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Interview mit Justin Rattner: Viele Erfindungen wenig Produkte

Interview mit Justin Rattner: Intels Forschungschef: "Manchmal ist die Notbremse billiger"

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Viele Erfindungen wenig Produkte

Airbus plant an seinen deutschen Standorten vor allem zur Produktion seines neuen Verkehrsjets A350 XWB die Schaffung hunderter neuer Jobs. "Wir gehen von 1000 Neueinstellungen aus", sagte Airbus-Geschäftsführer Günter Butschek am 26. April im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Bei den Neueinstellungen handle es sich vor allem um Facharbeiter und Ingenieure. Den norddeutschen Standorten in Hamburg, Stade und Bremen mit derzeit rund 18.000 Mitarbeitern komme eine Schlüsselstellung bei der Entwicklung und Fertigung des Hightech-Fliegers zu. Im Sommer sei sein Erstflug geplant, Ende kommenden Jahres die erste Auslieferung.

Bild: dpa

Wo ist da das Problem?

Viele Unternehmen haben sich zu lange am Modell von Bell Labs und Xerox orientiert. Bis sie merkten, dass die Forschungsmilliarden zwar viele Erfindungen brachten, aber zu wenig marktfähige Produkte. Unter dem Druck der Aktionäre haben viele dann ihre Forschungsetats reduziert. Es scheint, als ob Forschung das Erste ist, worauf man in Krisen verzichten kann, so etwas wie ein Luxusgut. Das ist riskant, denn es hemmt die industrielle Forschung – in den USA und weltweit.

Gehen Unternehmen nun die Ideen aus?

Ideen gibt es wie Sand am Meer. Aber ich habe weder Leute noch Budget, alle auszuprobieren. Die Herausforderung ist es, Ideen zu Produkten zu machen. Der Markterfolg liefert dann den Etat, neue Ideen zu realisieren. Auch deshalb verfolgen wir den Pathfinder-Ansatz.

Beschränkt es nicht die Kreativität, wenn sich alle mehr auf Produkte als auf Erfindungen konzentrieren?

Nein, unsere Erfahrung ist, dass die Arbeit besser wird, weil die Forscher in der Kommunikation mit Produktentwicklern ganz neue Einsichten gewinnen – und umgekehrt. Es fördert die Wertschätzung, wie schwer es ist, eine Erfindung in ein Produkt zu bringen und es zu fertigen. Auch daraus entstehen wieder neue Ansätze.

Was für Projekte sind das?

Zum Beispiel die Deep-Safe-Technologie: ein Verteidigungsmechanismus gegen Computerviren, den unsere Laborexperten erfunden haben. Zusammen mit unserer Sicherheitstochter McAfee und der IT-Architekturgruppe haben sie ihn marktreif gemacht.

Wie viele solche Projekte gibt es?

Wir verfolgen rund 50 Projekte gleichzeitig, brauchen aber etwa doppelt so viele in den Labors, um neue Ansätze für die nächsten Pathfinder-Missionen zu haben. 30 bis 40 Prozent, immerhin, schaffen es dann auf den Markt.

Sind Sie mit der Quote zufrieden?

Das ist okay, aber es geht weniger um absolute Zahlen als ums Umdenken. Einen neuen Mikroprozessor zu entwickeln kostet beispielsweise rund 600 Millionen Dollar. Und um die Fabrik dafür zu bauen, braucht man noch mal das Zehnfache. Aber wenn danach herauskommt, dass das Produkt Fehler hat oder am Markt vorbei zielt, hat man ein gigantisches Problem.

Wie wollen Sie das vermeiden?

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Wir müssen früh genug nachdenken und die Ideen vorher auf alle möglichen Unwägbarkeiten prüfen – selbst wenn auch das teuer ist. Aber wenn sich dann herausstellt, dass etwas nicht funktioniert, ist die Notbremse immer noch viel billiger als der Bau einer neuen Fabrik. Manchmal ist es besser, technische Fehler oder strategische Irrtümer zu vermeiden, als einen vermeintlich schnellen Produkterfolg zu feiern – der dann vielleicht gar keiner ist.

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