Krebsforscherin Cornelia Ulrich: Mit Kopfschmerzmittel gegen Tumore

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Krebsforscherin Cornelia Ulrich: Mit Kopfschmerzmittel gegen Tumore

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Mit Aspirin soll es möglich werden Krebserkrankungen vorzubeugen

von Susanne Kutter

Einer neuen Studie zufolge schützt Aspirin vor Krebs. Wie das funktioniert, weiß Cornelia Ulrich vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Professor Ulrich, eine neue Studie belegt, dass Aspirin Krebs vorbeugen kann. Wie funktioniert das?

Chronische Entzündungen im Gewebe können die Krebsentstehung fördern, das ist eindeutig belegt. Etwa für Darmkrebs, Leberkrebs und Speiseröhrenkrebs, aber vermutlich auch andere Tumore. Aspirin greift primär in die Prostaglandinsynthese ein, und kann dadurch entzündliche Prozesse hemmen. Gleichzeitig ist die Dosierung, bei der diese Effekte gefunden wurden, allerdings geringer als die allgemein zur Entzündungshemmung notwendige. Man vermutet daher, dass es noch andere Mechanismen gibt, zum Beispiel durch Einfluss auf die Blutplättchen.

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Zur Person

  • Professor Cornelia Ulrich

    Professor Cornelia Ulrich leitet seit 2009 die Abteilung Präventive Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen. Sie befasst sich mit dem Einfluss genetischer Faktoren auf die Krebsentstehung. Ihr Spezialgebiet ist dabei das Zusammenspiel der Gene mit Ernährung und Medikamenten

Wo setzt Aspirin an, um Tumore gar nicht entstehen zu lassen? Was genau verursacht die krebshemmende Wirkung?

Konkret hemmt Aspirin das Cyclooxygenase-Enzym, das in der Prostaglandinsynthese zentral ist.

Auch Obst und Gemüse sollen Krebs verhindern. Ist Aspirin vergleichbar in seiner tumorhemmenden Wirkung oder effektiver?

Professor Cornelia Ulrich Quelle: Presse

Professor Cornelia Ulrich

Bild: Presse

Das kann man so direkt nicht vergleichen. Vermutlich ist die Wirkung von Obst und Gemüse mindestens in der gleichen Größenordnung – die Zufuhr lässt sich nur viel schwerer messen und auch in klinischen randomisierten Studien nur unter sehr hohem Kostenaufwand testen – deshalb können wir hier den Effekt nicht so gut definieren. Obst und Gemüse sind vor allem für Magenkrebs, Lungenkrebs, aber auch Darmkrebs auf der Präventionsliste. ASS scheint bevorzugt auf Tumore des Magen-Darmtrakts zu wirken. Interessanterweise enthalten manche Gemüsearten auch entzündungshemmende Stoffe, die ASS ähnlich sind – es gibt hier also gemeinsame Wirkmechanismen.

Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Kann Aspirin bei Dauereinnahme nicht auch schädliche Effekte wie Magenblutungen verursachen?

Die Effekte von ASS auf die Krebsprävention sind inzwischen sehr überzeugend – und dennoch hat dies seinen Preis. Auch wenn die Dosierung, die krebspräventiv wirkt, recht gering ist (etwa 80-100mg/Tag), können Blutungen auftreten. Diese können vor allem bei Menschen über 70 Jahren öfter schwerwiegend sein. Allerdings sind die meisten Blutungen behandelbar und treten innerhalb der ersten 2 Jahre von einer regelmässigen Einnahme von ASS auf – man kann also danach relativ sicher sein, dass nichts mehr passiert.   

Wäre eine solche Prävention mit Aspirin für alle Menschen, Altersgruppen und Tumorarten gleich sinnvoll?

Diese Art der Prävention ist mit Sicherheit nicht für alle Menschen angebracht und ein Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin sollte vor Einnahme auf jeden Fall stattfinden. Der Nutzen einer Einnahme in Relation zu den Kosten (also z.B. Nebenwirkungen) ist am höchsten bei Personen zwischen 50 und 69 Jahren.  Hier scheint sich die Krebsentstehung eindeutig verzögern zu lassen, mit relativ selten auftretenden und gut behandelbaren Blutungen. Aspirin kann am ehesten Tumore verhindern, die im Magen-Darmtrakt entstehen. Aber auch für andere Tumorarten gibt es keine Risiken, sondern eher Nutzen oder keine Effekte.

Alle Menschen sind unterschiedlich – und genetische Faktoren können bestimmen, wie gut man ASS verträgt und wie wirksam es ist. Am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)  in Heidelberg arbeiten wir an Untersuchungen für einen Bluttest, mit dem sich vorhersagen lässt, ob jemand Nutzen oder eher Schaden von einer Aspirineinnahme hat.

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