Kampf gegen Bürokratie: Brücken sanieren und Milliarden sparen

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Kampf gegen Bürokratie: Brücken sanieren und Milliarden sparen

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Mit einem Kran werden auf der längste Eisenbahnbrücke Deutschlands bei Halle(Sachsen-Anhalt) zwei 38 Tonnen schwere Stahlbögen in die Brückenkonstruktion eingepasst.

von Thomas Kuhn

Rostfraß, Betonkrebs, Risse – Tausende Brücken müssen mit Milliardenaufwand erneuert werden. Dank neuer Verfahren könnte das viel schneller und günstiger gehen als bisher.

Viele Nerven hat diese Brücke schon gekostet: Stop-and-go über Stunden, Tempo 60 maximal, einspurig durch den Stau, ungezählte Unfälle. Die Helterbachtalbrücke der A 7 unweit von Kassel ist marode. Und das entlang einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Deutschlands. Die Brücke ist so malad, dass sie vor wenigen Wochen abgerissen wurde. Ende 2015 soll – geht alles glatt – der Verkehr wieder reibungslos über den Neubau rollen.

Die gigantische Baustelle an der A 7 ist eine von Hunderten, die Autofahrern zurzeit auf deutschen Fernstraßen das Fortkommen verleiden. Bei fast der Hälfte der rund 38 000 Brücken des Bundes warnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schon vor einer „gravierenden Vernachlässigung der Erhaltungsmaßnahmen“. Im Klartext: Sie sind reparaturbedürftig. In den Kommunen muss jede zweite der knapp 67 000 Überführungen saniert werden, meldet das Deutsche Institut für Urbanistik. Etwa jede siebte braucht Ersatz.

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Verkehrsforscher und Politiker schlagen Alarm. Ob in Hessen oder Hamburg, Berlin oder Bayern, bundesweit bröckelt die Infrastruktur – und damit eine der wichtigsten Stärken des Standorts Deutschland: das dicht geknüpfte Netz an Verkehrswegen; für Millionen Pendler alltäglicher Berufsweg, für Unternehmen unersetzliches Glied der Just-in-time-Produktion.

Es ist ein Verfall mit Ansage. Während die Investitionen in den Verkehr seit Anfang der Neunzigerjahre stagnieren, stieg der Personenverkehr um ein Viertel. Die Verkehrsleistung im Gütertransport hat sich gar verdreifacht. Bis 2050, so die Prognosen, könnte der Schwerlastverkehr nochmals um 80 bis 100 Prozent steigen. Je mehr Transporte aber über Straßen und Brücken rollen, desto rasanter verfallen sie.

Ein Grund für den Renovierungsstau ist der Aufbau Ost, in den nach der Wiedervereinigung Milliarden Euro flossen. Daneben aber haben politische Fehlentscheidungen die heutige Misere herbeigeführt: „Große Teile der Bevölkerung freuen sich an neuen Straßen. Wer Straßen wegen Renovierung sperrt, macht sich selten beliebt“, sagt Karl-Heinz Daehre (siehe Artikel unten). Der Ex-Verkehrsminister (CDU) von Sachsen-Anhalt hat mit seiner Kommission zur Zukunft der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung den Sanierungsbedarf analysiert. Schon jetzt ist absehbar: Passiert nicht bald etwas, müssen mehr Brücken gesperrt werden, so wie vor einigen Monaten die Rheinquerung der A 1 bei Leverkusen. Dort hatten Lkws monatelang Fahrverbot, nachdem Techniker Risse im Bau entdeckten.

Aber es gibt Hoffnung. Denn so mancher angejahrte Bau lässt sich womöglich weit günstiger und schneller sanieren, vor allem aber deutlich länger nutzen, als es die Experten bisher kalkuliert haben.

Im Gespräch "Auf Verschleiß gefahren"

Der Ex-Minister und Verkehrsexperte Karl-Heinz Daehre spricht über die Versäumnisse der Politik und die Maut als neue Geldquelle für den Straßenbau.

Daehre, 69, war bis 2011 für die CDU Verkehrsminister in Sachsen-Anhalt. Bis 2013 leitete er die Kommission zur Zukunft der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung. Quelle: ZB

Das ermöglichen neue Reparaturverfahren, die helfen, kränkelnde Brücken zu kurieren, alternde Bauwerke zu verjüngen. „Wir können verhindern, Millionen für den vorschnellen Abriss zu verpulvern“, sagt Frank Schladitz, Bauingenieur an der Technischen Universität Dresden und ausgewiesener Spezialist dafür, bröckelnder Bausubstanz ein zweites Leben zu verleihen.

Mithilfe dieser Verfahren steigen die Chancen, mit den vorhandenen Geldern etwas auszurichten. Seit Jahren beträgt der Verkehrsetat des Bundes für Straßen, Schienen und Wasserwege zehn bis zwölf Milliarden Euro – mit einem Übergewicht bei Neubauten. Inzwischen, immerhin, steuert die Politik um: Die neue Bundesregierung setze auf Erhalt vor Neubau, konstatiert Ex-Minister Daehre.

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