Nobelpreis für Medizin: US-Forscher bekommen Auszeichnung

Nobelpreis-Bekanntgabe 2017: US-Forscher bekommen Nobelpreis für Medizin

, aktualisiert 02. Oktober 2017, 13:23 Uhr
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Die Gewinner des Nobelpreises für Medizin 2017: Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young.

Mit dem Nobelpreis für Medizin ist die Woche der Nobelpreis-Bekanntgaben 2017 gestartet. Den Medizin-Nobelpreis bekommen in diesem Jahr drei US-Amerikaner für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die drei US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 930.000 Euro (neun Millionen Schwedischen Kronen) dotiert, jeder Preisträger erhält ein Drittel davon.

„Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young waren in der Lage, einen Blick ins Innere unserer biologischen Uhr zu werfen und ihre Funktionsweise zu beleuchten“, hieß es von der Nobeljury. „Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus so anpassen, dass er mit dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erde übereinstimmt.“

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Die drei US-Amerikaner konnten 1984 bei Fruchtfliegen ein bestimmtes Gen (period) isolieren, das den biologischen Tagesrhythmus steuert. Hall (72) und Rosbash (73) fanden dann heraus, dass sich das dazugehörige Protein in den Zellen nachts anreichert und am Tag abgebaut wird. Einige Jahre später entdeckte Young (68) zwei weitere Proteine, die für die Stetigkeit der Inneren Uhr von großer Bedeutung sind.

Die Medizin-Nobelpreisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2016

    2016 erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi den Medizinnobelpreis. Er hatte die lebenswichtige Müllentsorgung in Körperzellen entschlüsselt.

  • 2015

    Die Chinesin Youyou Tu für die Entdeckung des Malaria-Wirkstoffs Artemisinin. Sie teilte sich den Preis mit dem gebürtigen Iren William C. Campbell und dem Japaner Satoshi Omura, die an der Bekämpfung weiterer Parasiten gearbeitet hatten.

  • 2014

    Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe USA, Großbritannien - für die Entdeckung eines Navis im Hirn. Sie fanden grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns.

  • 2013

    Thomas Südhof, gebürtig aus Deutschland, sowie James Rothman und Randy Schekman, USA - für die Entdeckung von wesentlichen Transportmechanismen in Zellen.

  • 2012

    Sir John B. Gurdon, Großbritannien, und Shinya Yamanaka, Japan - für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihnen ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können.

  • 2011

    Bruce Beutler, USA, und Jules Hoffmann, Frankreich - für ihre Entdeckungen über die Aktivierung der angeborenen Immunität.

    Ralph Steinman, Kanada - für seine Entdeckung der dendritischen Zellen und ihrer Rolle in der adaptiven Immunität.

  • 2010

    Robert Edwards, Großbritannien - für seine Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.

  • 2009

    Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak, alle USA - für die Entdeckung, wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden.

  • 2008

    Harald zur Hausen, Deutschland - für seine Entdeckung der Auslösung des Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren.

    Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, beide Frankreich - für die Entdeckung des HI-Virus.

  • 2007

    Mario Capecchi und Oliver Smithies, beide USA, sowie Martin Evans, Großbritannien - für ihre Entdeckungen im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-rekombination bei Säugetieren.

  • 2006

    Andrew Fire und Craig Mello, beide USA - für ihre Entdeckung der RNA-Interferenz.

Die Nobeljury spricht von einem „Paradigmenwechsel“ durch die Entdeckungen der Forscher. „Die Erkenntnisse können ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig gute Schlafmuster sind“, sagte Jurymitglied Juleen Zierath. Deutlich werde auch, dass man den besten Schlaf in einer dunklen Umgebung bekommt.

Wie funktioniert die Innere Uhr? Vereinfacht gesagt laufen in den Zellen hintereinander bestimmte biochemische Reaktionen ab. Sie bilden eine Art Kreislauf, der im Prinzip immer gleich lang dauert. Jeder Schritt passiert zu einer festgelegten „inneren Uhrzeit“. Dabei gibt es oft eine Art Hauptuhr im Gehirn, die Taktgeber für den restlichen Körper ist. Die Innere Uhr ist unter anderem daran beteiligt, wann wir müde werden. Sie steuert auch Faktoren wie die Körpertemperatur und die Reaktionsgeschwindigkeit mit.

Der frisch gekürte Medizinnobelpreisträger Michael Rosbash hat nach dem Anruf aus Stockholm erstmal keine Luft mehr bekommen. „Ich war atemlos - im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Roshbash am Montag im schwedischen Radio. „Meine Ehefrau sagte: „Bitte atme!“ Ich habe keine Luft mehr bekommen.“

Die Nachricht, für den Nobelpreis ausgewählt worden zu sein, habe er über das Telefon neben seinem Bett bekommen. „Das klingelt normalerweise überhaupt nicht mehr, außer jemand stirbt, oder etwas von dieser Bedeutung passiert. Sonst läuft ja alles über Handys.“ Das Klingeln des Telefons habe ihn aus dem Tiefschlag geweckt. „Ich habe fest geschlafen, es war 5.10 Uhr morgens hier. Was für eine Art, aufzuwachen!“ Danach habe er noch im Schlafanzug erstmal Kaffee getrunken und sich auf den „Ansturm“ der Anrufe vorbereitet, vor allem von seiner Tochter und seinem Bruder. „Und dann wird sich mein Leben wahrscheinlich komplett verändern und ich werde mit vielen Menschen sprechen.“

Forschung, Spenden, Yacht Wofür Nobelpreisträger ihren Gewinn ausgeben

Ein Nobelpreis bringt Ruhm und Anerkennung für Forschung und Forscher. Doch er bringt auch Geld. Nicht alle Gewinner sagen gern, was sie damit anfangen. Ein paar Investitionen der Nobelpreisträger sind aber bekannt.

Medaille Alfred Nobel Quelle: dpa

Seit 1901 haben 211 Menschen den Medizinnobelpreis erhalten, darunter zwölf Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie. Im vergangenen Jahr erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis. Er hatte das lebenswichtige Recycling-System in Körperzellen entschlüsselt.

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur und am Freitag die des Friedensnobelpreisträgers.

Am darauffolgenden Montag wird bekannt gegeben, wer den von der schwedischen Reichsbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis erhält.

Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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