Medizin der Zukunft: "Fit bis zum Schluss"

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InterviewMedizin der Zukunft: "Fit bis zum Schluss"

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Der Forschungschef von Sanofi-Aventis, Elias Zerhouni, im Interview mit Wirtschaftswoche.

von Susanne Kutter

Elias Zerhouni, der Forschungschef von Sanofi-Aventis glaubt, dass wir vor einer völlig neuen Generation von Arzneimitteln stehen - und Krankheiten anders definieren müssen.

WirtschaftsWoche: Herr Zerhouni, die Pharmaforschung steckt in einer Krise: Sie wird laufend teurer, trotzdem kommen immer weniger innovative Medikamente dabei heraus. Sie kamen als Quereinsteiger zu Sanofi-Aventis. Wie wollen Sie Ihr Unternehmen wieder kreativer und produktiver machen?

Elias Zerhouni: Wir brauchen dringend Innovationen, vor allem bei chronischen Erkrankungen und Krankheiten des Alters. Sonst fressen uns die Gesundheitskosten auf. Sie steigen in unserer alternden Gesellschaft schneller als die Inflation. Dagegen müssen wir etwas tun. Es ist mein Ziel, die Medikamentenforschung in Zukunft zielgerichteter, effektiver und kostengünstiger zu machen.

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Sie könnten Ihre Pillen billiger machen.

Nein, selbst wenn wir sie verschenken würden, wären wir in drei Jahren wieder beim selben Niveau der Ausgaben. Denn Medikamente machen nur einen kleinen Teil der Gesundheitskosten aus. In Deutschland sind es gerade einmal 17 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Mehr als die Hälfte der Kosten entfällt auf die Krankenhausbehandlung und die ärztliche Versorgung.

Was ist der Grund?

Wir werden immer älter. Während man früher vielleicht mit 40 Jahren einen Herzinfarkt bekam und mit 50 tot war, nehmen Patienten heute viele Jahre lang sehr wirksame Medikamente ein, sodass sie über lange Zeit ein fast normales Leben führen können. Aber ganz am Ende, da überleben sie nur noch mit sehr aufwendigen Therapien und intensiver Pflege. Wir müssen also für die Alterserkrankungen neue Arzneimittel entwickeln, die die Menschen fit halten bis zum Schluss.

Und wie wollen Sie das schaffen?

Wir müssen bessere Medikamente entwickeln, die exakt in die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen der Krankheit eingreifen.

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Quelle: imago / jochen tack

Warum gibt es die nicht längst?

Es gibt ja schon einige Präparate, die ganz spezifisch wirken, etwa bei rheumatoider Arthritis. Bei einigen Patienten fiel auf, dass ihr Körper vermehrt eine bestimmte Substanz produziert, die das Immunsystem so stark ankurbelt, dass es den eigenen Körper schädigt. Medikamente wie Remicade, Enbrel oder Humira blockieren die Herstellung dieser Substanz und halten so das Immunsystem davon ab, den eigenen Körper zu zerstören. Diese Medikamente haben das Leben von Rheuma-Kranken in den letzten zehn Jahren dramatisch verbessert. So müssen die Arzneimittel der Zukunft aussehen.

Helfen die Mittel allen Rheuma-Kranken?

Nein, sie wirken nur bei den Patienten, deren Körper zu viel von der Substanz produziert. Und das lässt sich vor der Behandlung genau feststellen. Dieser Biomarker gibt also Auskunft darüber, ob das Medikament dem Patienten helfen wird oder nicht. Das ist genau jene Präzisionsforschung, die ich meine. Sie macht zielgerichtete – personalisierte – Medikamente erst möglich.

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