Körpereigene Abwehrstoffe: Mögliche Universal-Waffe im Kampf gegen neue Seuchen

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Körpereigene Abwehrstoffe: Mögliche Universal-Waffe im Kampf gegen neue Seuchen

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Die Infektionskrankheit MERS kostete bereits hunderte Menschen das Leben. Jetzt soll ein biotechnisch vermehrter Antikörper gegen das Virus helfen.

von Susanne Kutter

Ein internationales Forscherteam rund um das schweizerische Biotech-Unternehmen Humabs Biomed hat ein wirksames Mittel gegen die lebensgefährliche Atemwegsinfektion MERS gefunden – es vermehrt die Abwehrstoffe eines Überlebenden. Die Technik lässt sich auf fast alle neuen Seuchen übertragen, die derzeit die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

In Südkorea ist der jüngste Ausbruch des für den Menschen oft tödlichen Kamelschnupfens MERS gerade erst verebbt. Die Bilanz: 36 der 185 Erkrankten starben, wochenlang legte das Virus das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des aufstrebenden Tigerstaates lahm. Universitäten und Schulen blieben geschlossen, und Urlauber mieden das Land, so dass sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf 0,3 Prozent gegenüber 0,8 Prozent im ersten Quartal verlangsamte.

Wie gegen viele der derzeit auf der Welt grassierenden neuen Seuchen gab es bisher kein wirksames Medikament gegen die Krankheit, die wie eine simple Grippe beginnt, aber gerade bei älteren oder gesundheitlich geschwächten Menschen schnell zu einer tödlichen Lungenentzündung mit Nervenversagen führt.

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Die wichtigsten Fakten zum Mers-Virus

  • Der Erreger

    Der Erreger von Mers (Middle East Respiratory Syndrome) gehört zu den Coronaviren, zu denen auch der Sars-Erreger und viele Erkältungsviren zählen. Identifiziert wurde Mers-CoV erstmals 2012. Wahrscheinlich gab es schon zuvor auf das Virus zurückgehende Erkrankungen, die jedoch nicht genauer untersucht worden waren.

  • Die Übertragung

    Kamele gelten inzwischen als Hauptüberträger der Viren auf den Menschen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach derzeitigem Wissensstand selten. Es hat aber bereits größere, auf eine Primärinfektion zurückgehende Ausbrüche in Kliniken gegeben.

  • Was Experten empfehlen

    Im arabischen Raum und Regionen Afrikas tragen viele Kamele Antikörper gegen das Mers-Virus - waren also irgendwann einmal mit ihm infiziert. Experten empfehlen, Kontakt zu den Tieren zu vermeiden und Kamelmilch nur pasteurisiert sowie Kamelfleisch nur durchgegart zu konsumieren.

  • Die Symptome

    Das Virus kann beim Menschen eine schwere Infektion der Atemwege, Lungenentzündung und Nierenversagen verursachen. Die Erkrankung kann schwer und auch tödlich verlaufen - in wie viel Prozent der Fälle, ist allerdings unklar, da noch nicht bekannt ist, wie viele infizierte Menschen überhaupt Symptome entwickeln. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen auf.

Das könnte sich möglicherweise bald ändern, denn ein internationales Forscherteam rund um das Biotech-Unternehmen Humabs Biomed aus dem Schweizerischen Bellinzona hat ein wirksames Mittel gegen die lebensgefährliche Atemwegsinfektion gefunden – es vermehrte die Abwehrstoffe eines Überlebenden. Im Tierversuch waren diese sogenannten Antikörper höchst wirksam gegen alle drei derzeit problematischen MERS-Stämme, was die Wissenschaftler in einer gerade veröffentlichten Studie zeigen konnten. Sie konnten sowohl infizierte Mäuse heilen als auch gesunde Mäuse davor schützen, nach einer Ansteckung mit MERS ernsthaft zu erkranken.

Tödliche Seuche MERS Vom Kamelschnupfen zum Menschen-Killer

Fakten zu MERS, dem Atemwegskeim, der sich vom Nahen Osten über die ganze Welt ausbreitet und aktuell in Südkorea schon zehn Todesopfer gefordert hat.

Mers Virus Kamel Quelle: dpa

Die aktuelle Arbeit im hoch angesehenen Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ dürfe aber auch über MERS hinaus einiges Aufsehen erregen, schätzt Humabs Biomed-Chef Alcide Barberis, denn „die Technik lässt sich auf fast alle neuen Seuchen übertragen, die derzeit die Welt in Angst und Schrecken versetzen.“

Tatsächlich arbeitet seine Firma – alleine oder in Kooperation mit Pharmagrößen wie Novartis und Medimmune – bereits an entsprechenden Wirkstoffen etwa gegen SARS, Ebola, das Dengue-Fieber, Tollwut, Grippe oder gegen Antibiotika resistente Bakterien. Denn das Prinzip ist immer gleich. Möglichweise haben die Forscher eine Art Universal-Waffe gefunden.

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