KommentarMedizin: Endlich Ja zur PID

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Abbildungen von Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung.

von Susanne Kutter

Endlich rechtliche Klarheit für Ärzte und Eltern: In Zukunft ist es gestattet, dass im Labor gezeugte Embryonen mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) getestet werden. Das ist kein generelles Ja zu Designer-Babys, sondern eine überfällige Erleichterung für Eltern, die eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen.

Unglaublich aber wahr: Der deutsche Bundestag hat endlich für eine klare gesetzliche Regelung gestimmt, die es Eltern und Ärtzen gestattet, Embryonen mit Hilfe eines Gentests auf schwerste erbliche Schäden hin zu untersuchen - und zwar, bevor sie der Mutter eingepflanzt werden. Denn diese Regelung betrifft nur solche Embryonen, die durch künstliche Befruchtung im Labor erzeugt werden. Sie dürfen nun mit Hilfe der so genannten Präimplantationsdiagnostik (PID) getestet werden, zumindest bei solchen Eltern, die selbst die Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder bei denen mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist.

Gute Entscheidung

Die bisherige Praxis bei deutschen Reproduktionsmedizinern war schlichtweg unmenschlich für die betroffenen Paare. Wer beim Schwangerwerden auf Grund erblicher Vorbelastungen auf die Hilfe von Fruchtbarkeitsmedizinern angewiesen waren, den traf folgende Regel: Erst wurde ein Embryo im Labor erzeugt, dann in den Bauch der Mutter eingesetzt. Die Hoffnung auf ein gesundes Kind wuchs. Wochen später stachen die Ärzte dann mit einer langen Hohlnadel durch die Bauchdecke der Mutter hindurch, um aus dem Fruchtwasser, in dem jeder Embryo schwimmt, Zellen für einen Test zu gewinnen. Das oftmals frustrierende Ergebnis einer solchen Fruchtwasser-Untersuchung: Das sich entwickelnde Kind wies schwerste Schäden auf. Dann endete die Schwangerschaft entweder natürlich als Fehlgeburt, oder die Ärzte rieten zur Abtreibung.

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Das perfide daran: Während der Gentest am noch nicht implantierten Embryo bisher verboten war, war dieselbe Untersuchung am Embryo im Mutterleib gestattet. Das Ergebnis: Nicht der frühe Embryo in seinem noch wenige Zellen großen Stadium wurde untersucht, sondern die Mütter mussten oftmals erst fünf, sechs oder sieben mal “auf Probe” schwanger werden, um dann ein schon weit entwickeltes Kind abzutreiben oder bei einer Totgeburt in späten Schwangerschaftsmonaten zu verlieren.

Wer sich nun vor dem nationalsozialistischen Hintergrund Deutschlands Sorgen über die Frage von gezielter Zuchtwahl und dem Ausmerzen unwerten Lebens Sorgen macht, muss sich fragen lassen, warum das eine - für die Betroffenen qualvolle - Verfahren auch schon bisher erlaubt und das viel humanere frühere Eingreifen bis dato verboten war.

Kein genereller Embryonen-TÜV

Und es geht ja auch gar nicht um Designer-Babys oder einen generellen Embryonen-TÜV. Der bleibt auch nach dem neuen Gesetztestext verboten, dazu ist er viel zu eng gefasst. Es geht zum Glück auch nicht darum, möglicherweise Geschwister als Organ- oder Knochensparksspender für bereits erkrankte Kinder zu erzeugen, was in USA längst Realtität ist. Dort kam schon Ende 2000 im US-Staat Colorado Adam Nash auf die Welt, den seine Eltern mit ärztlicher Hilfe mittels PID unter 15 Reagenzglasembryonen als Retter und Knochenmarkspender für seine sechsjährige Schwester Molly ausgewählt hatten. Die litt an einem schweren erblichen Knochenmarkleiden. Ohne die inzwischen erfolgte Knochenmarkspende von Baby Adam hätte sie vermutlich ihren siebten Geburtstag nie erlebt.

Solche - aus Sicht der Eltern - sicher nachvollziehbaren Wünsche, sind in Deutschland auch weiterin verboten. Zu Recht. Denn mit der Intention als Lebensretter, oder schnöder - als Ersatzteillager -, auf die Welt zu kommen, hat einen sehr fahlen Beigeschmack. Ich würde ein solches Kind nicht durch die schwierige Phase des Pubertierens und Erwachsen werdens begleiten wollen. Die Zweckbestimmung hielte ich für eine unzumutbare Bürde.

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