Der Arbeitstag von Cornelis Leendert van der Pols beginnt an diesem Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe. Um kurz nach vier kriecht der Raumschiff-Steueringenieur aus dem Bett, setzt sich seine übergroße Bill-Gates-Brille auf die Nase, streift ein graues Jackett über und macht sich auf zum Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur Esa, gleich hinter dem Darmstädter Hauptbahnhof.
Van der Pols ist dafür verantwortlich, dass der Esa-Satellit Mars Express jederzeit genug Strom hat. Und heute wird das besonders wichtig sein. Denn die Sonde der Europäer soll mit ihren Antennen die Landung des Mars Science Laboratory überwachen - der bisher ambitioniertesten Marsmission der US-Raumfahrtbehörde Nasa: 2,5 Milliarden Dollar teuer, 900 Kilogramm schwer.
Bild: APMärz 2013
Nach einer Zwangspause für den Marsrover Curiosity wegen eines Softwarefehlers, rollt er nun wieder. Außerdem kann er auch seine Experimente auf dem Mars fortsetzen. Auf diesem Bild hat er sich selbst fotografiert.
Bild: dpaDer Mars-Rover Curiosity musste wieder eine Zwangspause einlegen. Wegen eines Softwarefehlers konnte der sechsrädrige Weltraumroboter der Nasa zwischenzeitlich keine wissenschaftlichen Daten sammeln. Bereits am Wochenende war das Fahrzeug nach einem Software-Fehler in den Sicherheitsmodus zurückgefahren. Zunächst sollte Curiosity seine Aktivitäten bereits am Montag wieder aufnehmen, nun ist eine Pause bis zum Wochenende nicht ausgeschlossen. Zwar konnte Curiosity inzwischen wieder in den sogenannten "Safe Mode" hochgefahren werden. Doch noch sind einige Tests nötig, ehe die Arbeit fortgesetzt werden kann. Die Nasa-Techniker müssen sich mit ihrer Fernwartung beeilen. Anfang April wird der Mars von der Erde aus gesehen hinter der Sonne vorbeiziehen. Für den Zeitraum von etwa vier Wochen wird dann die Kommunikation mit Curiosity ausfallen. Bis dahin soll der Rover weitere Forschungsdaten gesammelt haben.
Bild: REUTERSMärz 2013
Beeindruckende Bergaufnahme mit einer XXL-Kamera: Aus zahlreiche Teleaufnahmen vom Berg Mount Sharp, die der Marsrover "Curiosity" am 45. Tag seiner Mission im vergangenen September schoss, hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa ein hochauflösendes Mosaikfoto gefertigt.
Der Mount Sharp ragt mehr als 5000 Meter über den umliegenden Kraterboden. Der Marsrover hat für das Bild seine Mastcam eingesetzt, die über eine Festbrennweite von 100 Millimetern verfügt.
Das zusammengesetzte Mosaikfoto zeigt das abgerundete Massiv vor einem auffallend blauen Himmel. Dabei wurde mit einem Weißabgleich nachgeholfen, um erdähnliche Lichtverhältnisse zu schaffen. Das menschliche Auge würde normalerweise einen bräunlichen Marshimmel sehen. Der Forschungsroboter, der im August 2012 auf dem Mars gelandet ist, soll im Rahmen seiner Mission auch Mount Sharp erkunden.
Bild: AP/dpaMärz 2013
"Wir haben eine einst bewohnbare Umgebung gefunden“, sagte Nasa-Manager John Grotzinger: Eine Gesteins-Analyse von "Curiosity" lässt nach Angaben der Nasa den Schluss zu, dass auf dem Mars einst mikrobielles Leben möglich war. "Wir sind alle begeistert und sehr aufgeregt", sagte Grotzinger. In einer Anfang Februar vom Rover auf dem Mars entnommenen Gesteinsprobe seien unter anderem Spuren von Schwefel, Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff gefunden worden - alles chemische Stoffe, die bei der Entstehung von Leben eine wichtige Rolle spielen.
"Eine fundamentale Frage dieser Mission war immer, ob auf dem Mars jemals Leben möglich war“, sagte Nasa-Manager Michael Meyer. "Und soviel wir jetzt wissen, heißt die Antwort "Ja".“ An der Stelle, wo der Rover gebohrt hat, könnten einst Flüsse oder ein See gewesen sein. "Das Wasser an dieser Stelle war anscheinend so rein, dass wir es hätten trinken können, wenn wir dort gewesen wären“, sagte Grotzinger.
