Künstlicher Geschmack: Was wir wirklich essen und trinken

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Künstlicher Geschmack: Was wir wirklich essen und trinken

von Meike Lorenzen

Verbraucherschützer sind empört, wie Lebensmittelhersteller mit Bildern von Obst und Gemüse auf Verpackungen werben. Denn auf der Zutatenliste ist keine Spur von frischer Ware zu finden. Was im Essen drin steckt.

Knallrote Erdbeeren leuchten auf dem Joghurt-Becher, von den Orangen auf der Saftpackung perlt der Tau und Waldpilze prangen auf der Suppentüte. Viele Lebensmittel aus dem Supermarkt suggerieren mit ihren knalligen Bildern und wohlklingenden Titeln Zutaten, die am Ende nur in geringen Teilen oder auch gar nicht in den Produkten enthalten sind.

„Papaya-Schoko-Knusperriegel klingt einfach besser als Puffreisriegel mit Schokoladenüberzug und Aroma“, sagt Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Sie ist dort seit Jahren als Lebensmittelexpertin tätig und betreibt unter anderem Öffentlichkeitsarbeit für das Portal lebensmittel-klarheit.de, das Verbraucher zum Beispiel über Aromen und Zusatzstoffe in Lebensmitteln informiert. „Was wirklich in den Produkten drin ist, hat mit dem, was auf der Packung zu sehen ist, manchmal gar nichts mehr zu tun“, sagt Schauff.

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Beispiel Tiefkühlpizza: Schaut man sich die Zutatenliste der „Tradizionale Hawaii“ von Dr. Oetker an, wird schnell klar, dass viel mehr als Teig, Käse, Ananas und Schinken in der Packung steckt. Etliche künstlich hergestellte Aromen und Zusatzstoffe wurden verarbeitet: Laktose (Milchzucker, der einen süßlichen Geschmack auslöst), Maisstärke, Dextrose (Traubenzucker), modifizierte Stärke, Emulgatoren (unterstützt die Mischung von eigentlich nicht mischbaren Flüssigkeiten, wie Wasser und Öl) Karamell und Säureregulatoren. Hinzu kommen Aromen, die den herzhaften Geschmack der Pizza unterstreichen sollen.

All diese Stoffe sind nicht direkt gesundheitsschädlich. Zusatzstoffe und Aromen werden durch die Verbraucherministerien überprüft. Gleichzeitig gibt die EU Richtlinien vor, was in unserer Nahrung enthalten sein darf und was nicht. Dennoch warnen Verbraucherschützer und auch die Weltgesundheitsorganisation vor dem starken Einsatz von künstlichen Zusatzstoffen, wie zum Beispiel Aromen. „Aromen verfälschen unser Geschmacksempfinden“, sagt Andrea Schauff. Lässt man ein Kind heutzutage einen frischen, natürlichen Erdbeerjoghurt ohne Aromen oder Zusätze probieren, würde es vermutlich das Gesicht verziehen.

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Quelle: imago / newscast

„Gleichzeitig verleihen die künstlichen Stoffe den Produkten nicht nur einen intensiveren Geschmack, sondern können auch dazu animieren, mehr zu essen“, sagt Schauff. Gerade weil die Bürger in den Industrienationen immer übergewichtiger und Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer häufiger werden, sei das bedenklich. Ebenfalls bedenklich stimmt vor allem die Wissenschaft, dass viele Wechselwirkungen der Aromastoffe mit Arzneimitteln oder anderen Zusätzen noch gar nicht erforscht sind.

Am Beispiel der „Traditzionale“ übt die Verbraucherzentrale zu dem Kritik an der Verpackung. Schon der Name suggeriere eine traditionelle Herstellung mit klassischen Zutaten. Doch weil die Pizza eben nicht frisch aus dem Steinbackofen kommt, sondern durch Wärmebehandlung und Tiefkühlung an Geschmack verliert, müssen die Lebensmitteltechniker mit künstlichen Zusatzstoffen nachhelfen. Mit „Tradition“ habe das nicht viel zu tun. Dem Verbraucher würde durch die Assoziation jedoch ein hochwertigeres Produkt vorgegaukelt. Die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG wehrt die Kritik ab: „Die enthaltenen Zusatzstoffe sind für jeden Verbraucher im Zutatenverzeichnis nachzulesen. Eine Täuschung des Verbrauchers liegt nicht vor.“

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