Nützliche Bakterien: Der Darm hat Charme

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Nützliche Bakterien: Der Darm hat Charme

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Bei vielen Krankheiten können Bakterien die Heilung bringen. Aber noch ist die Rechtslage unklar

von Susanne Kutter

Bei Bakterien denken die meisten Menschen an gefährliche Erreger. Doch inzwischen mehren sich die Hinweise auf ihre positiven Eigenschaften. Forscher vermuten, dass vor allem Darmbakterien Krankheiten heilen.

Wir sind nicht allein. Nie. In uns, auf uns lebt es: Abermillionen an Bakterien und anderen Mikroorganismen betrachten uns als Biotop auf zwei Beinen. Stolze zwei Kilogramm bringt dieses Mikrobiom zusammengerechnet beim Erwachsenen auf die Waage; auf jede einzelne Zelle unseres Körpers kommen rechnerisch zehn Miniviecher.

Und das ist gut so.

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Denn ohne die Mikroben, die uns besiedeln, könnten wir gar nicht überleben. So helfen uns Bakterien im Dünndarm – die berühmte Darmflora –, die Nahrung ordentlich zu verdauen. Mikroorganismen auf der Haut wehren gefährliche Erreger ab.

Die kleinen Mitbewohner spielen – das wird erst jetzt so richtig klar – aber auch eine wichtige Rolle bei erstaunlich vielen Krankheiten: angefangen bei Darmerkrankungen über Rheuma bis hin zu Depressionen.

Wie im tropischen Dschungel, in dem sich Pflanzen und Tiere in einem sensiblen ökologischen Gleichgewicht befinden, hat es auch für das Mikrobiom katastrophale Folgen, wenn sich die Zusammensetzung der Mikrobenarten verschiebt. Das Abwehrsystem des Menschen kann dadurch so irritiert werden, dass Immunzellen körpereigenes Gewebe angreifen.

Chronische Entzündungen im Darm wie Morbus Crohn aber auch multiple Sklerose, Rheuma oder die Zuckerstoffwechselerkrankung Diabetes sind Beispiele. Oder es können sich fremde Bakterien breitmachen, die starke Durchfälle auslösen.

Alles andere als appetitlich

Was tun, wenn das passiert?

Gerade dann, wenn Medikamente keinerlei Wirkung zeigen und radikale Eingriffe wie etwa die Entfernung eines Teils des Darms bevorsteht, sind Ärzte jüngst auf eine relativ simple List verfallen.

Sie versuchen, die alten Machtverhältnisse, sprich die Artzusammensetzung im Darm, wiederherzustellen. Sie übertragen dazu einfach die Mikroben eines Gesunden auf den Kranken.

Ganz praktisch bedeutet das – und jetzt wird es etwas anrüchig: Sie besorgen sich eine Stuhlprobe und bringen sie in den Darm des Erkrankten.

Zugegeben: Die Methode ist alles andere als appetitlich. Doch sie zeigte in einzelnen Fällen auch bei Parkinson-Patienten und Menschen mit Autoimmunkrankheiten wie multipler Sklerose (MS) große Wirkung. Sogar Autisten, die sich mehr oder weniger stark von der Welt abkapseln, schien eine neue Darmflora zu mehr Weltoffenheit zu verhelfen – auch wenn die zugehörigen Publikationen umstritten sind.

Denn bisher gibt es hier keine sauberen klinischen Studien, sondern lediglich Einzelfallbeobachtungen. Wenn sich die Wirksamkeit aber in Zukunft mit Studien belegen lässt, scheint das Potenzial möglicher Anwendungen geradezu fantastisch.

Entsprechend groß ist das Interesse an der neuen Therapieform. Forscher wie Kliniken sind elektrisiert. Die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichung zum Thema steigt derzeit sprunghaft an. Ebenso die Zahl der gerade laufenden klinischen Studien (siehe Grafik). Und immer mehr Krankenhäuser bieten die neue Heilmethode an.

Manch verzweifelter Patient hat auch schon die im Internet kursierenden Do-it-yourself-Anleitungen ausprobiert, wie Stuhlproben von Freunden und Verwandten im heimischen Badezimmer aufzubereiten sind.

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