Medizintechnik: Herzinfarkte aus den Arterien bürsten

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Medizintechnik: Herzinfarkte aus den Arterien bürsten

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Mit Hilfe einer Mikrobürste für das Gehirn kann eine verstopfte Ader wieder aufgelöst werden.

von Susanne Kutter

Ob Herzinfarkt, Blutanalyse oder Hirnoperationen – kaum ein Land der Welt entwickelt so viele innovative Produkte und Verfahren zur Behandlung und Diagnose von Krankheiten wie Deutschland. Neben Branchengrößen wie Siemens oder Carl Zeiss befeuern junge, Startups und Mittelständler mit pfiffigen Ideen den Markt.

Wer über Deutschland als Industrienation nachdenkt, dem fallen sofort die Automobilbranche und der Maschinenbau ein – vielleicht auch noch Elektrotechnik und chemische Industrie. Dass in ihrem Schatten in Deutschland aber noch ein weiteres Prunkstück herangewachsen ist, wissen oft nur Menschen, die in der Branche arbeiten: die Medizintechnik. Auf dem 350 Milliarden Euro starken Weltmarkt liegt Deutschland an dritter Stelle (siehe Kasten rechts). 22,3 Milliarden Euro setzten 2012 allein die 400 größten deutschen Medizintechnikunternehmen um.

Und sie verkaufen nicht irgendetwas. Kaum ein anderes Land der Welt entwickelt und vermarktet so viele High-Tech-Produkte für kranke Menschen: innovative Diagnosesysteme, Mikrobürstchen, die Adern nach Infarkten freiputzen, und vollelektronisch gesteuerte Pflaster, die per Knopfdruck Medikamente über die Haut in den Körper abgeben. Dabei machen die deutschen Medizintechnikhersteller knapp ein Drittel ihres Umsatzes mit Produkten, die erst in den vergangenen drei Jahren auf den Markt gekommen sind.

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Die mobile Gesundheitsversorgung wird noch nicht so genutzt, wie es möglich wäre. Quelle: dpa

Gerade hierzulande sind es neben Weltkonzernen wie Siemens oder Carl Zeiss Hunderte Startups und Mittelständler, die mit pfiffigen Ideen den Markt befeuern. Dass gerade Deutschland sich zum Mekka der Medizintechnik entwickelt hat, liegt auch daran, dass die Hersteller ihre Produkte hier ohne großen Zulassungsaufwand in zwei bis drei Jahren auf den Markt bringen können. Es reicht eine Art TÜV-Stempel: die CE-Zertifizierung.

Genau diesem Standortvorteil drohte indes ein jähes Ende. Denn nach den Skandalen mit minderwertigen französischen Brustimplantaten wollte das Europäische Parlament die Bestimmungen für die Zulassung von Medizinprodukten drastisch verschärfen. Die Politiker wollten sie den viel strikteren Regeln in den USA angleichen. Dort müssen auch Medizinprodukte und nicht nur Arzneimittel klinische Studien bestehen, bevor sie zugelassen werden. Dadurch vergehen in den USA von der Erfindung bis zur Marktreife 10 bis 15 Jahre.

Jürgen Windeler, der Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hätte das begrüßt. Er moniert schon lange: „Es ist überhaupt nicht zu begründen, warum Arzneimittel anders und strenger behandelt werden als Medizinprodukte, die ja den gleichen Zweck verfolgen wie Medikamente.“ Doch diese strenge Auslegung der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung ist seit wenigen Tagen vom Tisch. Die Parlamentarier einigten sich auf eine Fassung, die schärfere Kontrollen vorsieht, aber kein neues Zulassungsverfahren. So dürfen die Prüfer nun ohne Vorankündigung Hersteller besuchen und beispielsweise checken, ob billiges Industriesilikon zu Brustimplantaten verarbeitet wird. Und es sollen jene Stellen besser kontrolliert werden, die schon bisher die Medizinprodukte zulassen und die CE-Zertifizierungen vergeben. In Deutschland sind das TÜV und Dekra. Jetzt hängt es am Europäischen Rat – dem vierteljährlich einberufenen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU-Länder. Der Rat muss über die Parlamentsvorlage noch abstimmen.

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