Bild: AP/dpaMärz 2013
Der Weltraum-Roboter stand kurzfristig wieder still. Erst vor ein paar Tagen war Curiosity wegen eines Computerfehlers heruntergefahren worden, dann machte ein Sonnenstürm den Nasa-Forschern Kummer. Aus Sorge, der Rover könne durch die elektromagnetische Strahlung einer Gaseruption Schaden nehmen, wurde er wieder in den Ruhezustand versetzt. Die geplanten Aktivitäten wurden vorerst verschoben. Inzwischen ist klar, dass Curiosity wieder weiter arbeiten. Via Twitter gaben die Forscher bekannt, dass man zur Operation zurückgekehrt sei.
Bild: AP/dpaFebruar 2013
Der Rover „Curiosity“ hat auf dem Mars erstmals erfolgreich eine Gesteinsprobe entnommen. Dabei handelt es sich nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa um die erste Probe von Mars-Gestein überhaupt. „Es ist auch das erste Mal, dass ein Forschungsroboter irgendwo anders als auf der Erde in einen Stein gebohrt und eine Probe entnommen hat“, sagte Nasa-Wissenschaftlerin Louise Jandura. Das Ereignis sein für die Forscher ein historischer Moment. Der Forschungsroboter soll den Gesteinsstaub nun sieben und an einige der vielen Messinstrumente, die er an Bord hat, weiterleiten. Erst danach könne man wissen, woraus der Stein genau bestehe, sagte Nasa-Wissenschaftler Joel Hurowitz. Der Stein könne wie eine Art „Zeit-Kapsel“ funktionieren. „Möglicherweise ist das sehr altes Gestein, das Belege über die Umstände enthält, unter denen es entstanden ist“, sagte Hurowitz.
Update 4. März: Nach einem Ausfall des Bordcomputers musste der Marsrover seinen Ersatzcomputer aktivieren. Für einige Tage war der Rover im Ruhezustand. Ein Speicherproblem hatte Curiosity erstmalig lahmgelegt.
Bild: dpaFebruar 2013
Es sind die kleinen Dinge, die der US-Raumfahrtbehörde Nasa Freude bereiten. Klein, aber bedeutungsvoll: Der Marsrover „Curiosity“ hat erstmals seinen Bohrer benutzt. Der Forschungsroboter habe das am Ende seines Roboterarms befestigte Instrument in einen Stein gebohrt und eine Probe daraus entnommen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Samstagabend mit. Den beim Bohren entstandenen Staub soll der Rover nun in den kommenden Tagen untersuchen. Die Nasa-Wissenschaftler hoffen, dass er Hinweise auf frühere Wasservorkommen geben kann.
Da die Vorgänger von „Curiosity“ keinen Bohrer mit an Bord hatten, handele es sich um den ersten Vorgang dieser Art auf dem Mars. Damit testete der Forschungsroboter auch das letzte wissenschaftliche Instrument in seinem Arsenal erfolgreich. "Das ist die größte Errungenschaft für unser Team seit der Landung", sagte Nasa-Manager John Grunsfeld. "Ein weiterer stolzer Tag für Amerika."
Das in den Stein gebohrte Loch ist 1,6 Zentimeter breit und 6,4 Zentimeter tief. Für die Entwicklung des Mars-Bohrers hatten Forscher zuvor mit acht verschiedenen Instrumenten mehr als 1200 Löcher in 20 verschiedene Gesteinsarten auf der Erde gebohrt.
Bild: REUTERSJanuar 2013
Der Marsrover Curiosity hat eine Nachtschicht eingelegt und das Gestein des roten Planeten im Dunkeln fotografiert. Erhellt wird es mit ultraviolettem LED-Licht. Zum Einsatz gekommen ist bei der Aktion auch der "Mars Hend Lens Imager" - eine Mikroskopkamera, die am Instrumentenarm des Rovers befestigt ist. Als Beobachtungsziel für diese ersten während der Nachtstunden angefertigten Detailaufnahmen der Marsoberfläche wählten die Wissenschaftler einen kleinen Felsbrocken namens "Sayunei" aus. Zuvor wurde mit Hilfe des linken Vorderrads des Rovers die Oberfläche dieses Felsens durch Drehbewegungen grob von einer Staubschicht gereinigt. So wurde der Blick auf einen Bereich der Gesteinsoberfläche frei.
