Mathematikerinnen sorgten für US-Weltraumdebüts: "Lass das Mädchen die Zahlen checken"

Mathematikerinnen sorgten für US-Weltraumdebüts: "Lass das Mädchen die Zahlen checken"

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Die Wissenschaftlerin Katherine Johnson an ihrem Schreibtisch, wo sie in den Sechzigerjahren aufwendige Rechenarbeiten für die Nasa verrichtete.

Mit dem Rechenschieber auf die Erdumlaufbahn? Mathematikerinnen bei der Nasa machten es möglich. Es ist ein kaum bekanntes Kapitel der Raumfahrtgeschichte: Vor allem Frauen errechneten die Grundzüge wichtiger US-Weltraummissionen.

Bevor der Nasa-Astronaut John Glenn im Februar 1962 als erster Amerikaner die Erde in einem Raumschiff umkreiste, hatte er eine ganz besondere Bedingung: „Lass das Mädchen die Zahlen checken“, sagte er. „Und wenn das Mädchen sagt, sie sind gut, bin ich bereit.“

Das „Mädchen“ war die Afroamerikanerin Katherine Johnson, damals 43 Jahre alt und eine hochtalentierte Mathematikerin. Sie gehörte zu einem so gut wie unbekannten kleinen Zirkel von Wissenschaftlerinnen, die für die US-Luft- und Raumfahrt die aufwendigen Rechenarbeiten für Flugkurven durchführten. Mit Papier, Bleistift und einfachen Rechenmaschinen. Das Buch „Hidden Figures“ und bald auch ein prominent besetzter Film sind ihnen gewidmet.

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Johnson, die Ende 2015 für ihre Arbeit von US-Präsident Barack Obama die Nationale Freiheitsmedaille bekam, erinnert sich in einem Interview an die damalige Arbeitsweise. „Ich sagte: „Lass mich das machen. Du sagst mir, wann und wo es landen soll, ich berechne das zurück und sage Dir, wann es starten soll.“ Das war meine Stärke.“ Zwar waren die ersten elektronischen Rechner schon zur Hand - doch vertraut wurde eher der Erfahrung und der Präzision der Mathematikerinnen mit ihren Rechenschiebern.

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Seit 1935 hatte die Nasa-Vorgängerbehörde Naca (National Advisory Committee for Aeronautics) einige Dutzend „weibliche Computer“ beschäftigt. Die Frauen erhoben beispielsweise große Mengen an Testdaten mit Objekten im Windkanal und optimierten dann deren Flugverhalten. Zu den empirischen Erhebungen kamen später auch theoretische Berechnungen. Alle Zahlenkünstlerinnen waren zunächst Weiße.

Nachdem Präsident Franklin Roosevelt 1941 angewiesen hatte, die Benachteiligung Schwarzer in der Luftfahrt- und Kriegsindustrie aufzuheben, holte sich das Langley Forschungslabor der Naca in Hampton (Virginia) 1943 auch eine kleine Gruppe hoch qualifizierter Afroamerikanerinnen von schwarzen Traditions-Unis hinzu - ein absolutes Novum. Eine dieser Frauen war Katherine Johnson.

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„Ich hatte vorher als einfache Mathelehrerin gearbeitet, aber mein innerster Wunsch war es, in die Forschung zu gehen“, berichtet die heute 98-Jährige. „Schon als kleines Kind hab ich alles gezählt, die Schritte zur Schule, die Stufen zur Kirche, die Teller und das Besteck, das ich abwusch.“ Das Ausnahmetalent machte den Highschool-Abschluss mit 14 und hatte mit 18 schon das erste Mathe-Diplom in der Tasche.

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