Neue Therapieform: Darmbakterien bekämpfen Lebensmittel-Allergien

Neue Therapieform: Darmbakterien bekämpfen Lebensmittel-Allergien

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Lebensmittel-Allergien können neben Magen-Darm-Beschwerden auch zu einem gefährlichen anaphylaktischen Schock führen.

Immer mehr Menschen sind von Allergien betroffen - eine Therapie gibt es bislang nicht. Nun haben Forscher eine bestimmte Bakterien-Gruppe identifiziert, die als eine Art Barriere gegen Allergene wirkt.

Jeder dritte Deutsche ist von Allergien betroffen. Während Heuschnupfen oder allergisches Asthma besonders häufig auftreten, sind Nahrungsmittelallergien deutlich seltener. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund leiden darunter schätzungsweise zwar nur fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung - doch sie leiden unter starken Einschränkungen: So genügt es etwa bei einer Erdnuss-Allergie nicht, nur auf Erdnuss-Produkte zu verzichten. Schon die Berührung oder das Einatmen von Erdnussallergenen kann zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Lebensmittel-Allergien, vor allem bei Kindern, sind zudem stark auf dem Vormarsch: Zwischen 1997 und 2011 haben sie um etwa 50 Prozent zugenommen. Da sie sich kaum behandeln lassen, wird intensiv nach Vorbeugung und Schutz geforscht.

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Eine Studie der Universität Chicago zeigt nun, dass bestimmte Darmbakterien eine Schutzfunktion übernehmen können. Bislang wurde diese Wirkung zwar nur an Mäusen getestet. Laut den Forschern könne das Potenzial beim Menschen aber leicht überprüft werden. So könnten möglicherweise Therapien mit Darmbakterien entwickelt werden.

Wissenswertes über Allergien

  • Allergene

    Dies sind die Stoffe, die eine allergische Reaktion auslösen. Eine Allergie auf Zucker oder Fett gibt es nicht. Allergene können Eiweiße oder Eiweiß-Verbindungen sein, die zum Beispiel in unserer Nahrung vorkommen. Meist handelt es sich um relativ kleine, gut lösliche Eiweiße, die leicht in unsere Schleimhäute im Mund, den Atemwegen oder dem Darm eindringen können.

  • Sensibilisierung

    Eine Allergie entsteht, wenn unser Immunsystem sich plötzlich gegen harmlose Stoffe wie Blütenpollen oder Eiweiße in Lebensmitteln wendet. Dieser falsche Alarm im Körper führt zur Bildung einer bestimmten Gruppe von Antikörpern, den sogenannten IgE. Den Vorgang der Aktivierung des Abwehrsystems durch die Bildung dieser Antikörper bezeichnet man als Sensibilisierung.

  • Zweiter Kontakt

    Kommt der Körper erneut mit dem fraglichen Stoff in Berührung, etwa durch den Verzehr eines Lebensmittels, reagieren die Antikörper mit den Allergenen der Nahrung. Dies nennt man Antigen-Antikörper-Reaktion. Sie führt zu einer Freisetzung des Botenstoffs Histamin im Körper. Histamin stellt die Gefäße weit und erhöht deren Durchlässigkeit. In der Folge strömt Wasser aus den Adern in das umliegende Gewebe. Es schwillt an, rötet sich, auch Juckreiz wird ausgelöst - die klassischen Symptome einer Allergie.

  • Anaphylaktischer Schock

    Die allergische Reaktion kann so heftig werden, dass es zu einem allergischen Schock mit Herz-Kreislauf-Störungen kommt. Auch die Atemwege können zuschwellen. Im schlimmsten Fall endet dies tödlich. Die häufigsten Auslöser für solch einen allergischen Schock sind Nüsse und Erdnüsse, Sesam, Schalentiere oder auch Sellerie.

Dass die Zahl der Allergiker vor allem in den Industrieländern immer weiter zunimmt, wird einer Reihe von Faktoren zugeschrieben. „Umwelteinflüsse wie übermäßiger Gebrauch von Antibiotika, fettreiche Ernährung, Kaiserschnitt-Geburten, Beseitigung gängiger Krankheitserreger und Muttermilchersatz beeinflussen die Mikroorganismen, mit denen wir uns gemeinsam entwickeln“, sagt Cathryn Nagler, Professorin für Nahrungsmittel-Allergien von der Universität Chicago, in einer Mitteilung zu den Forschungsergebnissen. „Unsere Resultate deuten darauf hin, dass dies zur zunehmenden Sensibilität für Lebensmittelallergien beiträgt.“

Die Bedeutung des Darms für unser Immunsystem und auch die Entwicklung von Allergien stand daher im Mittelpunkt der Forschung. Der Grund: Im Darm befindet sich eine Mikroflora von Bakterien, mit denen wir in aller Regel nicht nur harmonisch zusammenleben, sondern die auch wichtige Funktionen für uns erfüllen.

100 Billionen Bakterien gedeihen in unserem Dickdarm - das entspricht einer Masse von etwa einem Kilogramm. Für sie enthält der Speisebrei, der im Dickdarm ankommt und für uns nur noch Abfall ist, durchaus noch Nährstoffe. Sie können zum Beispiel unverwertbare Ballaststoffe aus pflanzlicher Nahrung noch weiter aufspalten. So produzieren sie Substanzen, zum Beispiel Vitamin K oder Fettsäuren, die wir über die Darmwand aufnehmen.

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