Neue Therapieform: Mit Selbstmord-Genen gegen Krebstumore

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Neue Therapieform: Mit Selbstmord-Genen gegen Krebstumore

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Das Münchner Biotechnik-Unternehmen Apceth will versuchen, Krebszellen mit Hilfe von Stammzellen zu zerstören und damit die Krankheit selbst zu heilen.

von Susanne Kutter

Das Münchner Biotechnik-Unternehmen Apceth hat weltweit die erste Genehmigung erhalten, mit gentechnisch veränderten Stammzellen Krebs versuchsweise zu therapieren. Worum es genau geht.

Stammzellen werden in der Krebstherapie schon seit vielen Jahren mit großem Erfolg eingesetzt, zum Beispiel um das Immunsystem der Patienten nach einer Chemotherapie wieder aufzubauen. Was das Münchner Biotechnik-Unternehmen Apceth jetzt allerdings versuchen will, ist ein ganz neuer und innovativer Ansatz, Krebszellen mit Hilfe von Stammzellen zu zerstören und damit die Krankheit selbst zu heilen. Am Menschen hat das bisher noch niemand versucht. Wie Apceth gerade bekannt gab, hat das Unternehmen nun als weltweit erstes die Erlaubnis, die neue Therapie an Patienten mit fortgeschrittenem Magen-, Dickdarm- und Enddarmkrebs versuchsweise zu behandeln.

Der Trick an der neuen Therapie: Die Stammzellen werden als Lotsen benutzt, um ein bestimmtes Gen, das Medikamente tausendfach wirksamer macht, ganz gezielt zu den Krebsgeschwüren und deren Ablegern, den Metastasen zu bringen. Warum das so gut funktioniert, erläutert Ralf Huss, der wissenschaftliche Leiter von Apceth, so: "Die Stammzellen finden ihren Weg zu den Krebszellen, weil diese Signale aussenden, um sie anzulocken."

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Scharf gemacht mit Sebstmord-Gen

Apceth hat als weltweit erstes Unternehmen die Erlaubnis, die neue Therapie an Patienten mit fortgeschrittenem Magen-, Dickdarm- und Enddarmkrebs versuchsweise zu behandeln. Quelle: Presse

Apceth hat als weltweit erstes Unternehmen die Erlaubnis, die neue Therapie an Patienten mit fortgeschrittenem Magen-, Dickdarm- und Enddarmkrebs versuchsweise zu behandeln.

Bild: Presse

Zuvor werden die sogenannten adulten, mesenchymalen Stammzellen, die den Patienten vor der Behandlung aus dem Knochenmark entnommen werden - im Labor präpariert: Sie bekommen das Gen eines Herpes-Virus eingebaut, der sich vor Ort - in den Tumoren und Metastasen - zu einer Art Selbstmord-Gen für die Krebszellen entwickelt. Denn gleichzeitig mit den Stammzellen bekommt der Patient ein Antivirenmittel in die Blutbahn gespritzt. Dessen zerstörerische Kraft auf die Zellen ist nun "um den Faktor 1.000 höher" also ohne das Selbstmord-Gen, sagt Huss. Das Gen-Stück aus dem Virus ist für den restlichen, gesunden Körper jedoch völlig ungefährlich und kann keinerlei Infektion auslösen, betont Huss.

Die Therapie, die im Tierversuch sehr gute Ergebnisse erbrachte, muss sich nun in den ersten Versuchen am Menschen beweisen. Sie werden in den nächsten Wochen am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München beginnen. Gelingt die Heilung mit den gentechnisch scharf gemachten Stammzellen, will Apceth die Therapie mit solchen Zellen, die unabhängig vom einzelnen Patienten gezüchtet und präpariert werden, weiter entwickeln.

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Das wäre logistisch sehr viel einfacher, als jedem Krebskranken sehr aufwendig seine eigenen Stammzellen zu entnehmen und diese dann jeweils gentechnisch zu verändern. Und es sei mit dieser Form von Stammzellen, die Apceth benutzt, auch sehr gut möglich, sagt Huss: "Fremde mesenchymale, adulte Stammzellen lösen keine Abwehrreaktion im Körper des Empfängers aus, das wurde bereits vielfach bewiesen."

Dann könnte eines Tages das moderne Stammzellpräparat gegen Krebs ganz einfach in der Apotheke verkauft werden wie gewöhnliche Impfstoffe oder Pillen auch.

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