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John Gurdon und Shinya Yamanaka: Die genetischen Tricks der Medizin-Nobelpreisträger

von Jürgen Rees

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an John Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka aus Japan. Sie erhalten ihn, weil sie erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben. Damit revolutionierten sie die Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können. 

Die Erwartungen an Stammzellen sind enorm: Eines Tages sollen sie Alzheimer, Parkinson und Krebs heilen, hoffen Ärzte wie Patienten.

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Einen enorm wichtigen Schritt auf dem Weg zum vielseitigen Reparaturwerkzeug des Körpers sind dem britischen Forscher John B. Gurdon, 79, und der Japaner Shinya Yamanaka, 50, gelungen. Sie haben gezeigt, dass sich reife Körperzellen wieder in den ursprünglichen, embryonalen Zustand versetzen lassen. In diesem Zustand sind die Zellen sogenannte pluripotente Stammzellen. Das bedeutet, dass sie sich noch zu jedem Zelltyp des Organismus entwickeln können.

Aus ihnen können sich also etwa Knochen-, Muskel- oder Nervenzellen bilden. Eines Tages, so die Hoffnung, können sie so krankes Gewebe oder Organe ersetzen. Ist eine Zelle einmal ausgereift, hat also einen speziellen Entwicklungsweg eingeschlagen, so verliert sie diese Fähigkeit.

Dafür bekommen die beiden Wissenschaftler jetzt den Nobelpreis für Medizin.

Die Medizin-Nobelpreisträger der letzten zehn Jahre

  • 2011

    Bruce Beutler, USA, Jules Hoffmann, Frankreich, und Ralph Steinman, Kanada

  • 2010

    Robert Edwards, Großbritannien

  • 2009

    Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak, alle USA

  • 2008

    Harald zur Hausen, Deutschland, Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, beide Frankreich

  • 2007

    Mario Capecchi und Oliver Smithies, beide USA, sowie Martin Evans, Großbritannien

  • 2006

    Andrew Fire und Craig Mello, USA

  • 2005

    Barry Marshall und Robin Warren, Australien

  • 2004

    Richard Axel, Linda Buck, beide USA

  • 2003

    Paul Lauterbur, USA, Sir Peter Mansfield, Großbritannien

  • 2002

    Robert Horvitz, USA, Sydney Brenner und John Sulston, beide Großbritannien

Der Entwicklungsbiologe Gurdon forschte viele Jahre an der britischen Cambridge-Universität. Er entdeckte bereits 1962, dass die Spezialisierung der reifen Zelle rückgängig gemacht werden kann. In einem klassischen Experiment ersetzte er den unreifen Zellkern - in diesem liegt das Erbgut, die DANN - in der Eizelle eines Frosches mit dem Zellkern einer ausgereiften Darmzelle. Diese manipulierte Eizelle entwickelte sich trotzdem zu einer normalen Kaulquappe. Gurdon bewies so, dass das Erbgut in der reifen Zelle alle Informationen besitzt, die benötigt werden, um jegliche Zellarten eines Frosches auszubilden. Er legte damit die Grundlage für die Forschung von Yamanaka.

Der Nobelpreis

Der Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012.

Bild: dpa

Der Japaner Yamanaka ist Professor in Kyoto und San Francsico. Er entdeckte mehr als 40 Jahre nach Gurdons Experiment im Jahr 2006, wie gesunde, reife Zellen von Mäusen mit genetischen Tricks umprogrammiert werden können, um aus ihnen wieder unreife Stammzellen zu machen. Überraschenderweise reichte die Veränderung nur weniger Gene aus, um aus den Körperzellen wieder Stammzellen zu machen.

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