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Masernfälle in Deutschland steigen: Die größten Mythen über das Impfen

11. September 2013
Spätestens seitdem sich immer mehr Fälle von Masern-Erkrankungen häufen, diskutiert Deutschland wieder einmal über das Impfen. Quelle: dpaBild vergrößern
Spätestens seitdem sich immer mehr Fälle von Masern-Erkrankungen häufen, diskutiert Deutschland wieder einmal über das Impfen. Quelle: dpa
von Susanne Kutter

In der Debatte über die Masern-Impfung halten sich einige Gerüchte hartnäckig. Hier die wichtigsten Fakten.

Deutschland diskutiert mal wieder über das Impfen. Denn wieder einmal sind die Masern ausgebrochen. Und wieder einmal sind Mediziner wie Politiker geschockt: Wieso taucht diese anderswo längst ausgerottete, gefährliche Krankheit bei uns immer wieder auf?

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Aktuelle Zahlen belegen, dass die Zahl der Masernfälle in Deutschland sprunghaft gestiegen. In diesem Jahr gab es bisher fast zehn Mal so viele gemeldete Fälle wie im gesamten vergangenen Jahr. Bis zum 1. September waren es 1542 Erkrankungen. 2012 gab es insgesamt 165 gemeldete Masernfälle. Besonders viele Menschen erkrankten im Mai und Juni 2013.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte in Berlin die Unterstützung Deutschlands für die Ziele der Weltgesundheitsorganisation, gefährliche Infektionserreger durch vermehrte Impfungen zu bekämpfen. Deutschland unterstütze auch die bis 2015 geplante Ausrottung der Masern. „Die hohe Zahl der Maserninfektionen in Deutschland in diesem Jahr macht jedoch deutlich, dass hier noch Handlungsbedarf besteht“, sagte er. Angesichts der steigendenden Zahlen wurde bereits im Sommer über eine Impfpflicht diskutiert worden.

Masern rufen in 20 bis 30 Prozent der Fälle schwerste Begleiterkrankungen hervor und können "vor allem bei sehr kleinen Kindern auch tödlich enden", sagt der Freiburger Virologe Hartmut Hengel. Doch gerade diesen Kindern bis zu zwei Jahre fehlt in Deutschland ein Impfschutz: Nur 62 Prozent von ihnen sind ausreichend mit zwei Impfungen geschützt, wie eine gerade veröffentlichte Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ergab.

Für die meisten Ärzte gehören Impfungen zu den sichersten und wirksamsten Vorsorgemaßnahmen der modernen Medizin. Doch das sehen nach Angaben der Universität Augsburg etwa drei Prozent der Deutschen anders. Sie lehnen Impfungen strikt ab. Und immerhin zehn Prozent haben ein ungutes Gefühl bei der Sache.

Auch deshalb, weil Horrorgeschichten rund um das Impfen kursieren, von einer Verschwörung der Industrie bis hin zu dramatischen Risiken. Die folgenden Bedenken halten sich besonders hartnäckig.

1. "Die Risiken des Impfens werden unterschätzt"

Ohne Frage, auch Impfungen haben Nebenwirkungen: In abgeschwächter Form können Symptome der Krankheit auftreten - ebenso wie Fieber, Hautrötungen oder Schwellungen an der Impfstelle. Auch Impfkomplikationen bis hin zum Tod sind nicht ausgeschlossen, aber extrem selten.

Betroffene können, Ärzte, Heilpraktiker, Gesundheitsämter und Hersteller müssen alle beobachteten Komplikationen dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen melden. Es ist für die Sicherheit von Impfungen zuständig und analysiert die Verdachtsmeldungen. 1.778 gingen 2011 ein.

Nicht jeder Verdacht bestätigt sich allerdings. Laut Bundesgesundheitsministerium liegt die Zahl der anerkannten Impfschäden in Deutschland im Schnitt bei 34 pro Jahr. Bei knapp 50 Millionen Impfungen, die deutsche Ärzte jährlich Kindern und Erwachsenen in Oberarme oder Pobacken spritzen, ist das eine sehr niedrige Rate. Alleine die Gefahr, an einer Masern-Infektion zu sterben, ist deutlich höher: Immerhin einer von 10.000 Masern-Infizierten überlebt die Krankheit nicht.

Hier macht sich jedoch ein psychologischer Effekt bemerkbar. Während Menschen Pillen schlucken, wenn es ihnen schlecht geht und sie dann auf Heilung hoffen, ist es beim Impfen anders herum: Obwohl der Impfling kerngesund ist, muss er das Risiko eingehen, dass es ihm nach der Impfung schlechter geht als zuvor.

Interview mit Viren-Experten "Auch bei Erwachsenen haben Masern oft einen sehr schweren Krankheitsverlauf"

Masern ist eine Kinderkrankheit - aber keinesfalls harmlos. Hartmut Hengel, Virologie-Professor an der Uni Freiburg und Mitglied der Ständigen Impfkommission, spricht über die Vorteile und Nachteile einer Impfung.

