Innovationstag: „Wir alle werden das 22. Jahrhundert noch erleben“

Innovationstag: „Wir alle werden das 22. Jahrhundert noch erleben“

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Ray Kurzweil beamte sich beim Innovationstag 2013 als Hologramm auf die Bühne in München.

Foto: Thorsten Kurzweil

von Benjamin Reuter und Andreas Menn

In München wird der renommierte Deutsche Innovationspreis verliehen. Im Vorfeld sprachen prominente Unternehmenslenker darüber, wo der technischen Fortschritt hingeht. Höhepunkt war ein Vortrag des US-Technikvisionärs Ray Kurzweil.

Ray Kurzweil hat verschlafen. Eigentlich eine Unmöglichkeit. Denn der 62-Jährige schluckt rund 60 unterschiedliche Pillen am Tag, um jung zu bleiben, schreibt Bestseller am Fließband und jetzt als Redner und Berater um die Welt. Nebenbei ist er Ehrendoktor an 19 Universitäten, arbeitet bei Google an der Zukunft des Internets und erfindet neue Technologien wie zum Beispiel eine Reading Machine. Mit der können auch Sehbehinderte gedruckte Texte lesen.

Wer so auf Trab ist, so denkt man, kann eigentlich nicht verschlafen. An diesem Vormittag ist es aber doch passiert.

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Eigentlich sollte Ray Kurzweil um 10:30 Uhr deutscher Zeit in München eine Rede vor Unternehmenslenkern und Technikexperten per dreidimensionalem Teleprompter halten. Er selbst ist zu Hause in San Francisco. Der Anlass: Ein Forum zum Thema Innovation, das im Vorfeld zum Innovationspreis im Bayerischen Hof  der bayerischen Landeshauptstadt stattfindet. Aber zum verabredeten Zeitpunkt passiert - nichts.

Bis Kurzweil dann drei Stunden später vor dem Publikum erscheint, hatten also andere Zeit, ihre Ideen über die wichtigsten Innovationen der Zukunft vorzustellen.

Die Jury des Innovationspreises 2013

  • Roland Tichy (Vorsitz)

    Chefredakteur, WirtschaftsWoche:

    "Die Basis von Innovationen ist schöpferische Zerstörung in Schumpeter'schen Sinne. Nur Ideen, die Bestehendes in Frage stellen haben die Chance, Märkte dauerhaft zu verändern und die führende Stellung des deutschen Technologiestandorts zu sichern. Deshalb soll Der Deutsche Innovationspreis vor allem die kreativen Zerstörer unserer Wirtschaft auszeichnen, die aus Altem Neues schaffen."

  • Prof. Dr. Gerd Binnig

    Gründer der Definiens AG:

    "Die Quelle von Innovationen ist oft Freude am Denken, Mut einer Intuition zu folgen und Neuland zu betreten und auch ein wenig Naivität, die das Muthaben etwas leichter macht. Zum erfolgreichen Orientieren im Neuland bedarf es dann noch einer selbstkritischen Hinterfragung der eigenen Ideen. In der Forschung ist es schwer genug all diese erforderlichen Qualitäten zu vereinen. In der Industrie ist die Anzahl der beteiligten Personen und Disziplinen zudem deutlich größer und sie alle müssen innovativ zusammenspielen. Der Innovationspreis macht Mut, diese schier unlösbar erscheinende Aufgabe anzupacken."

  • Prof. Dr. Hubertus Christ

    Ehemaliger Vorsitzender, Deutscher Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine DVT:

    "Die deutsche Wirtschaft verdankt ihre Erfolge Produkten, die für die Abnehmer attraktiver sind als diejenigen ihrer Wettbewerber. Die Halbwertzeit der Attraktivität beträgt nur wenige Jahre, in manchen Branchen nur Monate. Das ist der Grund,  weshalb das rohstoffarme Deutschland auf Innovationen angewiesen ist, und wir diese fördern müssen, wo immer es geht. Innovationspreise dienen dem breiten Verständnis der Notwendigkeit und der Art von Innovationen und sollen motivierend auf Firmen und Menschen wirken."

  • Dr. Klaus Engel

    Vorsitzender des Vorstandes, Evonik Industries AG:

    "Das Wort Innovation hat im öffentlichen Raum nur Freunde. Aber so viel Erfolg ist auch ein Fluch. Denn wo sich alles als innovativ anpreist, schwindet das Verständnis dafür, was das eigentlich ist – eine Innovation. Sagen wir es so: Eine Innovation ist mehr als eine Optimierung bestehender Produkte und Prozesse, sie ist ein Sprung, der einen qualitativ neuen Raum erschließt. Das Bewusstsein für diesen Zusammenhang zu schärfen, ist nicht das geringste Verdienst des Deutschen Innovationspreises."

  • Prof. Dr. Matthias Kleiner

    Präsident (2007-2012), Deutsche Forschungsgemeinschaft

    "Der Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft lebt von Synergie. Ein gelungener Erkenntnistransfer ist keine Einbahnstraße, sondern initiiert neue wissenschaftliche Fragestellungen, neue Forschung und Innovationen. Dafür müssen Wissenschaft, Unternehmen und Institutionen vertrauensvoll kooperieren. Die DFG verfügt mit ihren Gutachterinnen und Gutachtern, ihren Gremien und der Geschäftsstelle über ein deutschlandweit einzigartiges Potenzial an Informationen über wissenschaftliche Erkenntnisse für die frühe Phase des Innovationsprozesses. Dieses Wissen lässt sich für den Brückenschlag zur Wirtschaft und Gesellschaft durch Erkenntnistransfer intensiv nutzen."

