Marsrover: „Curiosity“ entnimmt erstmals Gesteinsprobe

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Marsrover: „Curiosity“ entnimmt erstmals Gesteinsprobe

Erneut Erfolgsnachrichten von „Curiosity“: Der Rover hat - als erster Forschungsroboter überhaupt - eine Gesteinsprobe auf dem Mars entnommen. Die ist zwar noch nicht ausgewertet, aber Nasa-Wissenschaftler feiern trotzdem schon den „historischen Moment“.

Der Rover „Curiosity“ hat auf dem Mars erstmals erfolgreich eine Gesteinsprobe entnommen. Dabei handelt es sich nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa um die erste Probe von Mars-Gestein überhaupt. „Es ist auch das erste Mal, dass ein Forschungsroboter irgendwo anders als auf der Erde in einen Stein gebohrt und eine Probe entnommen hat“, sagte Nasa-Wissenschaftlerin Louise Jandura am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. „Das ist ein historischer Moment.“

Bereits Anfang des Monats hatte „Curiosity“ (Neugier) mit seinem Bohrer etwa einen Teelöffel voll Gesteinsstaub aus einem Stein herausgeholt. Erst jetzt konnten die Nasa-Wissenschafter aber mit Hilfe eines Fotos überprüfen, dass der Rover die Probe auch wirklich erfolgreich aufgenommen hat. „Das ist ein tolles Ergebnis - die Bohrung war ein voller Erfolg“, sagte Nasa-Wissenschaftler Scott McCloskey. „Viele von uns arbeiten seit Jahren auf diesen Moment hin.“

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Interview John Grotzinger „Curiosity ist langsam - aber unglaublich gut“

Der leitende Wissenschaftler der aktuellen Mars-Mission John Grotzinger ist mit dem Rover mehr als zufrieden. Er bedauert, dass „Curiosity“ im All sterben wird – und verrät erste Details über Zukunftspläne der NASA.

Quelle: dpa

Der Forschungsroboter soll den Gesteinsstaub nun sieben und an einige der vielen Messinstrumente, die er an Bord hat, weiterleiten. Erst danach könne man wissen, woraus der Stein genau bestehe, sagte Nasa-Wissenschaftler Joel Hurowitz. „Die Ergebnisse werden wir bald mitteilen.“ Der Stein könne wie eine Art „Zeit-Kapsel“ funktionieren. „Möglicherweise ist das sehr altes Gestein, das Belege über die Umstände enthält, unter denen es entstanden ist“, sagte Hurowitz.

Die Technik des Marsrovers "Curiosity"

  • Deutsche Sensoren im Fahrwerk

    Rund zehnmal so viele technische Geräte wie vorherige Marsmissionen hat der Nasa-Rover „Curiosity“ an Bord. Einiges davon haben deutsche Ingenieure beigesteuert. Die Firma Sensitec aus dem hessischen Lahnau rüstete das Erkundungsgerät mit Sensoren zur Fahrwerkssteuerung aus.

  • Kieler Strahlenmessgerät

    Ein Gerät zur Strahlenmessung - entwickelt unter anderem von Forschern der Universität Kiel und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) - überprüfte bereits die Strahlung beim Flug durch das All und soll auch auf dem Roten Planeten weitermachen. So soll herausgefunden werden, ob es Leben auf dem Mars gegeben hat oder geben kann. Auch für eine mögliche bemannte Mars-Mission sind die Daten wichtig. Auf der Marsoberfläche werden mit dem Kieler Gerät zum ersten Mal Strahlungswerte gemessen. Der rund 1,3 Millionen Euro teure sogenannte Radiation Assessment Detector (Rad) ist nur etwa so groß wie eine Kaffeekanne und wiegt rund 1,5 Kilogramm.

  • Software von Siemens

    Siemens hat die Software mitgeschrieben, mit der die Nasa das Gefährt konstruiert und getestet hat. Es handelt sich um sogenannte PLM-Software (Product Lifecycle Management), die auch beim Bau von Autos, Flugzeugen oder Maschinen eingesetzt wird. Sie ist eine Art elektronisches Reißbrett, mit dem der Marsrover digital entworfen wurde und seine Funktionen schon vor dem Bau simuliert werden konnten. Siemens zählt zu den drei großen Anbietern von PLM-Software - zusammen mit dem Nasa-Hauslieferanten PTC und der französischen Dassault. Weltraumprojekte sind die Königsdisziplin. Hier wird zwar nicht viel verdient, aber sie sind gut fürs Renommee.

  • Atombatterie

    Der Rover wird mit einer Atombatterie betrieben: „Curiositys“ Strom wird von einem Radioisotopen-Generator erzeugt, der die Hitze beim Zerfall von Plutonium 238 nutzt. Dadurch wurden zum Zeitpunkt des Starts etwa 110 Watt produziert. Um die erwarteten Temperaturen von bis zu minus 90 Grad auf dem Mars zu überstehen, werden auch Flüssigkeiten mit Hilfe des Generators erwärmt und durch den Rover gepumpt, um die richtige Betriebstemperatur etwa für die Elektrik des Roboters zu gewährleisten.

  • Kameras und Teleskope

    Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt er zwei Kameras an einem Mast. Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken. Die „ChemCam“ besitzt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen. Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das „APXS“ („Alpha-Particle X-ray Spectrometer“), ein Röntgenspektrometer.

  • Röntgenspektroskop

    Am Ende des Roboterarms ist der „Mars Hand Lens Imager“ („Mahli“) angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen. Diese profitieren auch vom „CheMin“, einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden dort durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.

  • Massenspektrometer

    Hinzu kommt das Gerät „Sample Analysis at Mars“ („Sam“), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.

Der Rover könnte nun deutlich länger auf dem Mars forschen als ursprünglich geplant. „Die Nasa hat das Gefühl, dass die Mission sehr gut läuft“, sagte „Curiosity“-Projektleiter John Grotzinger am Freitag bei der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbands AAAS in Boston. „Sie hat uns mitgeteilt, dass sie bereit ist, die Mission über die ursprünglich geplante Dauer von etwa zwei Jahren hinaus zu finanzieren.“

Um wie viel die bislang von der US-Raumfahrtbehörde immer mit rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 1,9 Milliarden Euro) angegebenen Kosten steigen werden, sei noch nicht klar. Auch wie lange der im August auf dem Mars gelandete Forschungsroboter nun insgesamt forschen könnte, sei noch unklar, sagte Grotzinger. „Wir lassen uns jetzt zunächst einmal bei allem mehr Zeit. Mit so einem komplexen Forschungsroboter wie "Curiosity" muss man kleine Schritte machen, das haben wir gelernt.“

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Die eigentlich für Anfang diesen Jahres geplante Fahrt zum Haupt-Ziel der Mission - einem Berg namens „Mount Sharp“ - hat das „Curiosity“-Team schon verschoben. „Frühestens gegen Ende des Frühlings“ sei damit zu rechnen, sagte Grotzinger. „Wir fühlen im Moment überhaupt keinen Druck, schon wieder loszufahren.“

Derzeit untersucht „Curiosity“ eine Probe aus einem Stein, die der Rover Anfang Februar mit seinem Bohrer entnommen hatte. Mit Ergebnissen rechnet Grotzinger frühestens in einem Monat.

„Curiosity“ - der teuerste und technisch ausgefeilteste Mars-Forschungsroboter aller Zeiten - war im August auf dem Roten Planeten gelandet und soll dort nach Spuren von Leben suchen.

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