Interview mit Viren-Experten: Hartmut Hengel:  "Auch bei Erwachsenen haben Masern oft einen sehr schweren Krankheitsverlauf"

Zudem ist den meisten Menschen heute kaum noch bewusst, vor welchem Leid sie sich und ihre Kinder mit Impfungen bewahren - eben weil die meisten schweren Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Wundstarrkrampf oder Kinderlähmung aufgrund von jahrelangen erfolgreichen Impfkampagnen so selten geworden sind.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 27.07.2013, 05:31 UhrJoselyn

    Zum Impfen kann man geteilter Meinung sein. Viele Impfungen sind Aktiv-Impfungen, sprich man bekommt abgeschwächte Erreger der Krankheit gespritzt. Der Körper wird so gezwungen, Antikörper zu bilden. Wer aber ein nicht so gutes Immunsystem hat, kann dadurch erst die Krankheit bekommen. Das passiert zB jedes Jahr bei den Grippeimpfungen.

    Bei der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist jedoch sogar die Wirkung der Impfung umstritten. Viele junge Frauen sind bereits daran gestorben, die vorher kerngesund waren. Anbei der Impfreport, zu dem sich jeder selbst seine Meinung bilden kann.
    http://www.impf-report.de/upload/pdf/Infoblatt/20070102-krebsimpfstoff.pdf

    http://www.zeitenschrift.com/magazin/61_gebaermutterkrebs_hpv_impfung.ihtml

  • 28.07.2013, 10:04 UhrFrieden01

    Teil 1) Kritische (denkende) Menschen sind einem Mythos unterlegen? Das sind wohl eher die Medizingläubigen! Man sollte auch die tatsächlichen Argumente der Kritiker kennen. Doch diese Mühe macht sich die wissenschaftsfreundliche Medienwelt leider nicht. Infektionserkrankungen sind vor allem in Kriegsgebieten, in ärmlichen Regionen, bei fehlendem sauberem Wasser, ungenügender Hygiene/Hygienemöglichkeiten und schlechter Nahrungsversorgung anzutreffen und beim Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln.
    Allergien, Autismus, Morbus Chron, Colitis Ulzerosa, Diabetes, MS und viele andere (neurologische oder autoimmune Erkrankungen) haben mit Zunahme der Impfungen einen enormen Zuwachs bekommen. Wenn sie auf schlechte Studien der Impfgegner oder deren private Finanzierung verweisen, dann sollte bitte auch darauf verwiesen werden, dass es keine industrieunabhängigen Studien gibt, die die Impfsicherheit bzw. die Wirksamkeit beweisen. Warum gibt es keine unabhängigen Studien, die z. B. den Zusammenhang zwischen Autismus und dem Impfen konkret wiederlegen? Immerhin gab es vor Jahren 1 von 10.000 Kindern, welches Autismus hatte, heute sind es ca. 1 von 90! Schön, dass Sie auf die Impftoten durch die Pockenschutzimpfung verweisen. Ergänzend sollte man aber auch erwähnen, dass die Pocken-Zwangsimpfung genau aus diesem Grunde eingestellt werden musste. Es gab nur dort Pockenfälle und Pocken/Impftote, wo noch geimpft wurde. Ähnliches trifft auf die Lebendvirenimpfung der Kinderlähmung zu.
    Bei den Verdienstmöglichkeiten der Pharmaindustrie haben Sie drastisch untertrieben. Auch die Pharma-Forschung wird staatlich unterstützt! Auch der Zusatz-Verdienste der Ärzte (Impfen wird separat erstattet) wurde nicht erwähnt. Da der Impfschutz in der zeitlichen Dauer nicht gesichert ist, muss ein Leben lang aufgefrischt werden (gibt es überhaupt einen Schutz?). Wie sieht es jetzt mit den Verdiensten aus?

  • 28.07.2013, 10:11 UhrFrieden01

    Teil2)
    Wenn Impfen so sicher ist (war), dann stellt sich die Frage, warum Impfstoffe immer wieder vom Markt genommen werden (mussten)! Sie haben in Ihrem Bericht folgendes geschrieben: „Dabei sieht Hengel für viele Impfstoff noch großen Verbesserungsbedarf.“ Ach ja – was ist zu verbessern? Die Wirkung oder die Absenkung der Nebenwirkung? Oder beides? Wie wird die Wirkung kontrolliert? Wer wird (wann, wo, wie) auf Antikörper getestet?
    Wird die Impfstoffsicherheit durch grauenhafte Tierversuche garantiert? Das sind dogmatische, mittelalterliche Methoden! Oder wird die Sicherheit gar an unseren Kindern getestet?
    Babys sind heute besonders durch Masern (und andere Infektions-erkrankungen) gefährdet, da ihnen der Nestschutz fehlt! Geimpfte Mütter entwickeln scheinbar keine Antikörper, die dem Baby einen Nestschutz garantieren! Also eine Folge der Impfungen! Was ist wenn die SSPE auch weiterhin, auch nach flächendeckender Impferei, auftritt?
    Es gibt trotz der sehr hohen Impfquoten keinen Rückgang bei der Encephalitis (z. B. SSPE) und der Meningitis insgesamt! Wie erklärt sich das? Davor will man doch schützen!! Wenn ein geimpftes Kind eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung bekommt, dann gibt man der Erkrankung einfach einen anderen Namen! Wo sind die Erfolge des Impfens?

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