Klimawandel: Hochwasserschutz-Technik als niederländischer Exportschlager

Klimawandel: Hochwasserschutz-Technik als niederländischer Exportschlager

, aktualisiert 13. November 2017, 13:42 Uhr
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Der High-Tech-Deich am historischen Hafen von Spakenburg kann bis zu 80 Zentimeter hoch ausgefahren werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Seit Jahrhunderten kämpfen die Niederländer gegen Wasser und bedrohliche Fluten. In Zeiten des Klimawandels und steigender Meeresspiegel wird dieses Knowhow immer wertvoller. Neue Technologien schützen vor Überflutungen.

Spakenburg Historische Fischerboote gleiten an diesem klaren Morgen ruhig über das Wasser der niederländischen Hafenstadt Spakenburg. Vor gut einem Jahrhundert schlugen diese Boote noch gegen die Häuser am Hafen, als ein schwerer Sturm den malerischen Fischerort verwüstete. Heute schützt eine innovative Deichkonstruktion den Ort 50 Kilometer südöstlich von Amsterdam.

Die 300 Meter lange Barriere ist in den Gehweg eingelassen, wenn sie nicht gebraucht wird. Bis zu 80 Zentimeter hoch kann sie ausgefahren werden. Angehoben wird sie von eben jenem Wasser, das sie abhalten soll. Es ist nur ein Beispiel für den Einfallsreichtum der Niederlande, die sich seit Jahrhunderten im Kampf mit dem Wasser befinden. Und genau diese Technologie wird zunehmend zu einem lukrativen Exportgeschäft.

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„Wir leben hier an einem leicht verwundbaren Ort“, sagt Roeland Hillen, Direktor des Niederländischen Flutschutzprogramms. „Wir müssen uns anpassen, um zu überleben.“

Das trifft auch auf zahlreiche andere Länder zu, die von Überschwemmungen bedroht sind und die gerade am Weltklimagipfel in Bonn teilnehmen. Den Vorsitz bei dem Treffen mit Vertretern von rund 195 Nationen haben die Fidschi-Inseln, jener kleine Inselstaat, der ganz besonders hart getroffen wird, wenn die Pegel der Meere steigen.

„Wir werden die Folgen des Klimawandels in der ganzen Welt vor allem über das Wasser zu spüren bekommen“, sagt Henk Ovink, niederländischer Sondergesandter für Internationale Wasserangelegenheiten, der ebenfalls in Bonn dabei ist.

Die niederländische Regierung hat dieses Jahr zusammen mit Japan und dem UN-Umweltprogramm ein Globales Exzellenzzentrum für Klimaanpassung in den Niederlanden auf den Weg gebracht. Der offizielle Start dafür sollte am Dienstag am Rande der Bonner Konferenz erfolgen. Ziel ist laut Regierung, „in allen Teilen der Welt diejenigen zu unterstützen, die Probleme haben, die Anpassung an das Klima in die Praxis umzusetzen“.

Das Zentrum in den Niederlanden anzusiedeln war eigentlich selbstverständlich. 26 Prozent des Landes mit seinen 17 Millionen Einwohnern liegen unter dem Meeresspiegel. 29 Prozent des Landes sind von Überflutungen durch Flüsse bedroht. Der Kampf, das Land trocken zu halten, ist seit Jahrhunderten ein konstanter Faktor im Leben der Nation. Seinen Sitz wird das Zentrum in Groningen haben, ein weiteres Büro ist zudem im Rotterdam geplant.

Rund eine Milliarde Euro wendet die niederländische Regierung jedes Jahr für den Hochwasserschutz auf. Das Geld fließt in die Instandhaltung auf Verstärkung von Deichen und Dämmen sowie andere Wasserprojekte. Bis zum Jahr 2050 wolle das Land 1900 Kilometer Dämme und Deiche verstärkt haben, sagt Flutschutzexperte Hillen.

Auch wenn die Kosten hoch sind - die Expertise und die Technologie der niederländischen Experten werden zunehmend wertvolle Güter. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Exporte in diesem Bereich auf knapp acht Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt. „Wasser ist ein Schatz und eine Bedrohung“, sagt Ovink.

In Spakenburg verweisen die Experten darauf, dass der sich selbst ausfahrende Deich nicht nur ein gutes Beispiel für neue Flutschutztechnologien sei. Er zeige auch, wie sich solche Barrieren in die Stadtplanung einbinden lassen. Wenn die Schutzwand nicht gebraucht wird, versinkt sie im Gehweg und versperrt Touristen wie Einheimischen nicht die malerische Sicht. Die Technologie wird mittlerweile auch in England, Vietnam und China genutzt.

Ovink verweist darauf, dass die Technik in Spakenburg nur eine von zahlreichen Flutabwehrtechniken ist, die die Niederländer entwickelt haben. „Es gibt nicht die eine Maßnahme“, sagt er. „Es geht um eine Kultur, wie man mit dem Wasser lebt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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