Die Aufnahmen der Marsoberfläche wurden in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 2013 auf dem Mars angefertigt und im Laufe des 23. Januar an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena übermittelt.
Bild: ReutersJanuar 2013
Nun hat Disney mit seinem treu dreinblickenden Wall-E nicht mehr den einzigen Putzroboter: Die NASA hat jedenfalls ganz stolz bekanntgegeben, dass der Marsrover Curiosity nun erstmals zu Drahtbürste und Schäufelchen gegriffen hat, um den Wüstenplaneten zu säubern:
Mit einer eingebauten Drahtbürste habe der Roboter erstmals einen Stein auf dem Roten Planeten abgestaubt. Das sei notwendig, um anschließend mit Hilfe der anderen Messinstrumente mehr Informationen über die Zusammensetzung des Steins bekommen zu können, teilte die US-Raumfahrtbehörde mit. Mit der am Roboterarm befestigten Drahtborsten-Bürste habe der Rover einen flachen Stein namens „Ekwir_1“ im Gale-Krater von Staub befreit. „Das Ergebnis sieht sehr gut aus“, sagte Nasa-Wissenschaftlerin Diana Trujillo. Möglicherweise könne „Curiosity“ (Neugier) in dem Gebiet demnächst auch erstmals seinen Bohrer einsetzen.
Bild: PRDezember 2012
In Bodenproben vom Mars hat der Rover „Curiosity“ organische Moleküle entdeckt. Es sei allerdings noch völlig unklar, ob diese Teilchen vom Mars selbst stammten oder ob sie beispielsweise vom Forschungsroboter mit auf den Roten Planeten gebracht worden seien, sagte John Grotzinger, Manager bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa, am Montag, den 3. Dezember in San Francisco. Mit zahlreichen Tests solle nun versucht werden, das herauszufinden. „Das kann allerdings noch eine ganze Weile dauern.“
Bei der Analyse mit „Sam“ wurden neben Sauerstoff und Chlorgas unter anderem simple Kohlenstoff-Verbindungen entdeckt. „Das ist ein beispielloser Einblick in die chemische Vielfalt der Gegend“, sagte Nasa-Wissenschaftler Michael Meyer.
Kohlenstoff-Verbindungen sind die molekulare Grundlage allen irdischen Lebens. Würde sich also herausstellen, dass die Moleküle wirklich vom Mars stammen, könnte das heißen, dass es einmal Leben auf dem Mars gegeben hat oder dass Leben auf dem Mars möglich wäre - eine bedeutende wissenschaftliche Entdeckung.
Die Nasa warnte allerdings eindringlich vor vorschnellen Schlüssen und übertriebenen Erwartungen. „"Curiositys" zweiter Name ist "Geduld"“, sagte Nasa-Manager Grotzinger. „Davon brauchen wir jetzt eine ganz schön hohe Dosis.“
März 2013
Nach einer Zwangspause für den Marsrover Curiosity wegen eines Softwarefehlers, rollt er nun wieder. Außerdem kann er auch seine Experimente auf dem Mars fortsetzen. Auf diesem Bild hat er sich selbst fotografiert.
An diesem Sommermorgen entscheidet sich, ob der Rover Curiosity in den nächsten Jahren auf die Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars gehen wird - oder bei der Landung zu einem Klumpen Elektroschrott verdampft. Binnen Sekunden wären mehr als zehn Jahre Arbeit von dutzenden Ingenieuren vernichtet. Satelliten-Pilot van der Pols, der mit seinen US-Kollegen mitfiebert, sähe das Unglück kurze Zeit später in nüchternen Zahlenkolonnen und Kurvendiagrammen auf seinem Bildschirm.
Während sich dutzende Journalisten an seinem Schreibtisch vorbeischieben, Kameras klicken und Filmlampen aufleuchten, schießt 288 Millionen Kilometer entfernt die Nasa-Raumsonde mit 20000 Stundenkilometern auf die Marsatmosphäre zu. Was nun folgt, ist eines der härtesten Landemanöver der Menschheit - Nasa-Experten nennen es die „sieben Minuten des Terrors“.
