Nobelpreis für Medizin: Japaner bekommt Medizin-Nobelpreis

Nobelpreis für Medizin: Japaner bekommt Medizin-Nobelpreis

, aktualisiert 03. Oktober 2016, 13:44 Uhr
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Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Japaner Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus.

In Stockholm hat die Jury verkündet, wer in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin erhalten wird. Gewonnen hat ein japanischer Wissenschaftler.

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr nach Japan. Der Japaner Yoshinori Ohsumi wird für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus ausgezeichnet, der unter anderem bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle spielt. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die Jury würdigte Ohsumi für „brillante Experimente“ zur sogenannten Autophagie, einem Prozess, bei dem Zellen ihre Inhalte zerteilen und sozusagen recyceln.

Eine gestörte Autophagie sei mit diversen Krankheiten in Verbindung gebracht worden, unter anderem mit der Parkinson-Krankheit, Diabetes und Krebs, erklärte das Institut. Zwar sei das Konzept bereits seit mehr als 50 Jahren bekannt. Doch sei seine „fundamentale Bedeutung“ erst nach Ohsumis Forschungsarbeiten in den 1990er Jahren erkannt worden.

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Ohsumi zeigte sich überwältigt von der Auszeichnung: „Das ist eine Freude für einen Forscher, die nicht zu übertreffen ist“, sagte der 71-Jährige in einem Gespräch mit dem japanischen Fernsehsender NHK. Auf die Frage, warum er sich auf die Auflösung und nicht auf die Zusammensetzung von Proteinen fokussiert habe, sagte der Wissenschaftler: „Ich wollte etwas tun, das die anderen nicht taten.“

Zehn Mythen über den Nobelpreis

  • Hitler wurde für den Friedensnobelpreis nominiert

    Richtig. Adolf Hitler wurde 1939 von dem schwedischen Abgeordneten E.G.C. Brandt für den Preis nominiert, der „Brüderlichkeit unter den Nationen“ und weltweite Abrüstung vorantreiben soll. Brandt zog die Nominierung später zurück und erklärte, sie sei satirisch gemeint gewesen. Die Episode zeigt, dass praktisch jedermann nominiert werden kann. Über die Aussichten, den Preis tatsächlich zu bekommen, sagt eine Nominierung nichts aus.

  • Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen

    Falsch. Der Friedensnobelpreis wird, wie von Alfred Nobel verfügt, in Oslo verkündet und verliehen. Warum Nobel das so wünschte, ist nicht bekannt, doch waren Schweden und Norwegen zu seinen Lebzeiten in einer Personalunion verbunden.

  • Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis

    Richtig. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zählte nicht zu den fünf Auszeichnungen, die Alfred Nobel in seinem Testament für die Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden forderte. Er wurde 1968 zu Ehren Nobels von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird gemeinsam mit den anderen Preisen bekanntgegeben, ist mit demselben Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (878.000 Euro) dotiert und wird bei der jährlichen Nobelpreiszeremonie im Dezember verliehen. Doch formal ist er kein Nobelpreis. Der offizielle Name lautet „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank“.

  • Fast alle Preisträger sind Männer

    Richtig. Von den 847 Personen, die bislang einen Nobelpreis erhielten, waren nur 44 Frauen - das sind gerade einmal rund fünf Prozent der Preisträger. 15 Frauen wurden mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet, während nur eine - die US-Forscherin Elinor Ostrom 2009 - den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Das Geschlecht spiele bei ihrer Entscheidung über die Preisträger jedoch keine Rolle, sagen die Nobel-Juroren. Das Verhältnis spiegele nur die historische Dominanz von Männern in vielen Forschungsbereichen wider.

  • Nobelpreise können posthum verliehen werden

    Falsch. Seit 1974 werden von den Preiskomitees nur lebende Personen berücksichtigt. 2011 machte die Nobelstiftung allerdings eine Ausnahme: Erst unmittelbar nach der Bekanntgabe des Preises für Medizin hatte sich herausgestellt, dass einer der Geehrten, der kanadische Immunforscher Ralph Steinman, wenige Tage zuvor gestorben war. Die Stiftung beließ es bei der Entscheidung, Steinmans Anteil am Preisgeld ging an seine Hinterbliebenen.

  • Man kann nur in einer Kategorie nominiert werden

    Falsch. Die Französin Marie Curie gewann 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. Der US-Chemiker und Friedensaktivist Linus Pauling erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie, acht Jahre später wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

  • Churchill gewann den Friedensnobelpreis

    Falsch. Der redegewandte, konservative britische Politiker Winston Churchill erhielt zwar einen Nobelpreis, allerdings in der Kategorie Literatur. Er wurde damit 1953 „für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte“ ausgezeichnet.

  • Auch vier oder mehr Personen können sich einen Nobelpreis teilen

    Falsch. Die Nobelstatuten besagen, dass die Auszeichnungen unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden können, doch in keinem Fall „darf eine Preissumme unter mehr als drei Personen aufgeteilt werden“.

  • Ein Nobelpreis kann nicht wieder entzogen werden

    Richtig. Die Nobelstatuten sind diesbezüglich eindeutig. Wer einen Nobelpreis bekommen hat, behält ihn für immer. Paragraf 10 lautet: „Gegen die Entscheidung eines Preisgremiums dürfen keine Einsprüche bezüglich der Zuerkennung eines Preises erhoben werden.“ Online-Petitionen, die zum Entzug eines bestimmten Preises aufrufen, sind daher wirkungslos.

  • Man kann nur einmal einen Nobelpreis gewinnen

    Falsch. Es gibt keine Obergrenze, wie oft jemand mit einem Nobelpreis geehrt werden kann. Der US-Wissenschaftler John Bardeen gewann den Preis für Physik zweimal, 1956 und 1972. Der britische Biochemiker Frederick Sanger erhielt zwei Preise für Chemie, 1958 und 1980.

Ohsumi wurde 1945 im japanischen Fukuoka geboren. Er ist derzeit Professor am Tokio-Institut für Technologie. Im vergangenen Jahr teilten sich den Nobelpreis für Medizin drei Wissenschaftler, die Behandlungen für Malaria und andere Tropenkrankheiten entwickelten.

Der Nobelpreis für Medizin ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Er wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht.

Dritter Medizin-Nobelpreis an Japaner seit 2012

Yoshinori Ohsumi ist bereits der dritte Japaner seit 2012, der den Medizin-Nobelpreis bekommt. Bereits im vergangenen Jahr wurde Satoshi Omura geehrt. Er hatte zusammen mit dem gebürtigen Iren William C. Campbell den Wirkstoff Avermectin entwickelt. Daraus entstanden Präparate gegen bestimmte Parasitenerkrankungen. Shinya Yamanaka erhielt 2012 zusammen mit dem Briten John Gurdon den renommiertesten Forschungspreis für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand.

Auch beim Physik-Nobelpreis sind die Japaner stark. Im vergangenen Jahr wurde Takaaki Kajita zusammen mit dem Kanadier Arthur McDonald für den Nachweis geehrt, dass Neutrino-Elementarteilchen eine Masse haben. Im Jahr zuvor bekamen die drei gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für spezielle Leuchtdioden den Preis. Das Nobel-Komitee wies am Montag darauf hin, dass die asiatische Forschung stark im kommen ist.

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