Nano-Forschung: Wenn das iPhone baden geht

Nano-Forschung: Wenn das iPhone baden geht

, aktualisiert 17. November 2011, 14:52 Uhr
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Wer sein iPhone unbedingt auf Wasserverträglichkeit testen möchte, sollte die Markteinführung von NeverWet abwarten.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Ein amerikanisches Unternehmen wirbt für ein Nano-Spray, mit dem man angeblich sogar ein iPhone wasserdicht machen kann. Das Werbevideo hat im Internet Begeisterung ausgelöst. Doch was ist dran am Wunderspray?

DüsseldorfEs ist kaum zu glauben, was der amerikanische Unternehmer Andy Jones da verspricht. Sein sogenanntes „NeverWet“-Spray soll sämtliche Gegenstände mit einer wasserabweisenden Schutzschicht versehen können. „Ich habe mein iPhone mit NeverWet eingesprüht und es für dreißig Minuten in Wasser eingetaucht“, sagt der Chef des Unternehmens „Ross Technology“ in einem Interview. „Als ich es herausnahm, funktionierte es immer noch.“

Das Werbevideo, bei dem das Handy neben einer eingeschalteten Stoppuhr im Wasser versenkt wird, ohne kaputt zu gehen, hat im Internet einen regelrechten Begeisterungssturm ausgelöst. Nachdem diverse Technikportale über die Erfindung berichtet haben, fiebern die Fans auf der Facebook-Seite des Unternehmens der Markteinführung entgegen.

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Doch die wird noch auf sich warten lassen: Zwar hat die Firma nach eigenen Angaben bereits Lizenzen zur Verwendung von NeverWet an andere Unternehmen verkauft. Für Otto-Normal-Verbraucher soll das vermeintliche Wunderspray jedoch frühestens im nächsten Jahr erhältlich sein.

Damit sind die Videos des Unternehmens bisher der einzige Beleg für die Wirkung von NeverWet. Handelt es sich dabei womöglich nur um eine Fälschung?

Der Physiker Torsten Fleischer hält das Video für authentisch. „Technisch ist das alles schon möglich.“ Fleischer leitet eine Projektgruppe zur Nanotechnologie am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe.

Der Nanoforscher vermutet, dass durch das Spray eine besondere Oberflächenstruktur auf dem iPhone entsteht, welche den Lotuseffekt auslöst. Durch diesen Effekt perlt Wasser einfach von Oberflächen ab – und nimmt den Schmutz dabei mit. Durch die Schutzschicht käme das Wasser erst gar nicht mit dem Handy in Kontakt.


Forscher wollen die Natur imitieren

Was in der Natur schon lange funktioniert, wollen Forscher seit Jahren im Labor imitieren. „Es gab bereits ähnliche Produkte, bei denen der Versiegelungseffekt jedoch oft nur für kurze Zeit anhielt“, sagt Nano-Forscher Fleischer.

Zwar sei es relativ einfach, eine wasserfeste Schutzschicht herzustellen. „Doch bisher ist es nur eine Frage der Zeit, bis Abrieb, Schmutz oder Fingerabdrücke diese Schutzschicht zersetzten“, sagt Fleischer.

Das Unternehmen „Ross Technology“ behauptet, eine Wunderformel zur Lösung genau dieses Problems gefunden zu haben, die selbst extremer Hitze oder Kälte stand hält. Doch über die genaue Zusammensetzung schweigt sich das Unternehmen bisher aus.

Der Effekt ist keine Zauberei

Was allerdings nicht nur den Forscher überrascht: Auch die Anschlüsse für Lautsprecher und Batterieladegerät des Mobiltelefons scheinen wasserdicht zu bleiben. „Entweder, man hat sämtliche Öffnungen des Geräts abgedichtet, oder das komplette Innenleben des Handys wurde ebenfalls versiegelt“, sagt Fleischer. Letzteres ist nach Angabe des Herstellers jedoch nicht der Fall.

Dass die Wassertropfen in dem Video einfach von dem iPhone abperlen, ist dagegen keine Zauberei. „Das ist durchaus machbar und entspricht dem Stand der Technik", sagt Hermann Schirra.

Sein Unternehmen „Sarastro“  produziert seit fünf Jahren ähnliche Nanobeschichtungen, die von namhaften Medizinprodukteherstellern eingesetzt werden. Er ist von der Konkurrenz aus Übersee noch nicht überzeugt. „Um wirklich zu sagen, wie revolutionär diese Technik ist, müsste man langfristige Tests durchführen." Nur so lasse sich herausfinden, ob die Nanobeschichtung äußeren Einflüssen stand hält.

Bis es soweit ist, dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Wer bis dahin sein iPhone baden möchte, sollte destilliertes Wasser benutzen. Denn das leitet keinen Strom. Vielleicht ist das auch die Erklärung dafür, dass das iPhone im NeverWet-Werbevideo auch unter Wasser noch funktioniert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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