Norweger und US-Forscher ausgezeichnet: Medizin-Nobelpreis für Entdeckung des Orientierungssinns

Norweger und US-Forscher ausgezeichnet: Medizin-Nobelpreis für Entdeckung des Orientierungssinns

, aktualisiert 06. Oktober 2014, 12:05 Uhr
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Die Hirnforscher Edvard Moser (l) und May-Britt Moser (M) aus Norwegen und der Wissenschaftler John O'Keefe wurden mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

John O'Keefe und May-Britt sowie Edvard Moser erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Ausgezeichnet werden sie für ihre Entdeckung unseres "inneren Navigationssystems".

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an John O'Keefe aus den USA sowie May-Britt Moser und Edvard Moser (beide aus Norwegen). Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die Forscher O’Keefe und Moser erhielten die Auszeichnung für ihre Entdeckung von Zellen, die als eine Art inneres Navigationssystem funktionieren.

Diese Zellen sagen unserem Gehirn, wo wir sind und wie wir von einem Ort zu einem anderen kommen. Dieses "innere GPS"-System speichert auch unsere Wege, damit wir uns im Raum orientieren können und uns zurecht finden. O'Keefe fand bereits 1971 die erste Komponente dieses komplexen zellulären Systems.

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Zehn Mythen über den Nobelpreis

  • Hitler wurde für den Friedensnobelpreis nominiert

    Richtig. Adolf Hitler wurde 1939 von dem schwedischen Abgeordneten E.G.C. Brandt für den Preis nominiert, der „Brüderlichkeit unter den Nationen“ und weltweite Abrüstung vorantreiben soll. Brandt zog die Nominierung später zurück und erklärte, sie sei satirisch gemeint gewesen. Die Episode zeigt, dass praktisch jedermann nominiert werden kann. Über die Aussichten, den Preis tatsächlich zu bekommen, sagt eine Nominierung nichts aus.

  • Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen

    Falsch. Der Friedensnobelpreis wird, wie von Alfred Nobel verfügt, in Oslo verkündet und verliehen. Warum Nobel das so wünschte, ist nicht bekannt, doch waren Schweden und Norwegen zu seinen Lebzeiten in einer Personalunion verbunden.

  • Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist kein echter Nobelpreis

    Richtig. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zählte nicht zu den fünf Auszeichnungen, die Alfred Nobel in seinem Testament für die Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden forderte. Er wurde 1968 zu Ehren Nobels von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird gemeinsam mit den anderen Preisen bekanntgegeben, ist mit demselben Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (878.000 Euro) dotiert und wird bei der jährlichen Nobelpreiszeremonie im Dezember verliehen. Doch formal ist er kein Nobelpreis. Der offizielle Name lautet „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank“.

  • Fast alle Preisträger sind Männer

    Richtig. Von den 847 Personen, die bislang einen Nobelpreis erhielten, waren nur 44 Frauen - das sind gerade einmal rund fünf Prozent der Preisträger. 15 Frauen wurden mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet, während nur eine - die US-Forscherin Elinor Ostrom 2009 - den Preis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Das Geschlecht spiele bei ihrer Entscheidung über die Preisträger jedoch keine Rolle, sagen die Nobel-Juroren. Das Verhältnis spiegele nur die historische Dominanz von Männern in vielen Forschungsbereichen wider.

  • Nobelpreise können posthum verliehen werden

    Falsch. Seit 1974 werden von den Preiskomitees nur lebende Personen berücksichtigt. 2011 machte die Nobelstiftung allerdings eine Ausnahme: Erst unmittelbar nach der Bekanntgabe des Preises für Medizin hatte sich herausgestellt, dass einer der Geehrten, der kanadische Immunforscher Ralph Steinman, wenige Tage zuvor gestorben war. Die Stiftung beließ es bei der Entscheidung, Steinmans Anteil am Preisgeld ging an seine Hinterbliebenen.

  • Man kann nur in einer Kategorie nominiert werden

    Falsch. Die Französin Marie Curie gewann 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. Der US-Chemiker und Friedensaktivist Linus Pauling erhielt 1954 den Nobelpreis für Chemie, acht Jahre später wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

  • Churchill gewann den Friedensnobelpreis

    Falsch. Der redegewandte, konservative britische Politiker Winston Churchill erhielt zwar einen Nobelpreis, allerdings in der Kategorie Literatur. Er wurde damit 1953 „für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte“ ausgezeichnet.