  • Dr. Frank Mastiaux

    Vorsitzender des Vorstandes, EnBW Energie Baden-Württemberg AG:

    „Die Energie der Zukunft braucht Innovationen, nicht nur technologisch sondern auch systemisch und in neuen Formen der Zusammenarbeit. Dies wird auch zu erweiterten Marktchancen führen. Daher gilt es Innovation zu fördern und zu nutzen: - kreativ im Ansatz und konsequent in der Umsetzung."

  • Frank Riemensperger

    Vorsitzender der Geschäftsführung, Accenture GmbH:

    "Deutschland hat keine natürlichen Rohstoffe, unser Rohstoff sind die klugen Köpfe. Innovation definiert als Kombination von Erfindungen und Markterfolg hat uns über Jahrzehnte den Wohlstand beschert, den wir heute genießen. Das Zusammentreffen von klugen Köpfen, Know-how, Kapital und Unternehmertum als Nährboden für Innovation ist heute nicht mehr ein Privileg der Triade. Vielmehr haben die neuen Zentren in der Multipolaren Welt intensiv den Wettbewerb um den besten Innovationsstandort aufgenommen. Die Megatrends – Energiewende, Demographische Verschiebung, Mobilität, IT-Revolution, und Konvergenz von Industriesegmenten einerseits und neue Geschäftsmodelle um integrierte Produkte und Services andererseits – sind unsere Chance auch künftig den Wohlstand von Deutschland durch Innovation zu erhalten. In diesem Sinne freut sich die Jury auf eine wahre Innovations-Vielfalt."

  • Cornelia Rudloff-Schäffer

    Präsidentin, Deutsches Patent- und Markenamt:

    "Innovationen sind der Motor, der Volkswirtschaften antreibt. Mit ihren Investitionen in Forschung und Entwicklung stärken innovative Unternehmen den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Initiative „Der Deutsche Innovationspreis“ honoriert herausragende, zukunftsweisende Innovationen deutscher Unternehmen und unterstreicht damit deren Bedeutung auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Ich freue mich darauf, als Jurymitglied an der Vergabe dieses Preises mitzuwirken."

  • Andreas Schmitz

    Sprecher des Vorstands, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG und Präsident, Bundesverband deutscher Banken e.V.:

    "Innovationen sind die Triebfeder gesellschaftlicher Entwicklung. Insbesondere vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Gesellschaft, der damit verbundenen Verknappung der Arbeitskräfte und der grundsätzlichen Rohstoffknappheit Deutschlands sind Innovationen für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung. Die Intensität des globalen Innovationswettbewerbs hat in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen, wodurch es einerseits schwieriger geworden ist, erfolgreiche Innovationen zu entwickeln und andererseits erfolgreiche Innovationen durch tendenziell kürzere Lebenszyklen gekennzeichnet sind. Der deutsche Innovationspreis trägt dazu bei, die Quelle des deutschen Wohlstands zu fördern und damit Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern."

  • Prof. Dr. Günther Schuh

    Prorektor, Lehrstuhl für Produktionssystematik, RWTH Aachen:

    "Der Mensch an sich liebt Beständigkeit und ist dennoch neugierig. Wir müssen Neugierde und Phantasie beflügeln und den Mut zur Veränderung fördern, wenn wir uns nicht mit dem Zustand unserer sozialen und ökologischen Systeme zufrieden geben wollen. Innovatoren müssten so bewundert werden wie Sport- oder Pop-Stars, um die Jugend noch mehr zu begeistern. Der Deutsche Innovationspreis leistet dazu einen tollen Beitrag. Deshalb mache ich gerne mit."

  • Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstei

    Vorsitzender des Vorstandes, WITTENSTEIN AG und 2007-2010 Präsident, VDMA:

    "Der Maschinenbau leistet einen wesentlichen Lösungsbeitrag zur Bewältigung gesellschaftspolitischer, ökonomischer und ökologischer Herausforderungen.
    Er ist somit DIE Schlüsselbranche für die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Seine Innovationskraft und Umsetzungsstärke bilden die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg in vielen Bereichen der Deutschen Industrie und damit für die weitere Entwicklung und Innovationsfähigkeit Deutschlands."

Zum Beispiel Evonik-Chef Klaus Engel. Er präsentiert einen Cyber-Klassenraum: 3D-Bildschirme, auf denen Schüler den Aufbau von Molekülen studieren können oder eine Reise durch das Innenohr unternehmen. "Wir stehen noch ganz am Anfang, was die Möglichkeiten des digitalen Lernens angeht", sagte Engel. "Ich bin sehr gespannt, wo die Reise hingeht." Dann stellte Limor Schweitzer, Chef des Roboter-Herstellers RoboSavvy, Roboter vor, die sein Unternehmen per 3D-Drucker herstellt. 

Gegen 13 Uhr endlich erscheint Kurzweil dann doch noch als dreidimensionales Hologramm auf der Bühne. Statt „ich habe verschlafen“, sagt er schlicht: „Es gab Probleme mit der Hardware“ und meinte damit seinen Körper.

Dann beginnt auch schon sein Vortrag, in dem Kurzweil die für ihn faszinierendsten Entwicklungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte beschreibt.

Die zentrale These, die der Technikvisionär seit rund dreißig Jahren verbreitet: Die Entwicklung von Computern und Informationstechnologie geht nicht linear voran, sondern exponentiell. Was das bedeutet kann jeder Nutzer, der heute ein Smartphone oder ein Laptop nutzt, sehen: Die Geräte werden zunehmend billiger und gleichzeitig kleiner und leichter während ihre Rechenpower stetig steig. Heutige Smartphones können mehr als jeder Heimcomputer noch vor einigen Jahren.

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