Malaria-Epidemie: Ebola lässt Malaria in Vergessenheit geraten

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Malaria-Epidemie: Ebola lässt Malaria in Vergessenheit geraten

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Malaria tötet Tausende in Westafrika - im Schatten von Ebola.

Weltweit hat sich 2014 im Gesundheitsbereich alles auf Ebola konzentriert. Derweil sind in Westafrika Tausende mehr Menschen an Malaria gestorben. Ein Grund dafür ist - die Angst vor Ebola.

Die Bemühungen um ein Eindämmen der Ebola-Seuche in Westafrika hat den Kampf gegen eine andere Krankheit behindert, die verhütet und behandelt werden kann - und viele Tausende Menschenleben mehr fordert als das gefürchtete Virus. In Guéckédou in Guinea, nahe dem Dorf, wo die Ebola-Epidemie vor einem Jahr begann, mussten Ärzte nach eigenen Angaben damit aufhören, Patienten Blut für Malaria-Tests zu entnehmen.

Dass die Zahl registrierter Malariafälle in Guinea in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent gesunken ist, sei keine guten Nachricht, findet Bernard Nahlen, der stellvertretende Leiter der Malaria Initiative, eines seit 2005 laufenden Programms des US-Präsidenten. Der Rückgang habe wahrscheinlich damit zu tun, dass Menschen zu große Angst hätten, Kliniken aufzusuchen und viele an Malaria Erkrankte nicht behandelt würden.

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Malaria trifft zahlreiche Kinder

„Ich wäre überrascht, wenn wir es inmitten der Ebola-Epidemie nicht mehr unnötigen Malaria-Todesfällen zu tun hätten,“ sagte Nahlen in einem Telefoninterview. „Und viele dieser Fälle werden kleine Kinder betreffen.“

In Guinea hat nur die Hälfte der 12 Millionen Menschen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, und viele sterben, ohne irgendwo erfasst zu sein. Die Zahl von Krankheits- und Todesfällen lässt sich daher stets nur schätzen. Der US-Organisation Nets for Life zufolge sind 2014 etwa 15.000 Einwohner Guineas an Malaria gestorben, 14.000 von ihnen Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren. Im Vergleich dazu hat Ebola laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1600 Einwohner in dem Land das Leben gekostet.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Nets for Life versucht, möglichst viele Menschen mit Netzen für ihre Betten zu versorgen. Malaria wird durch Stiche von infizierten Moskitos übertragen. Die Krankheit ist der Organisation zufolge die führende Todesursache bei Kleinkindern in Guinea und die zweithäufigste - nach Aids - bei Erwachsenen.

Patienten werden abgewiesen

Ebola und Malaria haben viele ähnliche Symptome, so Fieber, Schwindel, Kopf- und Muskelschmerzen. Mit Ebola kann man sich lediglich durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person anstecken - daher die Abneigung vieler Ärzte, Blutproben für Malariatests zu entnehmen.

An Malaria erkrankte Menschen befürchteten, in Ebola-Behandlungszentren in Quarantäne geschickt zu werden, schildern Mediziner. Kliniken, die nicht für die Behandlung von Ebola ausgerüstet seien, wiesen Patienten mit ebolaähnlichen Symptomen ab.

WHO-Statistiken aus Guéckédou spiegeln das Problem drastisch wider. Bei 24 Prozent der Patienten, die hier im Oktober mit Fiebersymptomen medizinische Hilfe suchten und positiv auf Ebola getestet wurden, wurde auch Malaria festgestellt. 33 Prozent, die nicht an Ebola erkrankt waren, hatten aber Malaria. Dieser Krankheit erlag auch einer von 38 kubanischen Ärzten, die zum Kampf gegen Ebola nach Guinea geschickt worden waren. Ein privates Krankenhaus verfügte über ein Nierendialysegerät, das ihm hätte helfen können, aber die Klinik war nach dem Tod mehrerer Menschen durch Ebola geschlossen worden.

Die U.S. President's Malaria Initiative ist in Guinea bereits vor Monaten zum Stillstand gekommen, und die WHO hat Ärzten und Pflegepersonal im November empfohlen, nur in Schutzkleidung Blutproben für Malaria-Tests zu entnehmen. Nahlen zufolge arbeitet sein Team an einer nationalen Umfrage, um herauszufinden, „wohin Menschen mit Malaria gehen“.

Die Entwicklung ist besonders enttäuschend, nachdem die Initiative gerade eine Kampagne für Moskitonetze gegen Malaria abgeschlossen hatte, als die Ebola-Epidemie begann. Das benachbarte Liberia setzte dagegen die geplante Verteilung von zwei Millionen Netzen aus, wie Nahlen schildert.

In Sierra Leone, dem dritten schwer von Ebola betroffenen Land, hat die Gruppe Ärzte ohne Grenzen im Dezember eine bisher einmalige Aktion gestartet: Sie gibt 1,5 Millionen Medikamente aus, die sowohl zur Verhütung als auch zur Behandlung von Malaria eingesetzt werden können.

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„Die meisten Leute kommen in Ebola-Behandlungszentren, weil sie glauben, dass sie Ebola haben. Dabei haben sie Malaria“, sagt Patrick Robataille von der Ärzteorganisation. „Es ist eine riesige Belastung des Systems und zugleich eine riesige Stresssituation für Patienten und deren Familien.“ Nach seinen Worten ist in der Stadt Freetown und westlichen Gebieten, die am stärksten von Ebola betroffen sind, eine zweite Runde der Medikamentenverteilung geplant. Der Arzt spricht von einer „massiven“ Aktion - „im angemessenen Verhältnis zum Ausmaß der Ebola-Epidemie“.

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