Medizin: Ein Baby mit drei Eltern

Medizin: Ein Baby mit drei Eltern

, aktualisiert 28. September 2016, 12:22 Uhr
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Mit einer neuen Technik haben Ärzte den Kinderwunsch eines Paares erfüllt.

Quelle:Handelsblatt Online

US-Mediziner haben ein neues Verfahren angewendet, um einem Paar seinen Kinderwunsch zu erfüllen. Das Besondere daran: Der Nachwuchs hat nicht zwei, sondern drei genetische Eltern.

London/New YorkMit einer neuartigen Technik haben US-amerikanische Ärzte einem Paar zu Nachwuchs verholfen. Das Baby, das mittels der sogenannten Kerntransfer-Technik gezeugt wurde, hat drei genetische Eltern.

Die Mutter des bereits im April geborenen Jungen leidet an einer seltenen Erbkrankheit, von der die DNA in den Kraftwerken der Zelle, den sogenannten Mitochondrien, betroffen ist. Sie hatte bereits mehrere Kinder vor und kurz nach der Geburt verloren, an die sie ihre Erkrankung, das Leigh-Syndrom, weitergegeben hatte.

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Mittels einer neuartigen Technik entfernten die Ärzte nun den gereiften, aber noch unbefruchteten Kern einer mütterlichen Eizelle. Dieser sei in eine entkernte Spender-Eizelle mit gesunden Mitochondrien eingesetzt worden, berichten John Zhang und Kollegen im Fachjournal „Fertility and Sterility“.

Die entstandene Zelle sei im Labor schließlich mit dem Samen des Vaters befruchtet worden. Die britische Zeitschrift „New Scientist“ hatte am Dienstag zuerst über den Fall berichtet.

Zhang, der normalerweise am New Hope Fertility Center in New York arbeitet, behandelte die aus Jordanien stammenden Eltern in Mexiko, weil die umstrittene Technik dort anders als in den USA nicht verboten ist. Ein ähnliches, in Großbritannien erlaubtes Verfahren, bei dem die Kerne aus bereits befruchteten Eizellen ausgetauscht werden, hatten die Eltern aus Glaubensgründen abgelehnt. Dabei wären Embryonen in einen sehr frühen Entwicklungsstadium zerstört worden.

Mit dem neuen Verfahren entstanden 2015 fünf Embryonen, von denen sich einer normal entwickelte und der Mutter eingesetzt wurde. Das Verfahren gilt als vergleichsweise ethisch unproblematisch, weil nicht zwangsläufig Embryonen zerstört werden müssen. Nach normaler neunmonatiger Schwangerschaft kam der kleine Junge zur Welt.


Nicht das erste Baby mit drei Eltern

Zhang und sein Team untersuchten das Baby und entdeckten bei ihm nur ein Prozent mutierter Mitochondrien. Nach Hoffnung der Ärzte dürfte diese Menge zu gering sein, um Probleme zu verursachen.

Erste Reaktionen aus der Fachwelt fielen wegen ethischer Bedenken gegenüber dem Verfahren zumeist verhalten aus. Die Reproduktionsmedizinerin Christine Wrenzycki (Uni Gießen) sagte, mit dieser Technik sei es medizinisch wohl möglich, Frauen mit Funktionsstörungen der Mitochondrien zu einem gesunden Kind zu verhelfen. „Ethisch wird die Beteiligung von drei Elternteilen – zweier Mütter und eines Vaters – kontrovers diskutiert.“

Der kleine Junge ist nicht das erste Baby mit drei genetischen Eltern. Bekannt geworden ist zum Beispiel der Fall der im Jahr 2000 geborenen Alana Saarinen, die ebenfalls Gene von ihrem Vater und von zwei Frauen trägt.

Allerdings wurde seinerzeit eine andere Technik verwendet, bei der die Mitochondrien nachträglich in die befruchtete Eizelle gegeben werden. Dieser sogenannte Zytoplasma-Transfer ist nach Sicherheits- und Ethikbedenken 2002 in den USA verboten worden, in Deutschland war sie nie erlaubt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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