Kein Dumme-Jungen-Streich: Laserpointer gefährden Piloten

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Kein Dumme-Jungen-Streich: Laserpointer gefährden Piloten

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Bei Start und Landung werden Piloten oft Opfer von Laserpointer-Attacken.

Seit Jahren machen Angriffe mit Laserpointern Piloten zu schaffen. Die Männer und Frauen im Cockpit können sich kaum schützen.

Draußen herrscht dunkle Nacht, die Pupillen des Piloten sind geweitet - doch plötzlich leuchtet das Cockpit des Eurocopters in grell-grünem Licht. „Das ist ein bisschen, wie wenn man bei Nacht in einen Fotoblitz schaut“, erzählt Joachim Walzik, Leiter der Hubschrauberstaffel der bayerischen Bereitschaftspolizei. Etwa zehnmal sind seine in München und Nürnberg stationierten Piloten in den vergangenen Jahren Opfer von Attacken mit Laserpointern geworden.

Gefährliches Sicherheitsproblem für die Luftfahrt

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Der Lichtstrahl treffe auf das Plexiglas des Hubschraubers und werde stark gestreut, berichtet Walzik. „Wir hatten eine Besatzung, die danach alle drei beim Augenarzt waren, weil das so stark geblitzt hat, dass sie richtig Schmerzen hatten.“ Gerade bei schwierigen Flugmanövern in Bodennähe oder wenn Windräder und Stromleitungen in der Nähe sind, könne das gefährlich werden.

Jahr für Jahr werden in Deutschland mehrere hundert Blend-Attacken gemeldet - wobei die Statistiken lückenhaft sind. Ein echtes Sicherheitsproblem für die Luftfahrt. „Das ist, als würde auf der Autobahn jemand dem Fahrer für vier, fünf, sechs Sekunden die Augen zuhalten“, sagt Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit. „Das ist leider immer noch nicht in der Bevölkerung verankert, dass das kein Dumme-Jungen-Streich ist.“

Das Problem tauchte vor einigen Jahren auf und nahm mit der Verbreitung billiger, leistungsstarker Laserpointer zu. Immer wieder werden auch Autofahrer und Zugführer geblendet. Zuletzt gab es in den Statistiken von Deutscher Flugsicherung (DFS) und Luftfahrt-Bundesamt aber erstmals einen leichten Rückgang der Fallzahlen. Bei den DFS-Fluglotsen gingen im vergangenen Jahr 534 Meldungen ein, fast 200 weniger als 2012. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es sogar nur 161 - wobei die Zahl im zweiten Halbjahr meist höher liegt. „Ich hoffe, dass diese Tendenz sich fortsetzt“, sagt Sprecherin Kristina Kelek.

Laserpointer fallen nicht unter das Waffengesetz

Doch Pilotenvertreter mahnen weiter zum Handeln. „Es ist Gottseidank noch nichts passiert. Aber darauf wollen wir auch nicht warten“, betont Markus Wahl. Die Forderungen der Vereinigung: Die schärfere Verfolgung von Tätern und die Aufnahme von stärkeren Laserpointern ins Waffengesetz. Letzteres hatte auch das Bundesinnenministerium im Auftrag der Länder geprüft, winkt nun aber ab: Eine Regelung über das Waffengesetz sei rechtlich problematisch, erklärt eine Sprecherin. „Zudem wäre ein waffenrechtliches Führungsverbot von Laserpointern in der Praxis nur sehr schwer kontrollier- und damit durchsetzbar.“ Täter könnten bereits wegen Eingriffs in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr belangt werden - darauf stehen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

Flugzeug-Piloten sind vor allem bei Starts und Landungen betroffen, weil sie dann relativ niedrig unterwegs sind. So wurden Anfang August zwei Piloten von Passagiermaschinen im Sinkflug zum Flughafen Köln/Bonn geblendet. „Das ist die anstrengendste Phase des Flugs überhaupt“, warnt Professor Hans-Dieter Reidenbach.

Am Institut für Angewandte Optik und Elektronik der Fachhochschule Köln befasst er sich mit den Laser-Attacken. Je nach Wellenlänge, Leistung und Entfernung des Laserpointers könne die Blendung unterschiedlich lang dauern - manchmal nur Sekunden, in der Spitze bis zu ein oder zwei Minuten, sagt Reidenbach. Zwar dürften in Deutschland nur Laserpointer mit einer Leistung von maximal einem Milliwatt verkauft werden. Doch über das Internet sei es leicht, stärkere Geräte zu kaufen.

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Nach Angaben von Experten sind langfristige Augenschäden bei den Piloten möglich. Cockpit-Sprecher Markus Wahl berichtet von einem US-Piloten, der durch eine Laser-Attacke berufsunfähig geworden sei.

Die bayerischen Polizeihubschrauber haben inzwischen Schutzbrillen an Bord. Aber erstens helfen diese nicht gegen alle Wellenlängen, das heißt nur gegen Laser in bestimmten Farben. „Sie werden außerdem nicht permanent getragen, weil sie uns sehr beeinträchtigen“, sagt Staffel-Chef Joachim Walzik. Wenn die Polizeihubschrauber geblendet werden, sei die Chance, die Täter zu fassen, aber gar nicht so schlecht: Die Besatzung könne wegdrehen und mit der Bordkamera schauen, von wo der Angriff kam. „Nach unserer Einschätzung wird das überwiegend nicht vorsätzlich gemacht, sondern aus Jux und Dollerei - aus Dummheit.“

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