MHealth: Besser versorgt per Smartphone & Co.

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MHealth: Besser versorgt per Smartphone & Co.

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Die mobile Gesundheitsversorgung wird noch nicht so genutzt, wie es möglich wäre.

von Susanne Kutter

Während klassische Medizintechnik boomt, führen mobile Gesundheitsdienste noch ein Exotendasein.

Medizinische Beratung könnte so einfach sein: Statt Patienten stundenlang warten zu lassen und ihnen dann doch nur wenigen Minuten zu widmen, könnten Ärzte viele Fragen auch ganz in Ruhe ohne Stress und Ärger für beide Seiten ferndiagnostisch beantworten. Zum Beispiel so: Der Patient schreibt auf, was ihn bedrückt, und macht eventuell noch ein Foto mit dem Smartphone – etwa von einem Muttermal, das ihn ängstigt. Oder er misst schon einmal Blutdruck und Herzfrequenz mit seinem mobilen Heim-Messgerät, das die Daten dann via Mobiltelefon an seinen Arzt überträgt. All das wäre technisch längst möglich. Tatsächlich nutzen medizinisch schlecht versorgte Länder wie Ghana, Kenia, Indien oder Peru solch lebensrettende mobile Gesundheitsangebote – sogenannte mHealth-Lösungen – schon. Zum Beispiel um übers Mobiltelefon Schwangere zu betreuen oder die Mitarbeiter von abgelegenen Kliniken ärztlich zu beraten.

Neue Geschäftsmodelle Medizintechnik ist erkrankt

Eine früher hochprofitable High-Tech-Industrie leidet: Die Medizintechnik schwächelt unter anderem wegen des schrumpfenden Budgets des Gesundheitswesens.

Die Medizintechnikbranche krankt. Quelle: dpa

In Europa ist die Zurückhaltung dagegen noch sehr groß – vor allem, weil die Kassen solche Dienste bisher nicht erstatten. Geradezu rückständig sei Deutschland, sagt Oliver Scheel, Partner bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney und Leiter des Bereichs Pharma und Healthcare: „In einem stark regulierten Markt wie dem deutschen ist die Bereitschaft, richtig in mHealth zu investieren, sehr gering.“

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Dabei könnten leicht zu bedienende mobile Selbsttests die Früherkennung von Krankheiten und die medizinische Versorgung von älteren Menschen auch in der entwickelten Welt nicht nur deutlich verbessern, sondern auch sehr viel billiger machen, ist Scheel überzeugt. Solange aber nicht klar ist, ob und wie die Mediziner solche Leistungen abrechnen können, fürchteten sie genau das: „Viele Ärzte haben Angst vor finanziellen Einbußen, wenn die Patienten dank mHealth-Lösungen nicht mehr in die Praxis kommen“, sagt Scheel. In Regionen mit geringer Ärztedichte werden solche Ansätze dagegen von allen Seiten begrüßt. Denn sie reduzieren den Reisestress für Ärzte und Patienten – und verbessern mit geringem personellem Aufwand die Gesundheitsversorgung der Menschen.

Der Boom ist absehbar: Die Mobilfunkbetreiber schätzen, dass der mHealth-Markt im Jahr 2017 bei weltweit 18,8 Milliarden Euro liegen wird. Doch statt der auf Kassenerstattung fixierten Medizintechnikunternehmen steigen nun vor allem IT-nahe Firmen wie Apple oder Google ins Geschäft ein, beobachtet Scheel. Die bauen von jeher auf Selbstzahler.

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So sind es in der entwickelten Welt vor allem die computer- und internetaffinen unter 40-Jährigen, die den Markt treiben: Sie bezahlen aus eigener Tasche Apps, die ständig Körperdaten wie Temperatur, Puls, Sauerstoffsättigung oder Schlaftiefe kontrollieren. 17 000 solcher gesundheitsbezogener Apps gibt es bereits.

Das kalifornische Unternehmen Scanadu ist einer der Anbieter. Mit Scanaflo will es einen mobilen Urintest für zu Hause auf den Markt bringen, der weit mehr ist als eine verspielte App. Er könnte Laborärzten ernsthaft Konkurrenz machen. Und die Spielebox Kinect soll bald den Psychologen ersetzen: Im Gespräch mit einem menschlichen Avatar vermisst Kinect das Gesicht des echten Menschen, interpretiert seine Gesten, Mimik und Sprache und soll so Depressionen erkennen.

Reichlich skurril ist der neueste mHealth-Szene-Clou: eine Lebenszeituhr namens Tikker, die 2014 auf den Markt kommen soll. Nachdem ihr Träger sein Alter und einige medizinische Grunddaten eingegeben hat, errechnet sie die verbleibende Lebenszeit und zählt sie in Sekunden ab. Der erhoffte Effekt: Der Träger soll sein Leben im Diesseits wieder schätzen und genießen.

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