OECD-Gesundheitsreport: Menschen aus reichen Ländern nehmen mehr Antidepressiva

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OECD-Gesundheitsreport: Menschen aus reichen Ländern nehmen mehr Antidepressiva

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Ergebnis des OECD-Gesundheitsreports: Vor allem Menschen in reicheren Ländern greifen schneller zu Antidepressiva.

In wohlhabenden Ländern werden Patienten öfter Antidepressiva von Ärzten verschrieben. Das zeigt der neue OECD-Gesundheitsreport.

Die kleinen Pillen wirken gegen Schwermut und Depressionen. Für viele Betroffene werden sie damit zum Heilsbringer in einer schweren Krankheit. Dennoch sind die Antidepressiva nicht unumstritten, denn die harmlos aussehenden Pillen bergen Risiken und Nebenwirkungen.

Der neue OECD-Report "Health at a Glance 2013"zeigt: obwohl das Verschreiben von Antidepressiva nicht unumstritten ist, verordnen vor allem in reicheren Ländern immer mehr Ärzte ihren Patienten das Medikament. Demnach ist der Konsum von Antidepressiva in den vergangenen zehn Jahren massiv angestiegen. Angeführt wird die Tabelle dabei von Island, Australien und Kanada. Noch im Jahr 2000 wurden beispielsweise in Island etwa 71 Dosen pro 1000 Einwohnern pro Tag verschrieben, 2011 waren es schon 106 Dosen. In Australien und Kanada ist der Anstieg noch deutlicher: wurden 2011 wurden in Australien etwa 89 Dosen verschrieben, im Jahr 2000 waren es noch weniger als 50. In Kanada ist die Verschreibung um 86 Dosen gestiegen.

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Auch Deutschland ist laut dem Report betroffen: von knapp über 20 Tagesdosen je 1000 Einwohner im Jahr 2000 stieg die Zahl der Verschreibungen auf 50 Tagesdosen 2011. Am wenigsten Antidepressiva werden in Korea verschrieben, nur rund 13 pro 1000 Einwohner und Tag. Der OECD-Durchschnitt liegt damit bei 56 Tagesdosen pro 1000 Einwohnern.

Forscher vermuten, dass der Grund für den Anstieg vor allem darin liegt, dass Antidepressiva nun auch bei leichteren Depressionen verschrieben werden. Die Frage, ab welchem Krankheitsgrad der Stimmungsaufheller verschrieben werden soll, ist nicht genau definiert und führt daher immer wieder zu Diskussionen.  Bei einer zu voreiligen Einnahme von Antidepressiva, so Studien, wirke das Medikament kaum besser als ein Scheinmedikament. Dadurch würden Patienten unnötigen Risiken ausgesetzt, die das Medikament mit sich bringt. Auch die vermehrte Bereitwilligkeit, sich aufgrund von Depressionen behandeln zu lassen, stellt laut Studie einen Grund für den Verschreibungsanstieg dar.

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Laut OECD-Report könnte ein weiterer Grund für die ansteigende Verschreibung auch in der Finanzkrise liegen. Vor allem in Spanien und Portugal, die schwer von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, sind die Verschreibungsraten laut Gesundheitsreport in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent angestiegen. Die ökonomische Krise rufe zunehmend Unsicherheit in der Bevölkerung hervor, die mit der Verschreibung von Antidepressiva einhergehe.

Eine alleinige Erklärung für den Anstieg ist die Finanzkrise allerdings nicht. In Ländern wie Deutschland, die nicht so stark von der Krise betroffen sind, ist der Konsum von Antidepressiva stärker angestiegen als in Krisenländern (zum Vergleich: in Deutschland ist der Konsum zwischen 2007 und 2011 um rund 46 Prozent angestiegen).

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