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Interview mit Justin Rattner: Intels Forschungschef: "Manchmal ist die Notbremse billiger"

Intels Technologie- und Forschungschef Justin Rattner spricht über seine Strategie, aus Erfindungen Innovationen zu machen.

Navigationssystem mit Peilsender

Was heute Autofahrer sicher auf unbekannten Straßen ans Ziel führt, war 1964 eine Sensation. In dem Film "Goldfinger" kann James Bond in seinem Aston Martin sich und seine Verfolger auf einem Monitor exakt lokalisieren. Die Idee, die zuerst im zugehörigen Roman auftauchte, soll den CIA-Chef Allen Dulles 1959 so fasziniert haben, dass er den Geheimdienst anwies, solche Geräte zu entwickeln. Als aber erste Tests scheiterten, verwarf Dulles die Idee. Das erste serienmäßige Navigationssystem kam dann in den 1990er Jahren auf den Markt.

Bild: AP

Wirtschaftswoche: Mr. Rattner, Forschungslabors gelten in vielen Konzernen als schmückende, aber wenig produktive Anhängsel, deren Budgets bei Sparprogrammen als Erste leiden. Droht Ihnen das bei Intel auch?

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Es gab tatsächlich schon mal Stimmen, die die Forschungsprojekte hinterfragten. Vor sechs, sieben Jahren, als Intel in Umstrukturierungen steckte. Damals lag einiges im Argen: Oft hatten Forscher gute Ideen für Produkte. Aber in der Produktentwicklung war keiner verfügbar oder interessiert. Dann gab es Fälle, wo sich Produktleute an frühere Forschungsprojekte erinnerten, für die es nun Bedarf gäbe. Da aber steckten die Forscher in anderen Projekten und waren nicht mehr interessiert.

Und heute?

Haben wir das grundlegend geändert. Heute verfolgen wir den sogenannten Pathfinder-Ansatz und bringen Forscher und Produktentwickler früh zusammen. Dann überlegen sie, was es an Durchbrüchen gibt und wie man die als Produkt umsetzen könnte. Ziel ist zu erkennen, wo es überhaupt einen Markt dafür gibt? Ob der vielleicht noch Jahre weg ist und wir uns erst mal auf andere Sachen fokussieren. Das Ziel ist, aus Erfindungen Innovationen zu machen.

Intels Forschungschef Justin Rattner Quelle: REUTERS
Intels Forschungschef Justin Rattner Quelle: REUTERS

Erfindung, Innovation – wo liegt der Unterschied?

Innovation ist ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Technologie, die Leute kaufen und nutzen können. Erfinden schöpft Neues, das aber nicht zur Produktreife gelangen muss. Viele Leute bringen das durcheinander. Das ist gefährlich.

Was, bitte, ist daran gefährlich?

Das Gros industrieller Forschung in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg fokussierte sich auf das Erfinden. Institute wie die Bell Labs oder Xerox Parc sind zu Recht Legenden. Aber die Innovation haben andere vollbracht, die das Marktpotenzial der Erfindungen erkannten.

Nennen Sie mal ein Beispiel.

Der Transistor in den Bell Labs war eine Kuriosität, bis die Gründer von Fairchild daraus ein Produkt machten und Bob Noyce mit dem integrierten Schaltkreis das Fundament von Intel legte. Noch bekannter ist die PC-Steuerung mit den charakteristischen Programmfenstern. Die stammt von Xerox, doch erst Apple-Gründer Steve Jobs verhalf ihr mit dem Macintosh-Computer zum Durchbruch.

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