  • Auch vier oder mehr Personen können sich einen Nobelpreis teilen

    Falsch. Die Nobelstatuten besagen, dass die Auszeichnungen unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden können, doch in keinem Fall „darf eine Preissumme unter mehr als drei Personen aufgeteilt werden“.

  • Ein Nobelpreis kann nicht wieder entzogen werden

    Richtig. Die Nobelstatuten sind diesbezüglich eindeutig. Wer einen Nobelpreis bekommen hat, behält ihn für immer. Paragraf 10 lautet: „Gegen die Entscheidung eines Preisgremiums dürfen keine Einsprüche bezüglich der Zuerkennung eines Preises erhoben werden.“ Online-Petitionen, die zum Entzug eines bestimmten Preises aufrufen, sind daher wirkungslos.

  • Man kann nur einmal einen Nobelpreis gewinnen

    Falsch. Es gibt keine Obergrenze, wie oft jemand mit einem Nobelpreis geehrt werden kann. Der US-Wissenschaftler John Bardeen gewann den Preis für Physik zweimal, 1956 und 1972. Der britische Biochemiker Frederick Sanger erhielt zwei Preise für Chemie, 1958 und 1980.

Er forschte damals an Ratten. Dabei fand er einen bestimmten Typus von Nervenzellen in einem Gehirn-Areal, das Hippocampus genannt wird. Dieses Hirn-Areal wurde stets aktiviert, wenn die Ratte ihre Standorte änderte. Der Forscher schlussfolgerte, dass diese "Standort-Zellen" ("place cells"), wie er sie nannte, eine Karte des Raums erstellen.

May-Britt und Edvard Moser setzten die Forschungen fort. Sie fanden 2005 eine weitere Komponente des Navigationssystems in unserem Gehirn. Sie identifizierten eine andere Art von Nervenzellen, die sie "grid cells" (zu deutsch etwa Koordinaten- oder Raster-Zellen) nannten. Diese Zellen erstellen in Zusammenarbeit mit anderen Zellen eine Art mentale Landkarte im Hirn. Das erlaubt uns eine präzise Positionierung und Wegfindung. Die beiden Hirnforscher konnten damit erstmals eine abstrakte Denkleistung auf Zell-Ebene nachweisen.

Warum Alzheimer-Patienten sich verirren

Dieses Wissen wird aktuell bei Alzheimer-Patienten weiter erforscht. Bei dieser Krankheit wird etwa der Hippocampus bereits in einem frühen Stadium in Mitleidenschaft gezogen. Die Patienten verirren sich dadurch leicht und erkennen oftmals ihre Umgebung nicht mehr wieder. Mediziner erhoffen sich durch das Wissen über das Orientierungssystem unseres Hirns weitere Erkenntnisse über die verheerende Alzheimer-Krankheit und die damit einhergehenden Erinnerungslücken.

May-Britt und Edvard Moser erhielten im September bereits den Körber-Preis 2014 für ihre Forschungen.

Vergangenes Jahr erhielt der Deutsche Thomas Südhof den Nobelpreis für Medizin und musste darauf eine ganze Weile warten. Denn das Komitee konnte ihn am Vormittag telefonisch nicht erreichen. So erfuhr der gebürtige Deutsche erst nach der Welt-Öffentlichkeit, dass er zusammen mit den US-Amerikanern James E. Rothman (63) und Randy W. Shekman (65) den Nobelpreis für Medizin erhalten hatte. Mit dieser Auszeichnung habe er niemals gerechnet, sagte Südhof. "Diese Ehre ist unglaublich schön."

Weitere Artikel

Diese Woche wird täglich ein Nobelpreisträger benannt: Am Donnerstag etwa wird der diesjährige Gewinner des Literaturnobelpreises bekanntgegeben. Am 13. Oktober wird zum Abschluss der Träger des Wirtschaftsnobelpreises bekannt.

Jeder Nobelpreis ist mit rund 880.000 Euro dotiert. Die Preise werden jedes Jahr am 10. Dezember verliehen, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel.

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