Die Geschichte der Mars-Missionen
Sojourner
Dezember 1996 - Das US-Raumschiff „Pathfinder“ startet mit dem Marsrover „Sojourner“ zu unserem Nachbarplaneten. Nach mehreren Fehlversuchen landet mit „Sojourner“ erstmals 1997 ein ferngesteuertes Fahrzeug erfolgreich auf unserem Nachbarplaneten und sendet Daten zur Erde.
Spirit
Juni 2003 - Der Mars-Landeroboter „Spirit“ der Nasa hebt vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab. Im Juli wird nach mehrfachen Startverschiebungen auch sein Zwilling „Opportunity“ losgeschickt.
Opportunity
Januar 2004 - Nach einer mehr als 480 Millionen Kilometer langen Reise setzt „Spirit“ sicher auf dem Mars auf. Das kleine Roboterfahrzeug soll nach Spuren von Leben suchen. Am 1. April findet „Spirit“ Hinweise auf früher existierendes Wasser. Drei Wochen nach „Spirit“ landet auch „Opportunity“ auf der anderen Seite des Planeten.
Abschied von Spirit
Mai 2009 - „Spirit“ bleibt im Marssand stecken. Alle Versuche der Nasa, ihn zu befreien, scheitern. Im Mai 2011 rund siebeneinhalb Jahre nach seiner Landung auf dem Mars nimmt die Nasa Abschied von „Spirit“. Wie die Behörde mitteilt, wird sie ihre Versuche einstellen, Kontakt zu dem Roboterfahrzeug aufzunehmen. Die letzte Kommunikation gab es 14 Monate zuvor.
Curiosity startet
November 2011 - Der neue Rover „Curiosity“ wird auf die Reise zum Mars geschickt. Er soll sein Ziel am 6. August 2012 erreichen. Der Roboter soll dann nach organischen Materialien suchen und herausfinden, wie lebensfreundlich oder auch -feindlich der Planet einst war und ist.
8 Jahre Opportunity
Januar 2012 - „Opportunity“ ist bereits sensationelle acht Jahre auf dem Mars im Einsatz. Erwartet worden waren nur 90 Tage.
Nasa stoppt weitere Missionen
Februar 2012 - Nasa-Chef Charles Bolden gibt bekannt, dass die US-Weltraumbehörde aus Spargründen aus zwei gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa geplanten Marsmissionen aussteigt. Dazu gehört eine für 2018 geplante Landung eines Rovers auf dem Planeten, der Gesteine und Boden zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln soll.
Curiosity landet
August 2012 - Im Kontrollzentrum in Kalifornien brachen Jubel und Applaus aus, als das unbemannte Erkundungsfahrzeug am 6. August um 7.32 Uhr (MESZ) im Gale-Krater nahe des Mars-Äquators aufsetzte. „Curiosity“ hat die Größe eines kleinen Autos und wiegt fast eine Tonne – viel mehr als „Spirit“ oder „Opportunity“. Daher gestaltete sich auch die Landung äußerst schwierig. Um die Wucht des Aufpralls abzufangen, wurde die Sonde von einer Art schwebendem, Raketen betriebenem Rucksack abgeseilt, die Halteseile bei der Landung gekappt und der Rucksack in einiger Entfernung zum Absturz gebracht.
Elf Kilometer über der Oberfläche des Planeten öffnet die Sonde einen Fallschirm, der sie auf 300 Stundenkilometer abbremst. Dabei wirken Kräfte auf die Raumsonde, die kein Mensch überleben würde. In eineinhalb Kilometern Höhe lösen Sprengkapseln den Fallschirm und ein so genannter Skycrane, eine Raketendüsenplattform, bremst den Anflug weiter ab, während darunter der Marsrover an einem Seil abgelassen wird. Wenige Sekunden später setzt das Fahrzeug auf dem Sandboden auf und kappt die Verbindung zu seinem fliegenden Kran. So lautet der Plan.
- Seite 1: „Sind wir allein im Universum?“
- Seite 2: Rollendes Superlabor
- Seite 3: „Der Mars kann eine entscheidende Frage beantworten“















