Medizin: Erste universelle Krebsimpfung in Sicht

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Medizin: Erste universelle Krebsimpfung in Sicht

von Susanne Kutter

Einem deutschen Forscherteam um Ugur Sahin ist ein entscheidender Durchbruch bei einer sogenannten therapeutischen Impfung gegen Krebs gelungen. Sahin, gleichzeitig Chef des Mainzer Biotechnik-Unternehmens Biontech, glaubt damit in fünf Jahren auf dem Markt sein zu können.

Wenn sich in den kommenden Tagen an die 30.000 Wissenschaftler und Ärzte auf dem alljährlichen Krebskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago treffen, wird eine Arbeit heiß diskutiert werden: Die des Mainzer Forschers Ugur Sahin, dem Gründer des Biotech-Unternehmens Biontech. Er hat mit Kollegen eine neue, universelle und hochwirksame Art der Krebsimpfung entwickelt – und einen Artikel über die ersten Ergebnisse an drei Hautkrebs-Patienten gerade in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ veröffentlicht.

Seit über 20 Jahren versuchen Onkologen bereits, die körpereigene Abwehr – das Immunsystem – von Krebskranken mit Impfungen auf die entarteten Krebszellen aufmerksam zu machen, die sie sonst übersieht. Denn dann könnten die Erkrankten den tödlichen Feind selbst bekämpfen.

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Bisher waren die Erfolge solcher therapeutischen Krebsimpfungen eher mäßig. Doch Sahin hat nun einen Trick angewandt: Er spritzt Nanopartikel – winzige Fetttröpfchen, die mit Suchmotiven für die Krebszellen beladen sind - ins Blut und gaukelt so dem gesamten Körper eine Virusinfektion vor.

Formen der Krebs-Therapie

  • Operation

    Bei einer Operation wird der Tumor entfernt, häufig auch die umliegenden Lymphknoten um eine Streuung zu vermeiden. Eine Operation allein reicht meist nicht aus.

    Quelle: Bayerische Krebsgesellschaft

  • Chemotherapie

    Dabei kommen bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie können bösartige Tumoren zerstören oder zumindest ein weiteres Wachstum verhindern. Die Medikamente greifen in den Zell-Stoffwechsel ein. Weil sie aber nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe unterscheiden können, kommt es zu Nebenwirkungen, etwa Haarausfall, Erbrechen, Immunschwäche. Weil sich das Normalgewebe aber schneller regeneriert, wirkt die Chemotherapie auf Krebszellen stärker.

  • Strahlentherapie

    Der Tumor wird vor, nach oder anstelle einer Entfernung mit energiereicher Strahlung beschossen. Die Bestrahlung kommt nur lokal zum Einsatz und kann das Wachstum des Tumors bremsen, indem die Tumorzellen zerstört werden.

  • Molekularbiologische Therapie

    Es handelt sich um einen jungen Therapieansatz, auch "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) genannt. Hierunter fällt die in der US-Studie erforschte Blockierung des Ral-Proteins. Spezifische Wirkstoffe sollen zielgenau die Krebszellen angreifen.

  • Hormontherapie

    Hierbei werden Antihormone gegeben. Sie können vor allem Tumoren der Geschlechtsorgane und Brustkrebs im Wachstum stoppen oder verlangsamen.

  • Hyperthermie

    Hierunter versteht man die Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile. Dies kommt beispielsweise ergänzend zu einer Strahlentherapie zum Einsatz, und kann ihre Wirkung verstärken.

Eine solche Viruserkrankung übersieht das Immunsystem nicht und richtet sofort alle verfügbaren Abwehrzellen auf den Feind. Wie dieser Feind aussieht, das lernen die Immunzellen durch die Impfung: Die in den Nanopartikeln verpackten Krebs-Suchmotive weisen den Weg und ermöglichen es den Abwehrzellen, große Krebswucherungen, aber auch kleinste Tochter-Tumore, die Metastasen, überall im Körper zu finden.

Die Aktivierung der Immunabwehr gegen den Krebs funktionierte sowohl im Tierversuch als auch bei drei Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs hervorragend ohne vor allem ohne gefährliche Nebenwirkungen, wie Sahin und sein Team nun in der aktuellen Nature-Ausgabe beschreiben.

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Mit den Nanopartikeln, die von den Immunzellen mitsamt ihrer Wegbeschreibung zu den tödlichen Tumorzellen gerne aufgenommen werden, hat Sahin einen „universellen Zustelldienst“ entwickelt, wie er sagt: „Wir müssen die Pakete nur mit den richtigen Impfstoffen beladen.“

Wenn alles weiter so gut funktionert wie in den bisherigen Versuchen, könnte eine erste solche Krebsimpfung schon in fünf Jahren zulassungs- und damit marktreif sein, sagt Sahin. Diese ließe sich dann sehr schnell auf jede Krebsart übertragen. Der Biontech-Chef hat damit einen Weltmarkt für Krebsmedikamente von derzeit schon weit über 100 Milliarden Dollar im Visier.

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Gerade weil Biontech für vorangegangene Generationen von Krebsimpfungen schon einen riesigen Fundus von Impfmotiven entwickelt hat, finden sogar Konkurrenten wie Christian Schetter, Chef der des Bonner Biotechnik-Unternehmens Rigontec, das neue Konzept „sehr interessant“. Sahin habe die Sache „sehr gut verpackt“, sagt Schetter - und meint das durchaus doppeldeutig: Zum einen seien die mit Impfstoff befüllten Nano-Lipidpartikel eine sehr vielversprechende Strategie. Aber auch der Zeitpunkt der „Nature“-Veröffentlichung vor dem weltgrößten Krebskongress sei exzellent gewählt, um von einer großen Zahl von Krebsforschern und Ärzten wahrgenommen zu werden.

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