Interview John Grotzinger: „Curiosity ist langsam - aber unglaublich gut“

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InterviewInterview John Grotzinger: „Curiosity ist langsam - aber unglaublich gut“

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John Grotzinger (mitte), leitender Wissenschaftler der Curiosity-Mission, im Interview mit der WirtschaftsWoche

von Tim Rahmann

Der leitende Wissenschaftler der aktuellen Mars-Mission John Grotzinger ist mit dem Rover mehr als zufrieden. Er bedauert, dass „Curiosity“ im All sterben wird – und verrät erste Details über Zukunftspläne der NASA.

WirtschaftsWoche: Herr Grotzinger, wie schlägt sich „Curiosity“ bisher?

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John Grotzinger: Ich finde, unser Rover macht einen unglaublich guten Job. „Curiosity“ arbeitet sehr gründlich und liefert uns präzise Daten – genau so, wie wir es uns erhofft haben. Es gibt keinen Grund zur Klage.

Ich habe den Eindruck, „Curiosity“ arbeitet im Zeitlupentempo.

Der Schnellste ist er nicht, das stimmt. Nein, im Ernst: Es sieht zuweilen so aus, als würde es sehr lange dauern, bis der Rover Ergebnisse übermittelt. Und pro Sekunde kommt er auch nur zwischen zwei und vier Zentimeter vorwärts. Das ist aber so gewollt. Wir wollen einfach keine Fehler machen. „Curiosity“ hat eine erwartete Lebenszeit von zwei Jahren. Das heißt, wir haben genug Zeit und können ohne Eile vorgehen. Den letzten Rover, den wir zum Mars geschickt haben, „Spirit“, konnte nur 90 Tage unter Höchstleistung arbeiten. Wir mussten damals sehr schnell sein, um genügend Daten zu gewinnen. Heute geht Gründlichkeit über Schnelligkeit. „Curiosity“ arbeitet viel präziser als seine Vorgänger. Der Rover ist ein komplexes mobiles Labor.

Sie untertreiben. „Curiosity“ ist mehr als ein Labor. Er kann buddeln, analysieren, bohren – und sogar twittern!

Die Öffentlichkeitsarbeit der NASA kann man kritisch sehen. Aber Sie müssen die Hintergründe kennen: Es war sehr schwierig, die Mission finanziell auf die Beine zu stellen. Mehrmals drohte das ganze Projekt zu platzen. „Curiosity“ tritt nun den Beweis an, dass es sich lohnt, in die Erforschung des Alls zu investierten. Diese Nachrichten wollen wir natürlich nach außen tragen. Es ist schließlich immer wichtig, dass solche Missionen den Rückhalt der Bevölkerung haben. Dann gibt es hoffentlich Möglichkeiten, weitere Mission zu starten.

Zurück zum Bohren: „Curiosity“ hat angefangen, in Felsen einzudringen.

Genau. Das ist eines unser Hauptanliegen der ganzen Mission. Die Gesteinsbrocken auf dem Mars sind bis zu vier Milliarden Jahre alt. Wir wollen die Felsen aufbohren und schauen, wie sie sich in Tausenden von Jahren entwickelt haben. Die Vorgänger von „Curiosity“ hatten keinen Bohrer mit an Bord, es handelt sich also um den ersten Vorgang dieser Art auf dem Planeten! Für die Entwicklung des Mars-Bohrers haben Forscher von uns mit acht verschiedenen Instrumenten mehr als 1000 Löcher in zig verschiedene Gesteinsarten auf der Erde gebohrt.

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