Metropolen der Zukunft: Smarte Bürger machen smarte Städte

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Metropolen der Zukunft: Smarte Bürger machen smarte Städte

von Meike Lorenzen

Knappe Kassen, Betonwüsten, zu wenig Wohnraum - die Metropolen der Welt haben mit immer größeren Problemen zu kämpfen, die öffentlichen Institutionen werden der Lage nicht Herr. Was jeder Einzelne tun kann.

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Die Dunstglocke über Houston. Die großen Metropolen haben mit der Luftqualität, Wohnraum und vielem mehr zu kämpfen. Die Probleme des 21. Jahrhunderts brauchen neustrukturierte Institutionen, um diese in den Griff zu bekommen.

Viel ist zu dem Thema „Smarter Cities“ bereits geschrieben worden. Die großen Metropolen unserer Erde werden immer mehr zu Smog-Höllen, Beton hat die Städte erobert und der Wohnraum wird immer knapper. Technische Innovationen sollen die Lösung bringen: Von schwimmenden Häusern, Container-Wohnungen, begrünten Innenstädten oder neuen Fahrradnetzen ist die Rede. Der Kreativität scheint keine Grenze gesetzt zu sein. Besonders spannend sind jedoch die Überlegungen des Briten Dan Hill von der Innovationsschmiede Fabrica zu den Metropolen der Zukunft.

„Für all diese Probleme gibt es seit Jahren technische Lösungen, und doch hat sich kaum etwas verändert“, sagt er. Die Technik sei nicht das Problem, sondern die Menschen und verkrustete Strukturen innerhalb der Behörden. Eindrücklich machte er in seinen Vorträgen deutlich, wie sehr unsere Gesellschaft des 21. Jahrhunderts von Systemen gesteuert wird, die sich über hunderte Jahre kaum verändert haben.

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„Wir müssen unsere Institutionen neu erfinden, damit die technischen Möglichkeiten auch neu eingesetzt werden können“, ist er überzeugt. Und das funktioniere nur, durch Konkurrenz. Doch wer soll einer staatlichen Einrichtung Konkurrenz machen? Die Antwort ist laut Hill einfach: Jeder einzelne Bürger. Um zu verstehen was der Brite meint, lohnt sich der Blick auf konkrete Beispiele.

Da ist zum Beispiel der Restaurant Day. Diese Initiative ist in der finnischen Hauptstadt Helsinki entstanden. Weil der Papierkram für die Eröffnung eines Restaurants sich über Jahre hinzog, gründeten die Betroffenen stattdessen diesen besonderen Tag, an dem jeder sein eigenes Restaurant eröffnen kann. In der eigenen Wohnung, im Büro, im Park an einer Straßenecke. Als echte Visionäre setzten sie eine Internetseite auf, so dass sich nicht nur Finnen sondern die ganze Welt an diesem Tag beteiligen kann. Das Konzept ist einfach: Jeder der Lust hat Essen zu verkaufen ohne Profit zu machen, kann dies für einen Tag tun ohne den Umweg über die Behörden zu gehen. Ein spannendes Konzept, das ausschließlich von den Teilnehmern via Social Media beworben – und stetig wächst:

  • 21. Mai 2011: 45 Restaurants
  • 18. August 2011: 190 Restaurants, 30 Städte, vier Länder
  • 19. November 2011: 287 Restaurants, über 40 Städte, zwei Länder
  • 4. Februar 2012: 304 Restaurants, über 50 Städte, zwölf Länder
  • 19. Mai 2012: 711 Restaurants, über 90 Städte, 19 Länder
  • 19. August 2012: 784 Restaurants, über 100 Städte, 17 Länder
  • 17. November 2012: 702 Restaurants, über 130 Städte, 25 Länder
  • 17. Februar 2013: 629 Restaurants, 136 Städte, 31 Länder

Der nächste Restaurant Day wird am 18. Mai 2013 stattfinden. „Dies ist nur ein Beispiel, wie Menschen sich selbst engagieren können, um ihre Stadt attraktiver zu machen“, sagt Dan Hill. Projekte dieser Art gibt es etliche. Die einen verteilen Kleider, andere bepflanzen öffentliche Grünflächen vor ihrer Tür. „Jede Form dieses sozialen Engagements ist immer auf der Grenze zum illegalen“, sagt der IT-Experte. Aber wer kann schon etwas gegen Blumen haben?

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