Medizinische Hilfe aus der Luft: Die Blutkonserve kommt per Drohne

Medizinische Hilfe aus der Luft: Die Blutkonserve kommt per Drohne

, aktualisiert 14. Oktober 2016, 11:44 Uhr
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In Ranomafana (Madagaskar) beobachten Einheimische den Start einer Drohne. Die Roboter-Flugzeuge sollen bei der medizinischen Versorgung der Menschen helfen.

Quelle:Handelsblatt Online

Unbemannte Flugobjekte, die Tabletten oder Infusionen in unwegsame Gebiete bringen, sind in Afrika derzeit auf dem Prüfstand. Die Technologie ist vielversprechend, doch auch die Herausforderungen sind noch hoch.

JohannesburgAls die Drohne über ihren Hütten auftauchte, gerieten die Einwohner einiger abgelegener Dörfer in Malawi in Panik. Gerüchte tauchten auf. Einige glaubten an einen Angriff, andere an Hexerei. Doch nicht Gefahr, sondern Hilfe bringen die speziellen Flieger: Medikamente, Blutkonserven und andere Güter für schwer zugängliche Regionen.

In Malawi testeten die Vereinten Nationen Anfang des Jahres, ob HIV-Tests mit Drohnen besser verteilt werden können als mit Fahrzeugen. Nach einigen Erklärungen akzeptierten die Dorfbewohner das Projekt nicht nur, sondern viele begrüßten die Luftfahrzeuge sogar voller Begeisterung. Lehrer und Schüler stürmten aus ihren Klassenzimmern, wenn sie eine Drohne hörten. „Es war sehr aufregend“, sagt Unicef-Mitarbeiterin Judith Sherman.

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Gerade für Afrika, dem die Weltbank „die schlechteste Infrastruktur aller Entwicklungsregionen“ bescheinigt, erhoffen sich die Forscher Fortschritte aus der Luft. Wo Straßen existieren, sind sie oft unbefestigt. Und wo sie überhaupt befahrbar sind, geht das mitunter nur in der Trockenzeit. Roboter-Flugzeuge müssen solche Hürden nicht nehmen, ihr Einsatz scheint vielversprechend.

Noch verheißen sie nicht den Durchbruch bei der Versorgung ländlicher Regionen, aber in einer Reihe von Projekten wird ausgelotet, was möglich ist. Für eines fällt in dieser Woche der Startschuss in Ruanda: In dem kleinen ostafrikanischen Land schaffen die Regierung und das US-Unternehmen Zipline ein Drohnen-Netzwerk, um abgelegene Krankenhäuser mit Arzneimitteln und Blutkonserven zu versorgen.

Schon Minuten nach einer Bestellung könne ein Roboter-Flugzeug mit den nötigen Hilfsmitteln abheben, erklärt Zipline. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde könne es schaffen und so schneller sein als jedes andere Transportmittel. Statt Tage oder Wochen sollen die Lieferungen nur noch Stunden unterwegs sein. Das mit solchen Lieferungen Leben gerettet werden, ist das Ziel.

In Madagaskar vor der afrikanischen Ostküste wurden in einem weiteren Projekt Drohnen eingesetzt, um Blut- und Stuhlproben aus Dörfern zu holen. Auch damit lassen sich Leben retten. 


Mit Waffen-Drohnen verwechselt

Afrika biete gute Voraussetzungen für den Einsatz von Drohnen, erklärt Sid Rupani, der für die US-Firma Llamasoft Möglichkeiten effektiver Versorgungsketten untersucht. „Es hat keinen überfüllten Luftraum, nicht so viele städtische Gebiete, die man beachten muss“, sagt Rupani.

Doch Hürden und Herausforderungen gibt es noch genug. Bei einigen Modellen der unbemannten Versorgungs-Flieger lässt die Reichweite klar zu wünschen übrig. Wenn sie abstürzen, sind sie im unwegsamen Gelände oft nur schwer zu finden. Sie können meist nur wenig transportieren. Und außerdem haben einige Regierungen Vorbehalte, weil sie eine Verletzung ihrer Souveränität fürchten.

Selbst unter Hilfsorganisationen ist Skepsis verbreitet. In einer Umfrage unter Mitarbeitern in 61 Ländern, die das humanitäre Netzwerk für unbemannte Flugfahrzeuge Uaviators im vergangenen Monat veröffentlichte, konnten sich 22 Prozent nicht für den Einsatz von Drohnen erwärmen. Hauptsorge war, dass die Menschen am Boden sich angegriffen fühlen könnten. „Ob es uns gefällt oder nicht, unbemannte Flugfahrzeuge werden mit Waffen-Drohnen verwechselt“, erklärte etwa ein Helfer im Kongo.

Die Kosten sind ein anderer Knackpunkt. Beim Projekt in Malawi stellte sich klar heraus, dass die Drohnen in diesem Bereich nicht an den Transport mit Motorrädern heranreichen können. Dennoch berge die Technologie ein großes Potenzial, ist Unicef-Koordinatorin Sherman überzeugt. Vielleicht ergäben sich Möglichkeiten, „an die wir bislang noch gar nicht gedacht haben“.

Eine Reihe von Hilfsorganisationen und Unternehmen arbeiten daran. Die Organisation Wings for Aid mit Sitz in den Niederlanden beispielsweise forscht an einem stärkeren und ausdauernderen Prototyp. Auf einer Route von 500 Kilometern sollen so mehrere Orte beliefert werden können, erläutert Entwicklungschef Wesley Kreft. Bis zu 100 Kilogramm sollen sie an Bord nehmen können. Das sind etliche Tabletten und Infusionen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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