Innovationspreis: Autos teilen statt besitzen

Innovationspreis: Autos teilen statt besitzen

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Robert Henrich, Chef des Ulmer Carsharing-Anbieters Car2Go, verkauft Mobilität an Menschen, die kein Auto mehr besitzen wollen

von Benjamin Reuter

Kategorie Finalist Mittelstand: Weil immer weniger Menschen Autos kaufen, hat Daimler mit Car2Go ein neues Geschäftsmodell für Mobilität entwickelt.

Wie beglückt ein Autokonzern Menschen, die keine Limousinen, Coupés oder Kombis mehr kaufen wollen? Robert Henrich, Finanzexperte beim Traditionskonzern Daimler in Stuttgart, stellte sich diese Frage vor gut drei Jahren, um für seinen Arbeitgeber neue Geschäftsfelder aufzutun. Seine Antwort: Auch wer kein eigenes Auto mehr will, möchte mobil sein. Daimler könnte – statt Automobilen – Mobilität verkaufen. „In den Großstädten ist das ein riesiger, ungenutzter Markt“, sagt der 42-Jährige. In Hamburg, Berlin oder New York kommt rund die Hälfte der Haushalte ohne eigenen Wagen aus, rechnet er vor. Laut der Jugendstudie Timescout des Marktforschers Tfactory sind es bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 80 Prozent.

60.000 registrierte Carsharer

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Henrich will Automuffel daher mit Leihwagen mobilisieren, die die Kunden überall in der Stadt mieten und wieder abstellen können. Nach internen Tests startete Henrich vor drei Jahren das erste Car2Go-Projekt und verteilte 300 Smart-Kleinwagen in Ulm und der Nachbarstadt Neu-Ulm. Nach 18 Monaten hatten sich von 170.000 Bewohnern des württembergisch-bayrischen Doppelzentrums bereits rund 20 000 für Car2Go registriert. Über eine App im Smartphone oder via Internet können sie seither die Wagen orten. Halten sie eine Chipkarte kurz an ein Lesegerät an der Windschutzscheibe öffnet sich die Autotür. Abgerechnet wird später automatisch und minutengenau über Kreditkarte oder Kontoabbuchung. Alle Parkgebühren sind mit der Miete abgedeckt.

Heute ist Henrich nicht nur Geschäftsführer von Car2Go in Ulm, das Daimler nun mit der Autovermietung Europcar in Kooperation betreibt. Seine Mitarbeiter betreuen inzwischen rund 3000 Smarts in neun Städten. In Deutschland fahren die weiß-blauen Zweisitzer in Hamburg, Düsseldorf und dem Großraum Ulm, dazu international unter anderem in Wien, Amsterdam, Vancouver und San Diego. Demnächst startet das Projekt in Berlin mit 1000 Autos und in Stuttgart mit 500 Elektro-Smarts. Langfristig soll die gesamte Flotte elektrisch fahren. Deutsche Car2Go-Kunden, der größte Teil von ihnen ist zwischen 25 und 35 Jahre alt, zahlen – je nach Ort – 9,90 bis 19 Euro Aufnahmegebühr. Dazu kommen 24 bis 29 Cent pro gefahrener Minute oder 14,90 Euro die Stunde. Insgesamt sind mittlerweile mehr als 60.000 Menschen bei Car2Go registriert. „Das beweist, wie sich aus dem Megatrend Mobility unter intelligentem Einsatz neuer Technologien eine Marketing- und Serviceinnovation schaffen lässt“, urteilt der Accenture-Deutschland-Chef und Co-Juror des Deutschen Innovationspreises, Frank Riemensperger. „Car2Go trägt so auch dazu bei, Deutschland als Vorreiter im Bereich Elektromobilität international zu positionieren.“

Mobil in 50 Städten

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So stolz Henrich auf die innovative Car2Go-Technik ist, die automatisch erkennt, ob ein Wagen parkt, fährt oder einen leeren Tank hat – dass er mit seinem System das Rad neu erfunden hätte, behauptet er nicht. Denn seit vielen Jahren existieren in Deutschland kleinere Carsharing-Projekte. Deren Nutzer können die Autos aber meist nur stundenweise mieten sowie an festgelegten Parkplätzen abholen und abgeben. Zudem bietet BMW seit Sommer 2011 in Zusammenarbeit mit Sixt einen ähnlichen Service unter dem Namen DriveNow in München, Berlin und seit diesem Jahr auch in Düsseldorf an. Doch Henrich ist überzeigt: „Wir haben das Konzept so nutzerfreundlich gemacht, dass Carsharing tauglich für den Massenmarkt ist.“ Und den will er mit seinen Autos bis 2016 in 50 europäischen Städten erobern. Profitieren wird davon auch die Umwelt: Je mehr Autos zum Teilen bereitstehen, desto mehr Menschen können auf einen eigenen Wagen verzichten.

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