Medizin: Menschen erkennen Kranke auf einen Blick

Medizin: Menschen erkennen Kranke auf einen Blick

, aktualisiert 03. Januar 2018, 09:41 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Schon ein kurzer Blick ins Gesicht kann uns verraten, ob unser Gegenüber an einer ansteckenden Krankheit leidet. Ganz fehlerfrei ist das von schwedischen Forschern jetzt nachgewiesene Früherkennungssystem aber nicht.

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Die beiden Bilder, die aus Fotos von 16 Probanden zusammengesetzt wurden, zeigen eine kranke (r.) und eine gesunde Person.

BerlinDass Tiere den Menschen vor Leiden warnen können, ist bekannt: Einige Hunde erschnüffeln Diabetes, Ratten können Tuberkulose riechen und Fruchtfliegen Krebszellen. Doch auch Menschen haben offenbar einen „sechsten Sinn“, der ihnen hilft, Kranke auf einen Blick zu erkennen, selbst wenn deren Leiden sich noch im Frühstadium befindet. Das fanden Forscher vom Karolinska-Institut in Stockholm jetzt heraus.

Das Team um den Neurowissenschaftler und Schlafforscher John Axelsson injizierte einer Gruppe von Freiwilligen ein Toxin des Darmbakteriums Escherichia coli, das eine Entzündungsreaktion im Körper hervorruft. Zuvor waren die Probanden fotografiert worden. Zwei Stunden nach der Injektion wurden erneut Fotos von den nun infizierten Testpersonen gemacht.

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Eine weitere Probandengruppe wurde dann mit den Bildern konfrontiert. Innerhalb von Sekunden sollten diese Testpersonen angeben, ob sie die auf dem jeweiligen Foto Abgebildeten eher als krank oder als gesund einschätzten.

In der Mehrzahl der Fälle lagen die Einschätzungen richtig, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings B“ der britischen Royal Society. Die Trefferquote der Probanden erreichte bis zu 70 Prozent, wobei vor allem blasse Haut und hängende Augenlieder als Krankheitszeichen gewertet wurden.

Der Vorteil einer solchen „Früherkennung“ liegt auf der Hand: Gerade im Frühstadium einer Infektion, wenn offensichtliche Anzeichen für eine Erkrankung noch fehlen, ist die Ansteckungsgefahr besonders groß. Wer die subtilen Anzeichen im Gesicht des Gegenübers erkennt, kann diese Gefahr minimieren.


Auch müde Menschen wirken krank

Allerdings ist die rein visuelle Analyse durchaus fehleranfällig, wie die Forscher selbst einräumen. So könnten traurige oder müde Gesichter im Zweifelsfall auch krank wirken.

Tatsächlich deckt sich diese Theorie mit anderen Studien, die ergeben haben, dass müde Menschen öfter sozial gemieden werden. Auch die häufige Stigmatisierung sichtbarer Behinderungen folge aus übermäßigen Krankheitsvermeidungsmechanismen, wie die Autoren der Studie schreiben.

Nichtsdestotrotz gebe ihre Arbeit Anstöße, weiter zu erforschen, wie kranke Mitmenschen erkannt werden. So sei zu vermuten, dass dies besser gelinge, wenn zum Beispiel auch Körpergerüche oder Bewegungen beobachtet werden können. Zudem wäre zu prüfen, ob man diese Fähigkeit auch üben kann.

Die Autoren schließen: „Künftige Studien sollten untersuchen, inwiefern sich Gesichtsausdrücke, die eine Krankheit bedeuten, mit denen grundlegender menschlicher Emotionen wie Sorge oder Angst überschneiden und wie schnell Menschen bei ihren Mitmenschen nach Anzeichen von Krankheiten suchen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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