Lebensmittelallergie: Allergien nehmen seit Jahren zu

Lebensmittelallergie: Allergien nehmen seit Jahren zu

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Verschiedene Gemüsesorten.

Hinter Durchfällen, Übelkeit, Jucken und Atemnot können Lebensmittelallergien stecken. Doch die Ursachensuche gestaltet sich meist schwierig.

Es war zum Verzweifeln: Nur wenn die Frau im Restaurant essen ging, bekam sie dicke, juckende Stellen am ganzen Körper. Allergietests brachten nichts. „Und dann ging es irgendwann auch zu Hause los, dass sie gequaddelt hat“, erzählt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach. „Da war Detektivarbeit angesagt.“

Mit viel Nachforschen fand die Ernährungsfachkraft des Rätsels Lösung: Die Frau pflegte ihre Schwiegermutter und hatte deshalb weniger Zeit. Es kamen viele Fertigprodukte und Tütensuppen auf den Tisch. Eine gezielte Provokation in einer Fachklinik brachte den Beweis: pseudoallergische Reaktion auf Zusatzstoffe, Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker. Und so erklärten sich auch die rätselhaften, juckenden Nesselausschläge nach dem Essen in Gaststätten. Solche Leidensgeschichten kommen oft vor, sagt Lämmel.

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Wissenswertes über Allergien

  • Allergene

    Dies sind die Stoffe, die eine allergische Reaktion auslösen. Eine Allergie auf Zucker oder Fett gibt es nicht. Allergene können Eiweiße oder Eiweiß-Verbindungen sein, die zum Beispiel in unserer Nahrung vorkommen. Meist handelt es sich um relativ kleine, gut lösliche Eiweiße, die leicht in unsere Schleimhäute im Mund, den Atemwegen oder dem Darm eindringen können.

  • Sensibilisierung

    Eine Allergie entsteht, wenn unser Immunsystem sich plötzlich gegen harmlose Stoffe wie Blütenpollen oder Eiweiße in Lebensmitteln wendet. Dieser falsche Alarm im Körper führt zur Bildung einer bestimmten Gruppe von Antikörpern, den sogenannten IgE. Den Vorgang der Aktivierung des Abwehrsystems durch die Bildung dieser Antikörper bezeichnet man als Sensibilisierung.

  • Zweiter Kontakt

    Kommt der Körper erneut mit dem fraglichen Stoff in Berührung, etwa durch den Verzehr eines Lebensmittels, reagieren die Antikörper mit den Allergenen der Nahrung. Dies nennt man Antigen-Antikörper-Reaktion. Sie führt zu einer Freisetzung des Botenstoffs Histamin im Körper. Histamin stellt die Gefäße weit und erhöht deren Durchlässigkeit. In der Folge strömt Wasser aus den Adern in das umliegende Gewebe. Es schwillt an, rötet sich, auch Juckreiz wird ausgelöst - die klassischen Symptome einer Allergie.

  • Anaphylaktischer Schock

    Die allergische Reaktion kann so heftig werden, dass es zu einem allergischen Schock mit Herz-Kreislauf-Störungen kommt. Auch die Atemwege können zuschwellen. Im schlimmsten Fall endet dies tödlich. Die häufigsten Auslöser für solch einen allergischen Schock sind Nüsse und Erdnüsse, Sesam, Schalentiere oder auch Sellerie.

Allergien nehmen seit vielen Jahren zu. Nach Schätzung von Ärzten und DAAB haben etwa sechs Prozent aller Kinder und drei Prozent der Erwachsenen eine Nahrungsmittelallergie. Einen einzigen Grund für die Zunahme gebe es nicht, sagt Stephan Meller, Allergologe und Oberarzt in der Düsseldorfer Universitätsklinik. Faktoren seien unsere Umwelt, Ernährungs- und auch Vermeidungsgewohnheiten.

Seit 2008 erinnert der DAAB mit dem Lebensmittelallergietag (21.6.) an diese Krankheit, an der Hunderttausende leiden und für die es kein Heilmittel gibt. „Das einzig Wirksame ist, dass der Patient weiß, wogegen er allergisch reagiert und dieses Lebensmittel konsequent meidet“, sagt Sonja Lämmel. Allerdings: Dafür muss der allergieauslösende Stoff auf den Verpackungen der Lebensmittel und bei loser Ware im Restaurant oder in der Bäckerei klar erkennbar sein. Und das ist nicht immer der Fall.

Seit Mitte Dezember 2014 ist die Deklaration klarer geregelt: Seitdem stehen auf dem Etikett von Lebensmitteln die Hauptauslöser für Allergien und Unverträglichkeiten fett oder unterstrichen, wenn sie enthalten sind. Dazu gehören glutenhaltige Getreide, Milch, Eier, Fische, Nüsse, Soja, Sellerie oder Sulfite. Aber bei der losen Ware hakt es noch etwas: Die Wurst vom Metzger, die Körner-Brötchen vom Bäcker müssen zwar auch seit Ende 2014 gekennzeichnet werden, aber nicht jeder Betrieb setzt diese neue Regelung schon um. Die Kunden müssen häufig extra danach fragen. „Das ist eine Katastrophe für Allergiker“, sagt Andrea Wallrafen, die Geschäftsführerin des DAAB.

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