan Duhr montieren mit 15 Mitarbeitern ihre Monolith-Messgeräte in einer ehemaligen Zigarettenfabrik Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche
Physiker Philipp Baaske (links) und Biochemiker Stefan Duhr montieren mit 15 Mitarbeitern ihre Monolith-Messgeräte in einer ehemaligen Zigarettenfabrik Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche

Wenn Forscher im Kampf gegen Krebs oder Alzheimer nach medizinisch wirksamen Substanzen suchen, ist das bisher sehr zeit- und arbeitsaufwendig – und damit teuer. Schon der erste Schritt, die Fahndung nach Stoffen, die eine bestimmte biologische Struktur erkennen und dort andocken können, ist mühsam. Denn nur wenn sich ein Molekül zum Beispiel an der Oberfläche einer Krebszelle, einem krankmachenden Bakterium oder einem Antikörper anheftet, kann es im Krankheitsprozess auch etwas bewirken und damit heilsam sein. Nun haben zwei junge Forscher aus München eine neuartige Analysetechnik entwickelt, die diese Suche nach potenziellen Wirkstoffen drastisch abkürzt: Der Physiker Philipp Baaske und sein Kommilitone, der Biochemiker Stefan Duhr, erfassen das Zusammenspiel der Moleküle und Zielstrukturen, indem sie winzige Proben in hauchdünne Glasröhrchen füllen. Die erwärmen sie mithilfe eines Infrarotlasers um ein bis zwei Grad. Ob eine Bindung stattgefunden hat, misst und errechnet der von ihnen konstruierte Apparat vollautomatisch anhand der Bewegung der Moleküle, während sich die Probe im Glasröhrchen erwärmt. Ein Effekt, den Fachleute Thermophorese nennen.

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Nicht nur eine Frage der Temperatur - auch der Menge

Bisher war es nicht möglich, diesen Effekt zu messen, Forscher haben über das Problem zig Fachartikel publiziert. Doch Baaske und Duhr ließen sich davon nicht abschrecken. Sie suchten – und fanden – während ihrer Promotionszeit am Center for NanoScience der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Lösung. Das Geheimnis liege in der Miniaturisierung, sagt Baaske: „Es funktioniert nur mit Probenmengen im Nanoliter-Maßstab.“ Der Vorteil des neuen Ansatzes: Während bisherige Methoden oft Tage benötigen und ungenau sind, liegen die sehr exakten Ergebnisse der neuen Analysetechnik innerhalb von Minuten vor. „Wir haben Forscher erlebt, die nach mehr als zwei Jahren laufender Misserfolge endlich mit unserer Technik klare Resultate erzielen konnten“, so Duhr. 2008 gründeten Baaske und Duhr, heute 32 und 31 Jahre alt, das Startup Nanotemper Technologies. Anfangs schraubten sie ihre „Monolith“ genannten Analysegeräte noch in einem Keller der Uni zusammen. Inzwischen sind die Jungunternehmer aber aus der Uni-Gruft in die lichtdurchflutete dritte Etage einer ehemaligen Zigarettenfabrik im Münchner Stadtteil Mittersendling umgezogen. Dort baut das heute 15 Mitarbeiter starke Team die Monolith-Geräte zusammen, die inzwischen weltweit bei Forschern aus Universitäten und Pharmaunternehmen gefragt sind.

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Was die Wissenschaftler an der neuen Technik schätzen, ist neben Tempo und Genauigkeit auch der sparsame Einsatz von teurem Probenmaterial. „Wir sind begeistert vom geringen Verbrauch“, sagt Alexey Rak, der Chef der Forschungsabteilung Strukturbiologie und Biophysik des Pharmaunternehmens Sanofi-Aventis in Paris. Die Jury des Innovationspreises verlieh Nanotemper den ersten Preis in der Kategorie Startup, weil sie „ein technisch einzigartiges Messverfahren entwickelt haben, um wirksame Medikamente zu finden“, sagt Jury-Mitglied Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von Evonik: „Und davon profitierten vor allem die Patienten, die ihre Hoffnung in neue Behandlungsmethoden und Wirkstoffe setzen.“

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